US-Iran-Gespräche: Pakistans großer Moment hinauf dieser Weltbühne

Mehr als 15 Jahre ist es her, dass zuletzt ein US-Vizepräsident in die pakistanische Hauptstadt Islamabad gereist ist. Der angekündigte Besuch von J. D. Vance anlässlich der Verhandlungen mit Iran ist für Pakistan nicht nur ein enormer Prestigegewinn, sondern auch eine enorme Herausforderung in Sachen Sicherheit. Für die iranischen Unterhändler wurden ebenfalls außerordentliche Schutzmaßnahmen getroffen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf soll erst auf Pakistans Drängen hin von einer Todesliste Israels gestrichen worden sein.

Die Umgebung des edlen Serena-Hotels, in dem die Delegationen untergebracht werden sollen, wurde schon am Donnerstag im Umkreis von drei Kilometern komplett abgeriegelt. „Rote Zone“ heißt das im pakistanischen Sicherheitsjargon. In der Hauptstadt und in Rawalpindi, dem Sitz der Militärführung, wurden Donnerstag und Freitag zu Feiertagen erklärt.

Mehr als 10.000 Polizisten, Geheimdienstmitarbeiter und Soldaten sind nach offiziellen Angaben im Einsatz. Das Militär führt die Sicherheitsmaßnahmen an. Am Himmel wurden am Freitag Kampfflugzeuge gesichtet. Islamabad hat viel Erfahrung damit, Zufahrtsstraßen und ganze Wohnviertel mit Schiffscontainern abzusperren. Das geschieht regelmäßig, wenn Regierungsgegner nach Islamabad marschieren. Ein besonders striktes Protokoll gab es zuletzt im Oktober 2024, als ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Islamabad stattfand.

Für Pakistan steht viel auf dem Spiel

Mit Informationen über den Ablauf der Gespräche hält sich die pakistanische Führung bedeckt. Am Freitag widersprachen iranische Medien dem „Wall Street Journal“, demzufolge die iranische Delegation bereits in der Stadt angekommen sei. Die von der Revolutionsgarde kontrollierte Nachrichtenagentur Tasnim bezeichnete das als „komplett falsch“. Iran werde erst verhandeln, wenn Israel seine Angriffe in Libanon einstelle.

Für den Vermittler Pakistan steht bei den Gesprächen viel auf dem Spiel. Pakistanische Medien sprechen stolz davon, dass das Land Ausrichter „einer der folgenreichsten diplomatischen Begegnungen der jüngeren Geschichte“ werden könnte. Das Land hofft, seinen Auftritt auf der Weltbühne nutzen zu können, um sein Image aufzupolieren. In den USA galt das Land wegen seiner früheren Unterstützung der Taliban lange als unverlässlicher Partner. Auch Donald Trump hat Islamabad in seiner ersten Amtszeit „Lug und Trug“ vorgeworfen.

Seit dem Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan 2021 ist Pakistan international aus dem Blickfeld geraten, während Indien mit seinem Narrativ vom „Terrorexporteur Pakistan“ Gehör fand. Nach dem zweiten Amtsantritt Trumps erkannte die pakistanische Führung ihre Chance, das zu ändern. Sie schlug den Präsidenten mehrfach für den Friedensnobelpreis vor, bot ihm Bodenschätze und lukrative Deals mit Kryptowährung an.

Pakistan dient sich Trump als Partner an

In Washington erkannte man schon während des Zwölftagekriegs im vergangenen Juni, dass Pakistan mit Blick auf Iran ein nützlicher Partner sein könnte. Drei Tage vor dem damaligen US-Angriff auf iranische Atomanlagen lud Trump den pakistanischen Armeechef, Asim Munir, ins Weiße Haus ein und bescheinigte ihm, Iran besser zu kennen „als die meisten“. Wichtig war aus Washingtons Sicht wohl auch, dass Islamabad in Teheran Vertrauen genießt und damit ein Stück weit Irans Misstrauen gegenüber Trump überbrücken konnte.

In Islamabad wird derzeit gern daran erinnert, dass das Land schon 1971 als Vermittler beim Peking-Besuch von Präsident Richard Nixon aktiv war und damit der historischen Annäherung der USA an China den Weg bereitete. Seine aktuelle Vermittlerrolle hat für Pakistan den Vorteil, dass es gute Argumente hat, sich aus dem Krieg herauszuhalten, obwohl es im September ein Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien samt Beistandsklausel geschlossen hat.

Die pakistanische Führung rang bis zuletzt um das Zustandekommen der Gespräche. So sagte der stellvertretende iranische Außenminister Saeed Khatibzadeh am Donnerstag, Pakistan habe Iran davon abgebracht, Vergeltung für Israels Angriffe auf die Hizbullah zu üben, die bereits geplant gewesen sei. Seine Worte waren wohl auch ein Versuch, Regimeanhänger in Iran zu beruhigen, welche die Verhandlungen skeptisch sehen.

Source: faz.net