Unternehmensberatung: Wer künftig die Vermögen welcher McKinsey-Mitarbeiter verwaltet

Die Unternehmensberatung McKinsey trennt sich von ihrer hauseigenen Vermögensverwaltung MIO, die bislang das Privatvermögen von rund 30.000 aktiven oder früheren McKinsey-Beratern verwaltet. Die Vermögen sollen künftig von der amerikanischen Investmentgesellschaft Neuberger Berman verwaltet werden. Dies teilten beide in einer gemeinsamen Erklärung mit. Über die Vertragsbedingungen wurde Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion muss von den Behörden noch genehmigt werden.

McKinsey hatte die Vermögensverwaltung MIO – das Kürzel steht für McKinsey Investment Office – Anfang der Achtzigerjahre zur Verwaltung der Pensionspläne der McKinsey-Mitarbeiter gegründet. Mittlerweile fungiert MIO auch als hauseigener Vermögensberater für aktive und ehemalige McKinsey-Berater und deren Familien. Im Laufe der Zeit ist die Höhe des verwalteten Vermögens stark gewachsen. Nach eigenen Aussagen verwaltet MIO mit seinen rund 280 Mitarbeitern mittlerweile ein Vermögen von rund 26 Milliarden Dollar. Bislang ist MIO eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von McKinsey, verfügt aber über ein eigenes Management.

2021 hatte die Börsenaufsicht Rollenkonflikte angeprangert

Schon im Januar des vergangenen Jahres hatte McKinsey angekündigt, dass über eine Ausgliederung der Vermögensverwaltung nachgedacht wird. Für das Vorhaben hatte McKinsey die Investmentbank Ardea Partners engagiert, der Prozess werde aber einige Zeit in Anspruch nehmen, hieß es damals. Mit der Trennung von der hauseigenen Vermögensberatung will McKinsey vermutlich auch die Debatte über mögliche Interessenkonflikte beenden. Im Jahr 2021 hatte die amerikanische Börsenaufsicht SEC eine Strafe in Höhe von 18 Millionen Dollar gegen MIO verhängt, weil die Vermögensberatung nach Ansicht der Behörde keine ausreichenden Kontrollen hatte, um zu verhindern, dass McKinsey-Partner wesentliche nicht öffentliche Informationen verwenden, die sie als Berater von Kunden erhalten haben, während sie gleichzeitig die Investitionsentscheidungen der Tochtergesellschaft beaufsichtigten.

Um die Vorwürfe zu entkräften, hatte MIO interne Richtlinien eingeführt, die etwa den Handel mit einzelnen Aktien oder Anleihen von Unternehmen verbieten. Dennoch hat sich McKinsey nun für eine klare Trennung entschieden. McKinsey sei auf der Suche nach einem langfristigen Partner gewesen, sagte McKinsey-Chef Bob Sternfels laut der Mitteilung. Mit Neuberger habe man diesen Partner gefunden. Neuberger wurde im Jahr 1939 gegründet und verwaltet nach eigener Aussage mittlerweile mit rund 3000 Mitarbeitern in diversen Fonds ein Vermögen von mehr als 560 Milliarden Dollar.

McKinsey-Chef Bob Sternfels muss sich auch darum bemühen, sein Unternehmen aus den negativen Schlagzeilen zu bringen. McKinsey feiert 2026 seinen hundertsten Geburtstag. In den vergangenen Jahren war McKinsey vor allem wegen seiner zweifelhaften Rolle in der amerikanischen Opioid-Krise negativ aufgefallen. McKinsey-Berater in Amerika hatten Pharmaunternehmen bei der aggressiven Vermarktung opioidhaltiger Schmerzmittel geholfen, und zwar auch dann noch, als schon lange bekannt war, dass diese Schmerzmittel ein sehr hohes Suchtpotential haben. Die leichtfertige Verschreibung opioidhaltiger Schmerzmittel gilt als Wurzel der Drogenkrise in den Vereinigten Staaten, in deren Verlauf seit 1999 Hunderttausende Menschen ums Leben gekommen sind.

Zur Abwehr von Klagen musste sich McKinsey auf zahlreiche Vergleiche einlassen. Der Skandal dürfte McKinsey mittlerweile rund 1,6 Milliarden Dollar gekostet haben. Das sorgte auch intern für große Unruhe, die Sternfels zu spüren bekam. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 2024 konnte er sich am Ende erst im dritten Wahlgang seine zweite Amtszeit sichern.