Übernehmen welcher Commerzbank: Orcel erhält Rückendeckung welcher Unicredit-Aktionäre
Eine große Mehrheit der Unicredit-Aktionäre hat die Bilanz und die allgemeine Geschäftsstrategie der italienischen Großbank am Dienstag auf der Hauptversammlung in Mailand genehmigt. Mehr als 98 Prozent des anwesenden Kapitals gaben für die Finanzergebnisse der Bank ihre Zustimmung. Die Aktionäre stimmten – allerdings mit deutlich niedrigeren Anteilen – zudem der Vergütung des Managements zu, darunter das Gehaltspaket des Vorstandsvorsitzenden Andrea Orcel. Es soll im laufenden Jahr wie 2025 bei rund 16,4 Millionen Euro liegen.
Commerzbank-Chefin Orlopp verdient deutlich weniger als Orcel
Zum Vergleich: Bettina Orlopp, die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, bekommt zwar 45 Prozent mehr als im Vorjahr, bleibt aber mit 3,5 Millionen Euro Gesamtvergütung deutlich hinter Orcel. Der Unicredit-Chef hatte im vergangenen Jahr eine deutliche Erhöhung erfahren: Da stieg seine Vergütung gegenüber 2024 um knapp ein Viertel auf 16,4 Millionen Euro. Die Bank begründete dies mit der erheblichen Gewinnsteigerung unter Orcels Führung. Vor einem Jahr stimmten nur gut 66 Prozent dieser Erhöhung zu, in diesem Jahr sind dagegen rund 93 Prozent mit seiner Vergütung einverstanden.
Seine Vergütung für 2026 besteht im Wesentlichen aus einem Grundgehalt von 4,15 Millionen Euro, ergänzt durch weitere feste Bestandteile von 500.000 Euro sowie eine variable Vergütung von maximal 11,8 Millionen Euro, die in Aktien ausgezahlt werden sollen. Der flexible Bestandteil ist an das Erreichen finanzieller Ziele sowie auch an bestimmte ökologische und soziale Kriterien und Ziele der Unternehmensführung (ESG) gebunden.
Bei der Versammlung am Dienstag handelte es sich um Unicredits ordentliche Hauptversammlung, nicht um die außerordentliche Zusammenkunft der Aktionäre, die über das jüngste Übernahmeangebot für die Commerzbank abstimmen soll. Diese Versammlung soll an einem noch nicht genannten Tag im Mai stattfinden.
Auf die Frage eines Aktionärs zum Versuch der Commerzbank-Übernahme bekräftigte Unicredit das Ziel, die 30-Prozent-Schwelle für öffentliche Übernahmeangebote zu überschreiten sowie „einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren wichtigsten Stakeholdern“ zu fördern. Der Verwaltungsrat von Unicredit halte das Angebot für „eine vernünftige und pragmatische Maßnahme“, da die gehaltene Beteiligung weiterhin eine erhebliche Wertschöpfung darstelle – unabhängig davon, ob die 30-Prozent-Schwelle durch das Angebot überschritten werde oder nicht.
Merz hatte im Jahr 2010 den Auftrag, die West LB zu verkaufen
Derweil hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Öffentlichkeit am Wochenende auf einen Verkauf der Commerzbank an Unicredit vorbereitet. Zumindest lassen sich Merz’ Aussagen auf dem F.A.Z.-Kongress am Freitag so interpretieren. Dort sagte der Bundeskanzler: „Wir klagen ja alle zurzeit darüber, dass die Commerzbank da attackiert wird von der Unicredit. Nun muss man doch mal der Ehrlichkeit halber sagen: Woran liegt das denn, dass das stattfindet?“ Merz gab die Antwort selbst: „Weil wir vor 20 Jahren in Deutschland nicht bereit waren, die säulenübergreifenden Fusionen im Bankensektor stattfinden zu lassen. Ich könnte Ihnen da aus eigener beruflicher Erfahrung einiges erzählen. Das ist nicht möglich gewesen.“

Mit diesen Worten spielte Merz auf seine Arbeit als Anwalt in der Kanzlei Mayer Brown an. Für sie ging er vom Jahr 2010 an einem Auftrag des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin und der Eigentümer der West LB nach. Diese einst öffentlich-rechtliche und größte Landesbank war in Schieflage geraten und brauchte eine stille staatliche Einlage. Merz sollte anschließend die West LB verkaufen, scheiterte aber mit diesem Vorhaben. Die West LB ging 2012 weitgehend unter, nur wenige Teile gingen in der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) auf und blieben damit in der Sparkassen-Finanzgruppe. Private Banken und Genossenschaftsbanken, die neben den öffentlich-rechtlichen Banken als die drei getrennten Säulen des Bankensystems bezeichnet werden, kamen nicht zum Zuge.
Kein Sparkassen-Verkauf in Stralsund oder anderswo in Deutschland
Schon vor der Finanzkrise hatte es eine Debatte – ausgelöst auch von der zeitweise zum Verkauf stehenden Sparkasse Stralsund – gegeben, ob nicht Teile der Sparkassen-Finanzgruppe privatisiert werden sollten. Die Commerzbank etwa zeigte sich interessiert, Sparkassen zu kaufen. Diese Ideen scheiterten jedoch an der großen Rückendeckung, die Sparkassen aus der Landes- und Kommunalpolitik erfahren. In der Finanzkrise ab 2007 waren dann Landesbanken, die Zentralbanken der Sparkassen sind, eine der größten Schwachstellen im deutschen Bankensystem. Merz erinnerte jetzt daran, dass Italien einen anderen Weg gegangen ist. Die heute private, börsennotierte Unicredit sei entstanden aus Fusionen ehemals öffentlich-rechtlicher Sparkassen in Italien, sagte Merz auf dem F.A.Z.-Kongress und fügte mit bitterer Miene hinzu: „Fusionen – die wir hier alle verweigert haben. Jetzt gucken wir hinterher. Und andere machen den Deal.“
Das klang wie eine Prophezeiung, wie der seit eineinhalb Jahren dauernde Übernahmekampf wohl am Ende ausgehen wird. Und dass auch die Bundesregierung am Ende daran wenig ändern können wird. Dabei hatte sie erst am 17. März anlässlich der Ankündigung eines nicht mit dem Commerzbank-Vorstand abgestimmten Austauschangebotes durch Unicredit ihre Haltung bekräftigt, „dass eine feindliche Übernahme nicht akzeptabel ist“. Der Sprecher von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte damals: „Wir setzen auf die Eigenständigkeit der Commerzbank.“ Diese Position hätten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Klingbeil von Beginn an vertreten und sie gelte „unverändert“.
Unicredit war der Einstieg in die Commerzbank gelungen, weil der Bund im September 2024 einen ersten Anteil von 4,5 Prozent aus der im Winter 2008/2009 zur Rettung der Commerzbank eingegangenen Staatsbeteiligung auf den Markt geworfen hat und Unicredit sich überraschend alle Aktien zu einem Aufpreis von damals 13,20 Euro je Aktie sicherte. Daraufhin entschied die Bundesregierung, bis auf weiteres keine weiteren Commerzbank-Aktien aus ihrem noch gut 12 Prozent ausmachenden Staatsanteil zu verkaufen. Inzwischen ist der Aktienkurs der Commerzbank auf mehr als 30 Euro geklettert.