Ungarnwahl: Sie tanzen gen den Trümmern dieser Weltalter Orbán

Woran merkt man, dass man einen historischen Moment erlebt? Daran, dass Tausende Menschen einander umarmen, tanzen, weinen, jubeln? Daran, dass der Mann, den sie gerade feiern, zugleich seine Hand nach denen ausstreckt, die eine Niederlage erfahren? Dass Feuerwerk im Himmel explodiert und die Menschen hier auf einmal aufatmen, als würde sich die Luft nach Jahren der Anspannung wieder nach Freiheit anfühlen? Daran, dass viele von ihnen bis tief in die Nacht, bis zum Morgengrauen noch wach bleiben?

Ungarn hat all das nach seiner Parlamentswahl gespürt, dieses kleine europäische Land mit knapp 10 Millionen Einwohnern. Über Budapest legt sich eine Euphorie, wie man sie sonst nur von Festivals, von Konzerten kennt. Viele waren nervös, als sie vor Sonnenuntergang auf dem Batthyány-Platz ankamen. Sie wussten nicht, wie der Abend enden würde. Doch sie riefen: Die Theiß, ungarisch Tisza, tritt über die Ufer. Die Tisza ist ein Nebenfluss der Donau, und so heißt auch die Partei des Wahlsiegers. Des Mannes, der es schaffte, genug Wählerstimmen für eine Zweidrittelmehrheit zu vereinen. Der Wahlsieger heißt Péter Magyar. Sein Nachname bedeutet wörtlich übersetzt Ungar, und er sagt auch, er wolle Ministerpräsident aller Ungarn sein.