Tschechischer Minister: Babiš’ Ausputzer

Karel Havlíček als die rechte Hand des neuen tschechischen Ministerpräsidenten zu bezeichnen, wäre vermutlich untertrieben. Der Minister für Industrie und Handel ist für Andrej Babiš nicht nur erster Stellvertreter im Kabinett und damit der zweitmächtigste Mann der Regierung. Während Babiš, der schillernde Milliardär und Gründer der Partei ANO, das Ohr nah am Volk hat, seine Positionen ständig ändert und keine Provokation scheut, bleibt Havlíček der solide Ausputzer, der geduldig Hintergründe erklärt und in alle Richtungen gute Beziehungen führt.

Dafür erhält er selbst vom politischen Gegner Anerkennung. Vielleicht ist der 1969 in Budweis geborene Havlíček damit ein wesentlicher Teil des Erfolgs von Babiš, der nun zum zweiten Mal Regierungschef in Prag geworden ist.

Wünscht sich gute Beziehungen zu Unionsparteien

Vor seiner Zeit als Politiker hatte der Vater zweier Kinder zunächst Bauingenieurswesen studiert und später in Wirtschaftswissenschaften promoviert. In einem Elektronikunternehmen stieg er in den Neunzigerjahren schnell auf, doch nach dessen Konkurs blieben auch an ihm Vorwürfe haften.

Havlíček, der nach eigenem Bekunden sieben Sprachen spricht, darunter auch etwas Chinesisch, stand wieder auf und arbeitete sich in einem Handels- und Technologiekonzern an die Spitze, dessen Mehrheit er schließlich übernahm. Nebenher führte er den Verband der kleinen und mittleren Unternehmen, bis ihn Babiš während seiner ersten Regierungszeit 2019 ins Kabinett holte – erst als Industrieminister, bald darauf auch mit dem Transportressort.

Havlíček ist ein bekennender Anhänger von Rock- und Folkmusik. Gelegentlich schreibt er selbst in Musikmagazinen und pflegt eine Plattensammlung. Aber er brennt auch für seinen Beruf. Im persönlichen Gespräch ist er kaum zu bremsen, wenn er in druckreifen Sätzen und mit großer Leidenschaft für die Details sein Wirtschaftsprogramm herunterbetet, mit dem er die Tschechische Republik wieder auf Erfolgskurs bringen will. Zu CDU und CSU in Deutschland wünscht er sich gute Beziehungen, obwohl Babiš die ANO ins Lager von Viktor Orbáns europäischen Rechtspopulisten geführt hatte. Zuvor gehörte die ANO zur Gruppe der europäischen Liberalen.

Sind die schwierigen Themen vorbei, wechselt er gern ins Deutsche, das er recht solide beherrscht. Dann schwärmt er davon, wie er als junger Mann seine Schwester in München besuchte und den Aufschwung erlebte, der für die Stadt zur Zeit von Franz Josef Strauß begonnen habe und der sie zu der heute boomenden Technikmetropole geführt habe. Genau das, so sein Traum, ­wolle er auch in seiner Heimat realisieren.

Source: faz.net