Trumps Iran-Intervention: So läuft jener Seekrieg im Nahen Osten ab

Der Irankrieg ist auch ein Seekrieg. Teheran hat mehrere zivile Schiffe attackiert und beschädigt; ein Seemann kam ums Leben. Die Revolutionsgarden behaupteten zudem, einen amerikanischen Flugzeugträger getroffen zu haben – die USA dementierten, räumten den versuchten Angriff aber ein. Nach den amerikanisch-israelischen Attacken auf Iran erklärten die Revolutionsgarden die wichtige Meerenge Straße von Hormus für geschlossen und warnten Schiffe davor, die globale Route für Ölexporte zu passieren.

Auf der anderen Seite gab der amerikanische Präsident Donald Trump die „Vernichtung“ der iranischen Marine als eines seiner Kriegsziele aus. Das US-Militär erklärte, mittlerweile alle elf iranischen Schiffe im Golf von Oman zerstört zu haben. Satellitenbilder und Videos zeigen mehrere brennende Kriegsschiffe sowie starken Rauch über dem zentralen Marinestützpunkt Bandar Abbas im Süden Irans. Dieser bietet dem Land einen strategisch wichtigen Zugang zur Straße von Hormus. Trump erklärte, dass das Hauptquartier „weitgehend zerstört“ sei, einige große und wichtige Schiffe seien getroffen worden. „Wir holen uns den Rest.“

Die iranische Marine steht tatsächlich stark unter Druck, wie die Satellitenaufnahmen zeigen. Darauf sind neben den Schäden in Bandar Abbas auch brennende Schiffe im Hafen von Konarak im Süden Irans zu sehen. Die Amerikaner haben nach eigenen Angaben unter anderem eine Korvette der Jamaran-Klasse getroffen; sie sinke im Golf von Oman.

Die Korvette gilt als eines der wichtigsten heimisch produzierten Überwasserkampfschiffe Irans. Sie soll eine Verdrängung von circa 1500 Tonnen haben, 95 Meter lang sein und Platz für 140 Bordmitglieder haben. Ausgerüstet ist sie mit Torpedos, einem vollautomatisierten Marinegeschütz, Seezielflugkörpern und Flugabwehrraketen. Auch weitere Korvetten, Fregatten und kleinere Schiffe sollen inzwischen gesunken sein.

Die Amerikaner wollen einen „Drohnenträger“ getroffen haben

Die amerikanischen Streitkräfte wollen zudem den ungewöhnlichen iranischen „Drohnenträger“ Shahid Bagheri getroffen haben. Es handelt sich offenbar um die Abwandlung eines Flugzeugträgers für den Transport von unbemannten Fluggeräten. Das Schiff soll seit vergangenem Jahr im Einsatz sein. Auf vor dem Krieg veröffentlichten Videos ist zu sehen, wie Drohnen von einer Rampe abheben und wieder auf dem Träger landen. Laut dem US-Militär wurde das Schiff am Samstag innerhalb der ersten Stunden der Militäroperation attackiert, zum Ort machten die Streitkräfte keine Angaben.

Die Iraner scheinen nur mäßig auf Angriffe gegen ihre Marine vorbereitet zu sein. Analysten schreiben in den sozialen Medien, dass es keine nennenswerten Anzeichen dafür gebe, dass Teheran seine Flotte zerstreut oder anderweitig versucht, sie zu schützen: Die Kriegsschiffe befinden sich demnach an vorhersehbaren Positionen und sind ein leichtes Angriffsziel. Vor Kriegsbeginn galt die iranische Marine als fortschrittlich.

Trotz Verlusten ist Teheran weiterhin dazu in der Lage, die zivile Schifffahrt zu bedrohen. In der Straße von Hormus ist der Verkehr fast zum Erliegen gekommen. Iran hat seit Kriegsbeginn mindestens drei Tanker beschädigt, darunter die amerikanische Stena Imperative im Hafen von Bahrain. Angriffe gab es auch vor den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Oman. Dabei setzte Iran das erste Mal in diesem Krieg eine Seedrohne ein – das sind ferngesteuerte Boote, die in der Regel mit einer Sprengladung ausgerüstet in ihr Ziel steuern. Seedrohnen sind insbesondere durch den Ukrainekrieg bekannt geworden, Kiew setzte der russischen Schwarzmeerflotte mit ihnen stark zu.

Es war bekannt, dass auch Teheran solche Waffen entwickelt. Die United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO), die der Royal Navy untersteht, bestätigte den Angriff vor Oman auf das unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Schiff MKD VYOM, die Crew sei an Land gebracht worden. Aufnahmen in den sozialen Medien zeigten starken Rauch an Bord. Ein Crewmitglied wurde bei der Attacke getötet, wie der Schiffsdienstleister V. Ships Asia mitteilte: „Mit großer Trauer bestätigen wir, dass ein Besatzungsmitglied, das sich zum Zeitpunkt des Vorfalls im Maschinenraum befand, ums Leben gekommen ist.“

Source: faz.net