Trumps Umfragewerte: So schlecht wie unter Joe Biden
Heute hält US-Präsident Trump seine Rede zur Lage der Nation. Wahrscheinlich wird er sich dabei vor allem selbst loben. Dabei sind seine Umfragewerte schlecht – selbst bei Themen wie Migration und Inflation.
In etlichen Statements betonen Donald Trump und seine Sprecherin Karoline Leavitt, wie sehr die Preise für Eier, Milchprodukte, Obst und den Sprit an der Tankstelle seit dem Amtsantritt von Trump gesunken seien. Mit dem Zusatz: Dank des ständigen Kampfes des US-Präsidenten für niedrigere Preise. Aber besonders jüngere Menschen empfinden das oft anders und machen ihrem Unmut über die aktuelle Politik der Trump-Administration in den sozialen Medien Luft.
„Ich muss überlegen, welche Lebensmittel für mich wichtig sind. Wie ich meinen Tank füllen kann. Ich werde immer weiter aus der Stadt hinausgedrängt, weil ich mir die Miete nicht leisten kann“, sagt eine junge Frau. Eine andere beschwert sich, dass sie inzwischen 2.200 Dollar für eine Zweizimmerwohnung zahlen muss.
Mehrheit unzufrieden – auch wegen der ICE-Einsätze
60 Prozent der US-Bürger seien aktuell unzufrieden mit Trumps Politik, sagt Eli McKnown-Dawson von der Wahlanalyse-Plattform Silver Bulletin. Das ist das Ergebnis, dass auch Joe Biden ein Jahr nach Amtsübernahme hatte. Aber deutlich schlechter als das von Barack Obama zum gleichen Zeitpunkt.
Grund sind aber nicht nur die hohen Lebenshaltungskosten: Bei wichtigen Themen wie Inflation und Wirtschaft allgemein seien Trumps Umfragewerte schon lange schlecht, erläutert der Umfragen-Analyst, was natürlich zum Sinkflug beitrage. Aber jetzt sieht er sogar in den Bereichen, in denen die Trump-Regierung früher stark war, schwache Umfrageergebnisse – wie bei der Einwanderungspolitik.
Über das Ziel hinaus geschossen
Dabei war die Einwanderungspolitik bei der Wahl 2024 ein Thema, weshalb viele Menschen Trump ihre Stimme gegeben haben. Entsprechend gut waren die Umfragewerte, als Trump die Grenze in Richtung Mexiko durch Militär und Nationalgarde abriegeln ließ.
Aber mit den teils sehr massiven Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE sei er über das Ziel hinausgeschossen, erklärt McKnown-Dawson den Negativtrend. Und auch die Zollpolitik – die gerade erst in weiten Teilen vom Supreme Court gekippt wurde – hätte Trumps Umfragewerten geschadet.
Leicht gespalten sind die Ansichten über die Außenpolitik. Ein kurzes schnelles Eingreifen – wie zum Beispiel die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro – wird eher positiv gesehen. Andere außenpolitische Ideen von Trump dagegen nicht.
So lehnten 80 bis 90 Prozent der Menschen in den USA den Versuch ab, Grönland zu übernehmen, sagt der Umfrageexperte und stellt weiter fest: „Aber die meisten Menschen interessieren sich sowieso hauptsächlich für innenpolitische Themen.“
Enttäuschte Hoffnungen
Besonders junge Wechselwähler wenden sich ab von Trump Das bestätigt auch Jesse Arm. Er ist Vizepräsident am Manhattan Institute, einer konservativen Denkfabrik. Die republikanischen Stammwähler stünden weiter zu Trump, aber die Wechselwähler wendeten sich von ihm ab – und besonders viele Jüngere. Sie hätten gehofft, dass Trump ihre Probleme lösen würde und seien jetzt enttäuscht.
Auf der anderen Seite habe Trump einen guten Riecher dafür, wann er zurückrudern müsse, sagt Arm. Deshalb habe der US-Präsident auch entschieden, den ICE-Einsatz in Minnesota teilweise zurückzufahren.
Kann Trump das Ruder noch herumreißen?
Ist eine Niederlage bei den Zwischenwahlen im November noch abzuwenden? Ja, glaubt Arm. Aber dafür müsse Trump Mitgefühl zeigen mit denjenigen, die das Gefühl haben, dass es nicht so gut für sie läuft. So habe auch Bill Clinton eine Wahlniederlage bei den Zwischenwahlen abgewendet.
Wobei das für Trump besonders schwierig sei, weil seine Botschaft immer sei: „Ich gewinne ununterbrochen!“ Aber das könnten die Menschen einfach nicht mehr hören. Und viele Erfolge würden auch nicht mehr wahrgenommen, weil Trump sich ja ständig selbst loben würde.
Wachstum und weniger Arbeitslose
Zum Beispiel sind die Wirtschaftsdaten objektiv gar nicht so schlecht, zumal im Vergleich zu Deutschland. Das US-Bruttoinlandsprodukt ist im 4. Quartal um 1,4 Prozent gewachsen. Im Januar wurden 130.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, die Arbeitslosenquote sank von 4,4 auf 4,3 Prozent.
„Aber diese positiven Indikatoren gehen unter, weil die Menschen einfach ermüdet sind von der Prahlerei der Regierung und ihrer Weigerung, Fehler einzugestehen“, sagt Arm. Wenn die Republikaner die Zwischenwahlen für sich entscheiden wollen, liegt also noch viel Arbeit vor Donald Trump.
Source: tagesschau.de
