Übernahmen in Deutschland: Chinas großer Puma-Sprung

Am Anfang war Putzmeister, dann kamen Medion, Kuka und Kiekert , und nun also Puma. Gehen Chinas Unternehmen auf Einkaufstour, scheinen sie nach allem zu greifen, was sie bekommen können: egal, ob das Spezialisten für Pumpen und für Roboter sind, Auto- oder Maschinenteileproduzenten, Elektronik- oder Modehändler, Hotelbetreiber, Matrazenverkäufer. Oder eben, wie seit Wochenbeginn bekannt, eine nicht mehr ganz so große, aber traditionsreiche Sportmarke.
Für den Kauf von 43 Millionen Aktien der fränkischen Puma SE will Anta Sports aus Fujian der französischen Pinault-Familie 1,5 Milliarden Euro auf den Tisch blättern. Das sind 35 Euro je Aktie. Ende vergangener Woche lag der Kurs gerade halb so hoch. Ein satter Aufpreis. Wer expandieren will, muss investieren, und das tun die Konzerne aus dem Reich der Mitte. Sie setzen zur nächsten Runde ihrer Globalisierung an – und lassen sich das einiges kosten.
So begibt sich China in Deutschland und der Welt abermals auf den Vormarsch. Von der Video-App Tiktok bis zum KI-Anbieter Deepseek, von E-Autos von BYD bis zu den Labubu-Puppen. Der Einzelhändler Miniso aus Guangzhou hat ein Dutzend seiner mittlerweile 3000 Auslandsläden in Deutschland. Bald zieht der Elektronikhändler JD .com nach, der nach Ceconomy greift, dem Mutterkonzern der Media- und Saturn-Märkte.
Warum ist für chinesische Firmen das Ausland so interessant?
Chinesische Unternehmen setzten auf ausländische Märkte, um die niedrigen Margen im umkämpften Heimatmarkt zu umgehen, schreiben die Banker von Julius Bär in einer Studie vom Dezember. Derzeit machten die Auslandsgeschäfte der chinesischen Konzerne rund 15 Prozent ihrer Umsätze aus. Das sind laut Chinas Association for Public Companies umgerechnet 1500 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Denn Chinas Firmen treiben die Investitionen im Ausland voran.
Nach sieben mageren Jahren stiegen sie laut dem Cross-Border-Monitor der Rhodium Group 2024 erstmals wieder, auf umgerechnet 52 Milliarden Euro. Während der Geldfluss nach Amerika auf mittlerweile nur noch zwei Milliarden Euro zusammenschrumpfte, beläuft er sich in Europa auf nunmehr zehn Milliarden Euro. Neben Frankreich, Großbritannien und Ungarn ist Deutschland eines der drei beliebtesten Ziele der Chinesen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg das Reich der Mitte im Verlauf des vergangenen Jahres wieder zum größten Handelspartner der Bundesrepublik auf. Nach den ersten neun Monaten hatte sich der Außenhandelsumsatz auf 185,9 Milliarden Euro belaufen. Damit schob sich das Reich der Mitte vor die Vereinigten Staaten, die mit Deutschland einen Außenhandelsumsatz von 184,7 Milliarden verbuchten. Bei den deutschen China-Importen gab es den größten Anstieg bei elektrischen Ausrüstungen. Sie zogen knapp 15 Prozent auf 24 Milliarden Euro an. Der zweitgrößte Anstieg war bei den Einfuhren von Bekleidung zu verzeichnen. Diese legten mehr als 20 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro zu. Der drittgrößte Zuwachs fand im Bereich Maschinen statt. Die Einfuhren stiegen um zwölf Prozent auf 10,6 Milliarden Euro.
40.000 deutsche Unternehmen in ausländischer Hand
Nach Angaben von Destatis sind derzeit etwas mehr als 40.000 deutsche Unternehmen in ausländischer Hand. Davon gehören nach Einschätzung des Mittelstandsnetzwerks Die Deutsche Wirtschaft (DDW) rund 7800 zu den Unternehmen mit einer „besonderen Bedeutung“. Diese Klassifizierung des DDW basiert auf einem eigenen ausgeklügelten Scoring-System, das auch im Ausland viel beachtet wird.
China findet sich mit 264 deutschen Unternehmen auf Rang zehn; Amerika steht mit 1776 Firmen auf Platz eins, Frankreich mit 835 Unternehmen auf Rang zwei. Das wohl bekannteste deutsche Unternehmen in Hand der Chinesen ist der Roboterhersteller Kuka . Dieser war 2016 von der Midea Group aus Foshan für 4,5 Milliarden Euro gekauft worden. Dabei floss nicht nur viel Geld. Der Kauf löste auch eine breite Debatte über den anstehenden Ausverkauf der deutschen Spitzentechnologien aus.
In der Folge verschärfte Berlin die Regelungen für Übernahmen deutscher Firmen durch nichteuropäische Investoren. Das erlaubt es dem Wirtschaftsministerium in Berlin, strengere Prüfungen durchzuführen, wenn es glaubt, dass deutsche Sicherheitsinteressen oder die hiesige kritische Infrastruktur betroffen sind. Das bremste chinesische Investoren in einigen Fällen wie den angepeilten Kauf des Dortmunder Chipherstellers Elmos durch die chinesische Sai Microelectronics zwar aus, konnte sie aber auf breiter Front nicht stoppen.
Hatte es seitens der Chinesen 2017 noch mehr als 40 neue Übernahmen und Beteiligungen an deutschen Unternehmen mit einem Transaktionsvolumen von zwölf Milliarden Euro gegeben, waren es 2018 noch etwas mehr als 30 Geschäfte zu einem Gesamtpreis von knapp neun Milliarden Euro. Der Absturz kam 2019. Dann folgte Corona. Nun holen chinesische Unternehmen wieder Schwung. Sie wussten die Pandemie-Krise zu nutzen.
Welche deutschen Unternehmen sind schon in Hand von Chinesen?
Im Jahr 2022 stieg Huadong Medicine als strategischer Partner bei der Heidelberg Pharma AG ein. 2023 verkaufte Ams Osram das Digitalgeschäft an Iventronics in Hangzhou. 2023 griff sich Pekings Staatskonzern Cosco ein Viertel der Anteile am Containerterminal des Hamburger Hafenbetreibers HHLA. 2025 folgte JD.com mit Ceconomy samt Media Saturn. Auf den Besitzlisten der Chinesen finden sich teilweise seit Jahren schon weitere klangvolle Namen aus der Welt der deutschen Unternehmen wieder: Leoni und Kion, die Zulieferer Grammer, Preh und SEG, Kiekert und Putzmeister, das Modehaus Tom Tailor, Dürkopp Adler, Steigenberger, Matrazen Concord sowie Medion, Deutschlands letzter großer PC-Hersteller.
Und nun also auch Puma. Ein angesehenes Unternehmen und eine traditionsreiche Marke, die vor einiger Zeit schon in die Krise rutschte, mit neuem Management in zwei Jahren wieder wachsen will und dafür Impulse braucht. Wie das gehen könnte, hat der angehende Großaktionär Anta Sports bereits gezeigt. Die Chinesen ziehen einen straffen Expansionskurs durch. Sie kauften eine Reihe von Marken und Beteiligungen wie Fila oder Arc’teryx ein. Das öffnete ihnen Zugänge zu westlichen Konsumenten und ließ sie in den vergangenen fünf Jahren Umsatz (knapp zehn Milliarden Euro) und Gewinn (1,6 Milliarden Euro) mehr als verdoppeln.