TV-Kritik: Gil Ofarim sagt beim Dschungelcamp-Nachspiel leise sorry








Zum Dschungelcamp-Nachspiel trommelte RTL noch einmal die komplette Australien-Crew zusammen. Gil Ofarim rang sich eine Entschuldigung für „falsche Formulierungen“ ab.

Der König war erkältet. Und so sagte er mit noch melancholischerer Stimme als eh schon das, was er im Camp bereits gesagt hatte und danach noch einmal in einem langen RTL-Interview mit Frauke Ludowig: mehr oder weniger nichts. Gil Ofarim, der Teflon-gepanzerte Ritter von der traurigen Gestalt, ist ein Mensch auf der Flucht. Wo er sich in einem Jahr sehe, wollte Sonja Zietlow wissen. Bei den Hausaufgaben mit seinen Kindern, antwortete Ofarim. Und irgendwann wieder auf Tour oder in einem Film. Mit seiner Körpersprache formulierte er dabei vor allem einen Wunsch: Darf ich jetzt bitte gehen?



Wahrscheinlich ging es dem 43-Jährigen bei seiner Teilnahme am Dschungelcamp tatsächlich in erster Linie darum, Startkapital für einen wie auch immer gearteten Neuanfang einzusammeln. Dass es am Ende die Krone wurde: noch besser fürs Konto und Botox für das Ego. Doch Zweifel an seiner Person bleiben. Wo war dieser besonnene, kontrollierte und höfliche Gil, der uns im Dschungelcamp und auch gestern wieder beim „Nachspiel“ begegnet ist, im Oktober 2021, als er sein ruchloses und verleumderisches Video veröffentlichte – nicht im Affekt wohlgemerkt, sondern Stunden später mit ausgeschlafenem Kopf?

Jan Koeppen zeigt sich selbstkritisch

Für den stärksten Moment der gestrigen Abschlussshow sorgte Moderator Jan Koeppen. Selbstkritisch räumte er ein, dass er und die RTL-Redaktion es versäumt hätten, fragwürdige und teilweise schlicht falsche Äußerungen von Ofarim noch während der Sendung richtigzustellen. Dass er freigesprochen worden sei etwa (das Verfahren wurde nur eingestellt) oder dass mit den Aufnahmen der Überwachungskamera in dem Leipziger Hotel möglicherweise etwas nicht in Ordnung gewesen sei (alle Gutachten sprechen dagegen). 

Koeppen sprach Ofarim darauf an – und der wand sich. Ja, seine Wortwahl sei „unglücklich“ gewesen, brummte er und führte die Müdigkeit und den Hunger als Gründe an. Bei der Sache mit den Überwachungstapes habe er sich auf Recherchen des stern bezogen und diese verkürzt wiedergegeben. Danach folgte ein ungewohnt wortreiches Lamento des Musikers. „Was geschrieben wurde, war sehr laut und sehr viel“, sagte er. Und: „Ich habe mehr zu erzählen, mehr zu geben, aber es wird immer nur nach dem einen gefragt. Das macht einen mürbe.“


Ob Ariel mit ihren endlosen und oft unterirdischen Attacken gegen Gil („Du bist ein kranker Lügner“) so eine Art „Königsmacherin“ gewesen sei, fragten Zietlow und Koeppen in die Runde. Ariel selbst, immer noch gekränkt wegen ihres frühen Ausscheidens („Kann sein, dass ich dem Ü50- und Ü60-Publikum auf die Nerven gegangen bin“), konnte dem Gedanken etwas abgewinnen – hing aber auch noch ihrer Verschwörungserzählung nach, wonach Ofarim ein großer Manipulator ist, der ganz Deutschland um den Finger gewickelt habe. Unerwartete Rückendeckung bekam Gil von Eva Benetatou: „Er ist König geworden, weil er dagegengehalten hat.“ 

Der Zoff um Evas „Five-Minutes-Stand“ flammt wieder auf

Damit war alles halbwegs Substanzielle in dieser allerletzten Nachschau gesagt. Der Rest war Reality-Rauschen. Samira und Eva zickten sich erneut wegen Evas „Five-Minutes-Stand“ (Hubert) mit Samiras Ex an (Samira: „Diese Scheiße war immerhin unsere Eintrittskarte ins Camp“). Und Umut und Ariel wärmten ihren Zoff wegen einer vermeintlichen Lovestory-Verabredung wieder auf (Ariel: „Wenn ich eine Lovestory mache, dann bestimmt nicht mit Umut“). Aufgeführt im Studio führte dieses Bla-bla-Theater noch einmal klarer vor Augen, wie eng die Horizonte dieser Social-Media-Wesen doch sind, wie gewöhnlich ihre Probleme, wie schrill ihre Stimmen.

Am Ende wurde neu gewählt. Die Stars durften in einer geheimen Abstimmung für ihren eigenen Dschungelkönig voten. Wenig überraschend rutschte Gil Ofarim im campinternen Ranking vom ersten auf den letzten Platz. Und auf dem Thron landete Hubert Feller, der offiziell Drittplatzierte. Hubert I. konnte sein Glück gar nicht fassen und kämpfte mit den Tränen. „Das Dschungelcamp“, schluchzte der Franke, „ist die schönste Sendung, was es gibt.“

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Source: stern.de