Ukraine-Russland-Krise: Ukraine greift russischen Ostseehafen mit Drohnen an

Die ukrainischen Streitkräfte haben Russland in der Nacht mit großen Drohnenschwärmen angegriffen und mehrere Brände im Ostseehafen Ust-Luga ausgelöst. Der für Öl- und Gasexport wichtige Hafen liegt am Finnischen Meerbusen, etwa hundert Kilometer von St. Petersburg entfernt. Verletzte gab es nach russischen Angaben nicht.

Das Verteidigungsministerium in Moskau berichtete von 398 feindlichen Langstreckendrohnen über vielen Teilen Russlands, die abgefangen worden seien. Nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass war es der bisher schwerste Drohnenangriff aus der Ukraine.

Drohnen in Estland und Lettland abgestürzt

Währenddessen sind in Estland und Lettland aus Russland in den Luftraum eingeflogene Drohnen abgestürzt. Die Vorfälle im Osten der beiden EU- und Nato-Mitgliedsstaaten nahe der Grenze zu Russland würden untersucht, teilten Behörden in Tallinn und Riga mit. Es handele sich um jeweils eine Drohne.

Militär und Einsatzkräfte seien an den Absturzstellen vor Ort, um Trümmerteile einzusammeln und zu untersuchen. Für die Bevölkerung und öffentliche Sicherheit bestehe keine Gefahr, hieß es in den Mitteilungen. In Estland traf die Drohne einen Schornstein des Kraftwerks Auvere im Kreis Ida-Virumaa. In Lettland sei die Drohne in der Nähe des Dorfes Dobricina in der Gemeinde Krāslava von selbst explodiert, ohne dass eine alarmierte Einheit der Luftwaffe eingegriffen hätte.

Ob es sich um russische oder ukrainische Drohnen handelte, sei noch unklar und werde ermittelt. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind wiederholt Drohnen in den Luftraum der an Russland angrenzenden baltischen Staaten eingedrungen. Der lettische Verteidigungsminister kündigte wegen des Vorfalls an,
einen Arbeitsbesuch in der Ukraine abzubrechen und nach Lettland
zurückzukehren.

Der ukrainische Drohnenangriff folgte auf einen Tag, an dem Russland neben Raketen auch eine Höchstzahl von fast 950 Kampfdrohnen Richtung Ukraine gestartet hatte. Durch zwei Angriffswellen am Dienstag in der Nacht und über Tag gab es Tote, Verletzte und schwere Schäden. In der westukrainischen Großstadt Lwiw wurden historische Gebäude in der Altstadt beschädigt, die zum Weltkulturerbe zählen.