Trumps Ölstrategie: Wie die USA den Energiemarkt reorganisieren

Ölplattform in Texas, USA (Archivbild)


analyse

Stand: 17.03.2026 • 07:05 Uhr

Erst Venezuela, dann Iran: Experten vermuten hinter Trumps Vorgehen eine Strategie, die globalen Ölströme umzulenken und den Rivalen China zu schwächen. Nutznießer ist die US-Ölindustrie.

Die Ölkonzerne und Fracking-Industrie in den USA zählen zu den großen Gewinnern des Iran-Kriegs – darauf weist der US-Präsident selbst hin. „Die Vereinigten Staaten sind bei weitem der größte Ölproduzent der Welt, wenn also die Ölpreise steigen, machen wir eine Menge Geld“, verkündete Donald Trump jüngst in den sozialen Medien.

USA sind Nettoexporteur von Öl und Ölprodukten

Tatsächlich fördern die USA dank ihrer Schieferölindustrie so viel Öl wie kein anderes Land der Welt. Zugleich sind die Vereinigten Staaten seit 2020 Nettoexporteur von Öl und Ölprodukten.

Das liegt auch an der Stärke des US-Raffineriegeschäfts: 2025 exportierten die USA netto rund fünf Millionen Barrel raffinierter Ölprodukte – etwa Benzin, Diesel und Kerosin – pro Tag.

Fracking wird erst ab etwa 70 Dollar pro Barrel profitabel

Von den gegenwärtig hohen Ölpreisen profitieren in den USA daher vor allem Öl-Produzenten, Raffinerien mit Exportgeschäft, Pipelinebetreiber – und nicht zuletzt die Fracking-Industrie.

Neue Fracking-Bohrungen in den USA rechnen sich laut der Dallas Fed erst ab einem Preis von etwa 60 bis 70 Dollar je Barrel WTI – je nach Region und Bohrtyp. Preise von um die 100 Dollar, wie sie zuletzt an den globalen Rohstoffmärkten aufgerufen wurden, sind für die Frackingunternehmen somit ein massiver Gewinnbeschleuniger.

Zahl der US-Ölbohrungen steigt wieder

Eine erste kleine Reaktion auf den Ölpreisanstieg gab es bereits in den ersten beiden März-Wochen: Laut dem Öl-Dienstleister Baker Hughes stieg die Zahl aktiver US-Ölbohrungen von 407 auf nunmehr 412. Eine Tendenz, die sich fortsetzen dürfte, sollte der Ölpreis auf dem hohen Niveau verharren oder gar weiter steigen.

„Kurzfristig ist allerdings nicht viel an zusätzlichem Angebot aus den USA zu erwarten“, betont Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch gegenüber der ARD-Finanzredaktion.

EIA erhöht Prognose für US-Ölproduktion

„Laut der US-Energiebehörde EIA dürfte die US-Rohölproduktion erst ab Spätherbst dieses Jahres steigen und im nächsten Jahr deutlich höher liegen als aktuell“, so Fritsch.

Die EIA schraubte ihre Prognose für 2027 zuletzt um 0,5 Millionen auf 13,8 Millionen Barrel pro Tag nach oben. In ihrem aktuellen „Short Term Energy Outlook“ begründete sie das ausdrücklich damit, dass die aktuell höheren Preise die heimische Ölproduktion anheizen.

Steigende Benzinpreise werden für Trump zum Risiko

So sehr die heimische Ölindustrie von den steigenden Ölpreisen auch profitieren mag: Dauerhaft hohe Ölpreise sind sicherlich nicht im Interesse Trumps. Denn sie schwächen auch die Wirtschaft im eigenen Land, die Unternehmen, die Verbraucher – ergo: die Wähler.

In der vergangenen Woche kletterte der durchschnittliche Benzinpreis laut dem Verband AAA auf 3,60 Dollar pro Gallone (rund 3,8 Liter) – von 2,90 Dollar vor Kriegsbeginn. Im Wahlkampf hatte Trump noch niedrigere Energiepreise versprochen.

Trumps Strategie der globalen Energiedominanz

Und doch passt der Angriff auf Iran perfekt zu Trumps Agenda der „Energiedominanz“, die der US-Präsident immer aggressiver verfolgt. Nur einen Tag vor dem von ihm angeordneten Angriff auf Iran sagte Trump während einer Rede in Corpus Christi im US-Bundesstaat Texas, er wolle Amerikas Status als die „mit Abstand führende Energie-Supermacht der Welt zementieren“.

Im eigenen Land setzt Trump dazu auf die maximale Förderung fossiler Brennstoffe nach dem Motto: „Drill, Baby, drill“. Doch damit nicht genug: Auch viele seiner außenpolitischen Schritte werden von Kritikern als Versuch interpretiert, dem Ziel der globalen „Energiedominanz“ näher zu kommen.

Warum venezolanisches Öl für US-Raffinerien wichtig ist

Durch die Brille der Energiepolitik betrachtet, ergibt sich mit Blick auf die Angriffe erst auf Venezuela und nun auf Iran ein klares Muster: Washington versucht, die globalen Ölströme so umzulenken, dass gegnerische Staaten geschwächt werden, während der eigene Einfluss auf den Ölmarkt gestärkt wird.

So berichtet das Wall Street Journal, dass die US-Importe von venezolanischem Öl zuletzt auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr gestiegen sind. Venezolanisches Öl ist für viele Raffinerien an der US-Golfküste besonders attraktiv. Der Grund: Zahlreiche Anlagen dort – unter anderem in Corpus Christi – sind laut der EIA „hervorragend“ auf die Verarbeitung schwerer, schwefelreicher Rohölsorten ausgelegt, wie sie Venezuela liefert.

China ist größter Käufer iranischen Öls

Ziel der Trumpschen Energiepolitik ist es offenbar, venezolanisches und, bei einem erfolgreichen Regimesturz, auch iranisches Öl wieder stärker in den globalen Markt zu integrieren – aber unter Bedingungen, die Washington kontrolliert.

Das würde den Erzfeind China schwächen, der bislang stark von sanktioniertem venezolanischen und iranischen Öl profitierte und dadurch Milliarden einsparte. China kaufte zuletzt rund 90 des iranischen Öls – 2025 waren das im Schnitt 1,38 Millionen Barrel pro Tag.

China baut Ölreserven massiv aus

„Für Länder wie China wird es dann natürlich schwerer, weil sie sich andere Lieferanten suchen müssen“, betont Rohstoffexperte Fritsch. „Und sie müssen vermutlich auch tiefer in die Tasche greifen, da das iranische wie auch das venezolanische Öl bislang sanktionsbedingt mit Preisabschlägen versehen waren.“

Allerdings trifft der aktuelle Rohstoffengpass China nicht gänzlich unvorbereitet: „Die Chinesen haben zuletzt massiv in den Aufbau ihrer Ölreserven investiert“, so Fritsch. Allein im vergangenen Jahr habe China seine Ölvorräte um mehr als 400 Millionen Barrel erhöht. Diese Reservekäufe erwiesen sich nun als „glücklicher Umstand“.

Öl als geopolitisches Machtinstrument

Bernstein Research schätzt die chinesischen Ölreserven auf rund 1,4 Milliarden Barrel. Einige Experten gehen sogar von mehr als 2,0 Milliarden Barrel aus. Zum Vergleich: Vor Beginn des Iran-Kriegs belief sich die strategische US-Ölreserve auf 415 Millionen Barrel – das ist weniger als ein Drittel der konservativ geschätzten chinesischen Reserven.

Präsident Trump strebt die globale Energiedominanz an – und setzt dabei voll aufs Öl. Ziel ist es, die heimischen Ölkonzerne zu stärken und geopolitische Gegner zu schwächen. Doch China wird es ihm nicht leicht machen. Die Volksrepublik hat massiv vorgesorgt und ist besser auf Rohstoffengpässe vorbereitet als je zuvor.

Source: tagesschau.de