Ukrainischer Militärsender Armija: Rock, Rap und Neues von dieser Front

Die Belegschaft des Militärsenders Armija FM in ihren Räumen.

Stand: 16.03.2026 • 08:38 Uhr

Mit dem Krieg in der Ukraine ist die Armee in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Viele Ukrainerinnen und Ukrainer informieren sich über die Medien des Militärs. Zu Besuch beim Radiosender Armija FM.

Von Niels Bula, ARD-Studio Kiew

Nachrichtenzeit auf Radio Armija FM. Der Sprecher liest im Studio die aktuellen Meldungen vor: Russland will eine Pufferzone in den nördlichen Regionen Sumy und Charkiw schaffen, dann kommen eine Nachricht zu einem Verlust- und Kriegsschadensregister für Unternehmer und eine Meldung über australische Hilfe für die Golfstaaten im Krieg mit Iran.

Armija FM – das ist eine Radiostation für die Armee und über die Armee. Nahezu alles, was hier über den Sender läuft, hat irgendetwas mit dem Militär zu tun. Auch die Musik. Die sei genau auf die Bedürfnisse ukrainischer Soldaten abgestimmt, erzählt Moderator Sersch Gagarin. „Das sind meistens Männer über dreißig. Und die mögen eher härtere Musik. Meiner Erfahrung nach ist das höchstwahrscheinlich Rockmusik mit patriotischen ukrainischen Motiven. Es können aber auch englischsprachige Rockklassiker sein, oder Rap und Hip-Hop.“

Sersch ist seit mehr als 20 Jahren Radiomoderator. Früher im „zivilen Radio“, wie er sagt, also bei Sendern ohne Militärbezug. Dann diente er selbst in der Armee. Mit Beginn der russischen Großinvasion kommandierte er eine Einheit im Norden des Landes. Schließlich wurde er gefragt, ob er auf Armija FM moderieren will. „In meinen Beruf zurückzukehren, war eine große Ehre und Freude. Ich kann nun eine Tätigkeit ausüben, die dem Staat meiner Meinung nach den größten Nutzen bringt“, sagt er.

Sender gehört zum Verteidigungsministerium

Genau das ist nun der Job des Moderators: für den Staat arbeiten. Armija FM ist kein unabhängiger Radiosender, sondern gehört zum ukrainischen Verteidigungsministerium. Zwei Jahre nach der russischen Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbass wurde Armija FM 2016 als erstes Militärradio der Ukraine gegründet, erzählt Pawlo Schamschyn, der im Verteidigungsministerium verantwortlich ist für das hauseigene Fernsehen und Radio.

Dieser Radiosender nahm seinen Betrieb auf, weil das Militär Informationen benötigte, die interessant und wichtig waren. Leider hat die Ukraine in der Vergangenheit lange Zeit nicht genug für den Schutz ihres eigenen Informationsraums getan. Mit Beginn des Krieges gegen Russland im Jahr 2014 gewann dieses Thema besondere Relevanz, und so wurde der Militärradiosender Armija FM gegründet.

Zunächst sendete Armija FM nur im Osten der Ukraine. Mit Beginn der russischen Großinvasion 2022 erweiterte der Sender sein Gebiet – und ist nun auf UKW fast landesweit zu empfangen. Außerdem gibt es einen Stream im Internet. Ob Menschen in den russisch besetzten Gebieten Armija FM über UKW hören können, ist nicht bekannt. Auch wie viele Hörer landesweit einschalten, kann Chefredakteurin Marija Weres nicht sagen. Aber in Zeiten des Krieges sei ihr Sender nicht nur für Soldaten interessant.

Nah auch an Familienangehörigen der Soldaten

„Bei uns arbeiten Militärangehörige und auch Zivilisten, und deshalb können wir sehr nah an unserem militärischen Publikum, aber auch an den Familienangehörigen der Soldaten sein. Es sind schwierige Zeiten, wir befinden uns in einem groß angelegten Krieg. Veteranen, Familien – alle brauchen Unterstützung, und wir können diese Unterstützung in Form von Informationen bieten“, sagt Weres.

Als Sender des Verteidigungsministeriums komme dabei immer zuerst das Militär, dann der Journalismus, sagt die Chefredakteurin. Das heißt etwa, dass nur offizielle staatliche Quellen verwendet werden dürfen.

Moderator Sersch formuliert das so: „Jedes Wort, das Sie sagen, entspricht der Position des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Und was Sie senden, kann später Konsequenzen haben. Deshalb denken Sie hier lieber dreimal nach.“

Seine frühere Arbeit bei unabhängigen Sendern vermisst Sersch aber nicht. Er wolle in seinem Job dazu beitragen, dass die Ukraine den Krieg gewinne, sagt er.

Source: tagesschau.de