Türkische Aktien: Bosporus-Rally macht in Istanbul Hoffnung hinauf mehr

Einen Blitzstart hat die türkische Börse zu Beginn des neuen Jahres gehabt. Der marktbreite Index der Börse Istanbul (BIST 100) beendete den Januar mit einem Rekordstand von 13.838 Punkten. Im Monatsvergleich ergab das einen Zuwachs um 23 Prozent. In Dollar gerechnet betrug das Plus immer noch 15 Prozent. Unter den Schwellenländern schnitt nur Südkoreas Kospi mit 24 Prozent Zuwachs besser ab. Der beste Monatsverlauf seit Mitte 2023 und der beste Januar seit 30 Jahren weckten bei Anlegern wie auch im türkischen Finanzzentrum Istanbul nicht nur Hoffnungen auf mehr, es setzte auch einen Kontrapunkt zu einem enttäuschenden 2025.

Ein Treiber der Bosporus-Rally waren ausländische Käufer. Sie investierten allein im Laufe der ersten Januarwochen mehr als eine Milliarde Dollar in türkische Aktien. Per 23. Januar hatten internationale Investoren laut den Finanzmarktstatistiken 39,9 Milliarden Dollar in Aktien investiert. Unter den Anlegern findet sich auch wieder das Investmenthaus Blackrock .

Blackrock investiert in türkische Aktien

Dessen Frontiers Investment Trust plc investiere wieder in türkische Aktien, weil die sich verlangsamende Inflation und stetige Zinssenkungen die Voraussetzungen für eine bessere Aktienentwicklung als in den Vorjahren böten, erklärte das Management gegenüber Bloomberg. Von zuletzt nahe null habe man den Anteil türkischer Aktien im Fonds auf etwa zehn Prozent erhöht. In Istanbul erwarb Blackrock etwa Papiere der Akbank , einer der größten Privatbanken des Lands. Papiere türkischer Geldhäuser waren zuletzt gefragt, wozu beigetragen haben dürfte, dass ihr Nettogewinn im vorigen Jahr um 43 Prozent gestiegen war.

Gehofft wird auch auf mehr Börsengänge im laufenden Jahr; 2025 waren es nur 18, nach 30 im Jahr 2024. Für dieses Jahr sieht Metin Canoğulları, Partner bei EY Türkei, „ermutigende Signale“. Er erwarte Börsengänge in den Bereichen Technologie, Finanzen, Energie und Konsum – so die Voraussetzungen stimmen. „In der Türkei könnte der IPO-Markt, wenn die ma­kroökonomische Stabilität weiter wächst, Fortschritte im Kampf gegen die Inflation erzielt werden und das Vertrauen der Anleger steigt, mehr Schwung gewinnen“, sagt er.

Widersprüchliche Wirtschaftssignale

Zu der guten Stimmung dürfte beigetragen haben, dass die Ratingagentur Fitch den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der Türkei mit „BB-“ auf „positiv“ angehoben hatte. Sie hatte dabei auf die straffe Geldpolitik mit einem Leitzins von immer noch 36 Prozent sowie die gestiegenen Devisenreserven hingewiesen, wobei ein Teil des Zuwachses der Reserven im Anstieg des Goldpreises begründet ist.

Das Defizit in der Handels- und in der Leistungsbilanz zeigt die Notwendigkeit einer hohen Auslandsfinanzierung. Internationale Kapitalgeber investierten im Januar 3,5 Milliarden Dollar in Staatsanleihen. Ihr Gesamtanteil stieg damit auf 21,5 Milliarden Dollar. Die hohe Nachfrage ließ die Kurse steigen und damit die Renditen sinken. Das zweijährige Papier sank von 37,2 auf 34,6 Prozent. Dabei half, dass die Kosten für Kreditausfallversicherungen so niedrig sind wie seit acht Jahren nicht mehr.

Allerdings lässt die von vielen Anlegern erwartete Aufhellung des wirtschaftspolitischen Horizontes mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr bislang auf sich warten. Zu Jahresbeginn weitete sich das Handelsdefizit des Landes weiter aus. Der Export ging zurück, der Index der Einkaufsmanager wies auf einen Rückgang der Industrieaktivität hin, die Beschäftigung sank, und die türkische Lira wertete ab. Auch die Inflation zog im Januar mit 4,84 Prozent gegenüber Dezember wieder mehr an als vielfach erwartet. Staatliche Erhöhungen wie des Mindestlohnes und von Verbrauchssteuern leisteten ihren Beitrag zum Anstieg auf im Jahresvergleich 30,65 Prozent. Im Dezember waren die Verbraucherpreise noch um 30,9 Prozent angezogen.

Source: faz.net