Unter Sanktionen: Iranischer Pleitebanker verfügt deutsche Hilton-Hotels

Ein iranischer Banker, der wegen Finanzierung der Islamischen Revolutionsgarden unter britischen Sanktionen steht, hat in Europa ein weitverzweigtes Immobilienvermögen von etwa 400 Millionen Euro angehäuft. Zu seinem über Offshore-Firmen gehaltenen Besitz zählen unter an­derem zwei Hilton-Hotels in Hessen, die mit jeweils gut 80 Millionen Euro bewertet sind. Dies berichtet die Londoner Zeitung „Financial Times“ auf Grundlage von Geschäftsberichten, Grundbucheinträgen und Unternehmensdaten.

Ali Ansari wurde Ende Oktober von der britischen Regierung unter Sanktionen gestellt. Seine britischen Vermögenswerte wurden damit eingefroren. In London besitzt er Immobilien im Wert von mehr als 150 Millionen Pfund (173 Millionen Euro). Zur Begründung der Sanktionen schrieb die britische Regierung, Ansari sei „ein korrupter iranischer Banker und Geschäftsmann“, der die Isla­mischen Revolutionsgarden mitfinanziert habe.

„Die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) ist eine der mächtigsten militärischen Organisationen im Iran und untersteht direkt dem Obersten Führer. Ihre Anwendung von Repressionen und gezielten Drohungen sowie feindse­ligen Handlungen, auch hier in Groß­britan­nien, sind völlig inakzeptabel“, sagte der Minister für den Nahen Osten, Hamish Falconer, als die Sanktionen am 30. Ok­tober verkündet wurden.

Bei der blutigen Niederschlagung der jüngsten Proteste haben die Revolutionsgarden zusammen mit den Basidsch-Mi­lizen eine führende Rolle gespielt. Menschenrechtler gehen inzwischen von Zehn­tausenden Opfern in Iran aus.

Vermögen in Europa angelegt

Ali Ansari stammt aus einer der reichsten regimenahen Familien des Landes. 2012 gründete er die Ayandeh-Bank . Das Finanzinstitut mit mehr als sieben Mil­lionen Kunden kollabierte Ende 2025 nach Milliardenverlusten. Die Zentralbank bezeichnete die Bank nach ihrer Insolvenz als betrügerisches „Ponzi-System“, eine Art Schneeballsystem. Zum Untergang führten auch Großkredite an das Einkaufszentrumsprojekt Iran Mall bei Teheran.

Der iranische Geschäftsmann Ali Ansari
Der iranische Geschäftsmann Ali AnsariPicture Alliance

Die Bankenkrise machte eine staat­liche Stützungsaktion notwendig, die sehr viel Geld kostete und die Inflation und den Währungsverfall im Iran verschärfte. Die wirtschaftlichen Probleme trugen zu den jüngsten Großprotesten bei.

Laut Recherchen der „Financial Times“ hat Ansari offenbar einen großen Teil seines Vermögens in Luxusimmobilien in Europa angelegt und so beiseiteschaffen können. Dazu gehören das Steigenberger Golfressort Camp de Mar auf Mallorca, ein Hotel mit 164 Zimmern, das Schlosshotel Kitzbühel in Österreich sowie mehrere große Hotels und Immobilien in Deutschland.

Karibische Offshore-Firma hält deutsche Immobilien

Die meisten Immobilien hält Ansari über eine Offshore-Firma auf der Karibikinsel St. Kitts and Nevis. Die Holding Smart Global Ltd. kontrolliert unter anderem eine knapp 90-prozentige Be­teiligung an der Allsco GmbH in Neu-Isenburg. Dieser gehört das Hilton Frankfurt Gravenbruch, ein Luxushotel in Neu-Isenburg mit Spa, Schwimmbad und Tennisanlagen sowie Konferenz­räumen. Laut dem jüngsten Jahres­abschluss hält die Allsco GmbH Ver­mö­genswerte von 85,5 Millionen Euro. Ge­schäftsführer ist Ali Nasseri, der in London sitzt. Sein Vorgänger Iman Rahimi Aloughareh war auch jahrelang Chef des Einkaufszentrums Iran Mall in Te­heran.

Zum Besitz von Ansaris Smart Global Ltd. gehören über zwei Zwischengesellschaften in Luxemburg und den Niederlanden auch das Hilton Frankfurt City Centre. Laut „FT“ wird auch dieses Frankfurter Hotel mit rund 80 Mil­lionen Euro Wert bilanziert. Zu Ansaris Unternehmensgeflecht in Deutschland gehört zudem das Bero Einkaufszentrum in Oberhausen. Laut Geschäftsbericht der Luxemburger Holding Leopard Germany Bero 1 wurde es für 49 Millionen Euro gekauft.

Besonders wertvoll ist Ansaris britischer Immobilienbesitz. Über eine auf der Isle of Man registrierte Briefkastenfirma hat er in London unter anderem vor zwölf Jahren für 73 Millionen Pfund ein An­wesen in der sogenannten Milliardärsstraße Bishops Avenue im Nobel­stadt­teil Hampstead gekauft. Später kam ein zweites Haus für fast 34 Millionen Pfund hinzu. Laut einem Bericht der „Times“ stehen die Häuser derzeit leer. Bauzäune und Warnschilder versperren den Eingang. Ansaris Unternehmensgeflecht ist undurchsichtig, aus Geschäftsberichten geht indes eindeutig hervor, dass er der letztendliche wirtschaftliche Ei­gentümer ist.

Frankfurter Hotelbetreiber äußern sich nicht

Laut der britischen Sanktionsliste besitzt Ansari die Staatsbürgerschaften Irans, Zyperns und von St. Kitts and Nevis. Sein Hauptwohnsitz soll in Dubai sein. In der EU ist der 56 Jahre alte Geschäftsmann bislang nicht von Sanktionen betroffen. Die Familie, die seit den 2000er-Jahren in Bankgeschäfte in Iran investierte und zur regimenahen Elite der Islamischen Republik zählt, genoss besonders in der Zeit von Präsident Mahmud Ahmadineschad Protektion.

Auch zur Familie von Irans Obersten Führer Ajatollah Ali Khamenei unterhält Ansaris Familie Beziehungen. Nach dem Zusammenbruch von Ayandeh richtete sich der Zorn iranischer Machthaber, etwa des Chefs des Nationalen Sicherheitsrats Ali Laridschani, gegen die Bank.

Die Frankfurter Hotelbetreiber haben am Montag Fragen der F.A.Z. zu den Ei­gentumsverhältnissen und einer Zu­sam­menarbeit mit Ansari nicht beantwortet.