Trumps Iran-Debakel: Das passiert, wenn ein Polit-Dilettant Krieg führt
Trumps Iran-DebakelDas passiert, wenn ein Polit-Dilettant Krieg führt
Ein Kommentar von Thomas Schmoll
Ein an der Welt, Fakten und Wissenschaft desinteressierter Golfspieler regiert das mächtigste Land der Erde wie ein Autokrat. Sein Mach-was-dir-gefällt-Wesen ist vom Schlage Putins. Sobald Donald Trump aber auf Gegner trifft, die wie er auf internationales Recht und Menschlichkeit pfeifen, sieht es düster für ihn aus.
Wie es in Donald Trumps – Folge seiner Selbstbeweihräucherung – vernebeltem Hirn zugeht, ist inzwischen bekannt: extrem banal. Seine Wahrheitsministerin Karoline Leavitt, offiziell US-Regierungssprecherin, verriet wenige Tage nach dem Angriff auf Iran, dass ihr Chef aus dem Bauch heraus – nach „auf Fakten beruhendem Gefühl“ – entscheidet, ob er sein Land in den Krieg ziehen lässt (oder nicht). Sein schlichter Geist wird zu dem Schluss gekommen sein: Venezuela war ein Klacks und brachte mir und dem US-Militär (Letzteres zurecht) Respekt ein, also wird der Iran ein weiteres Kinderspiel sein. So täuscht man sich, wenn man Fakten, Wissenschaft sowie Erfahrungen Dritter ignoriert und an alternative Wahrheiten glaubt.
Was aus diesem Mix aus Missachtung und Irrlichtern wurde, ist bekannt: eine globale Wirtschaftskrise und ein politisches Debakel für Trump und die USA zur Freude ihres mächtigsten Gegners China. Das rasche Scheitern der Verhandlungen war nur logisch, da die USA und Iran jeweils für die andere Seite unerfüllbare Forderungen stellten. Nur jemand, der tickt wie der US-Präsident, konnte das Desaster zu einem glorreichen Sieg auf ganzer Linie erklären. Die Linie ist allerdings so kurz wie die Zündschnur, die er hat, wenn es jemand wagt, an ihm und seiner Genialität zu zweifeln. Wir können fest davon ausgehen, dass der erste Mann im Weißen Haus unerschütterlich an seine absurden Einschätzungen in eigener Sache glaubt. Dass inzwischen offen über seine Zurechnungsfähigkeit diskutiert wird, geht dem Politik-Darsteller so weit am Popo vorbei wie der Inhalt des Völkerrechts.
Schon im Sommer 2025 bewies Trump der Öffentlichkeit, dass er die Kunst der Autosuggestion beherrscht wie nur wenige auf der Welt – immerhin da ist er nah an der Einzigartigkeit, die er für sich reklamiert. Er verkündete: „Die nuklearen Standorte im Iran sind vollständig zerstört“ – um einige Monate später den Krieg gegen das vorderasiatische Land unter anderem damit zu begründen, dass es niemals Atombomben bauen dürfe. Aber was interessiert diesen alten weißen Mann sein Geschwätz von gestern und vorgestern, oft ist es ja schon nach Stunden überholt.
„Wir haben einen Regimewechsel gehabt“, erklärte Trump zu dem Umstand, dass zahlreiche, bis dahin einflussreiche Wortführer in Politik, Militär, Revolutionsgarden und Geheimdienst des Iran ums Leben kamen. Dass die Barbaren in Teheran kein Stück ihrer Macht im Inland eingebüßt haben, belegen die Hinrichtungen Aufständischer. „Iranische Patrioten, protestiert weiter!“, hatte Trump die mutigen Demonstranten via Truth Social Mitte Januar aufgefordert. „Hilfe ist auf dem Weg.“ Auf die warten die Oppositionellen bis heute. Wer sich auf Trump verlässt, ist verlassen. Das bekommen Europa und die Nato ebenfalls zu spüren.
Trumps wirkungsvollste Taktik ist die Vergeltung
All das, was längst zu erahnen war, hat Trump mit und während seines Kriegs gegen Iran bestätigt: Seine geistigen und strategischen Schwächen hat er offengelegt wie ein Pleitier seine Vermögensverhältnisse beim Offenbarungseid. Nur ein gutes Bauchgefühl, was die Massen hören wollen, reicht nicht, einen Krieg in einen nachhaltigen Sieg zu verwandeln, selbst wenn die militärische Überlegenheit noch so groß ist. Trump hat keinen kühn ausgeheckten oder überhaupt einen Plan. Das Einzige, was ihn treibt, ist das Produzieren von Schlagzeilen, damit er jeden Tag die Nachrichten beherrscht und sich bestätigt sieht, was für ein genialischer Führer er sei.
Trumps wirkungsvollste Taktik ist die Vergeltung. Wer nicht spurt, dem schwört er Rache. Hier ein Zoll, dort eine Drohung, militärische Unterstützung einzustellen. Der Mann mag bauernschlau sein. Auf dem Gebiet der Weltpolitik erweist er sich bisher als ahnungslos und inkompetent. Gegen Iran Krieg zu führen und weder das Ende zu be- noch an die Straße von Hormus und generell die ökonomischen Folgen zu denken, ist nicht dumm, sondern strunzdumm. Trump schafft es noch nicht einmal zu verstehen, dass die Nato ein Verteidigungsbündnis und keine Allianz zur Unterstützung von Kriegen ist, die ein Möchte-gern-Autokrat vom Zaun bricht, um in die Geschichtsbücher als Friedensbringer und -nobelpreisträger einzugehen.
Was der US-Präsident möglicherweise für Strategie hält, ist nichts weiter als das, was ein gefürchteter Schulhofschläger tut, der um seine Muskelkraft weiß. Er droht jedem Dresche an, der sich ihm in den Weg stellt und nicht das tut, was er will – und bei Bedarf schlägt er tatsächlich zu. Dafür braucht man kein bisschen Grips. Trumps Idiotie wäre noch akzeptabel, Schwachköpfe gibt es haufenweise in der Politik. Doch werden die gebremst von Beratern. Die aber hat der erste Mann im Weißen Haus zuhauf weggejagt oder zum Schweigen gebracht, weil sie ihm immer seltener sagten, was er hören wollte.
Berichte aus den USA, dass sich Geheimdienstler und Militärs nicht mehr trauen, dem Präsidenten Erkenntnisse und Tatsachen vorzulegen, die ihm nicht in den Kram passen, erscheinen plausibel. Wer es dennoch tut, wird gefeuert – eine von mehreren Parallelen zu Kremlchef Wladimir Putin, Trumps Vorbild. Beide sind umgeben von Lakaien und Speichelleckern, die sagen, was ihr Herr und Meister hören möchte. US-„Kriegsminister“ Pete Hegseth ist der Prototyp dieser albernen Figuren. Seine Auftritte, seine überschwänglichen Loblieder auf Trump sind so aberwitzig, dass man sie nicht von Satire unterscheiden kann.
Militärische Superkraft ist nicht alles
Vereint sind Trump und Putin auch in der Akzeptanz des Krieges zur Durchsetzung politischer Interessen. Der US-Präsident bewundert den russischen Diktator, weil dem kein Parlament, kein Gericht und kein Druck der Straße Grenzen setzt. Der US-Amerikaner würde bestimmt gerne genauso wie der Herrscher im Kreml agieren, muss sich aber permanent von Richtern und einer echten Opposition korrigieren und einhegen lassen, die anders als die in Russland keine Angst haben muss, im Gulag zu landen.
Der Iran-Krieg offenbarte, wie schwierig es für Trump wird, wenn er auf Machthaber trifft, die wie er selbst in einer gedanklichen Parallelwelt leben und genauso empathie- und gnadenlos handeln. Ihnen ist es völlig egal, ob die Zivilbevölkerung leidet oder verreckt. Sie haben nur ein Ziel: Ihre Macht zu sichern. Und dafür setzen sie ohne Skrupel alles ein, was ihnen zur Verfügung steht. Hätte Trump neben Sachkunde auch nur den Hauch an Einfühlungsvermögen für Menschen außerhalb seiner Wählerschaft, wüsste er das. Hat er aber nicht. Sondern nur sein Militär und die Gewissheit, es kommandieren und überall hinschicken zu können, wie es ihm beliebt. Aber militärische Superkraft ist eben nicht alles. Die geistigen Schwächen eines Schwachkopfs lassen sich nicht wegbomben.
Trump hat sich in eine Sackgasse begeben, in der er mit Islamisten der übelsten Art über die Öffnung der „verfickten Meerenge“ von Hormus verhandeln muss. Dass die Iraner nun wissen, wie wirkmächtig die Blockade der Seestraße ist, haben sie dem US-Präsidenten zu verdanken. Wie aus der Comedy stammt die Idee, zusammen mit den „verrückten Bastarden“ Maut in der Meerenge zu kassieren – der Typ ist wirklich von allen guten Geistern verlassen.
Gewinner des Fiaskos ist China mit seinen Verbündeten Russland und Iran. Die USA haben ihren Krieg nicht mit den prowestlichen Golfstaaten abgestimmt und damit deren Wirtschaftsmodell in Gefahr gebracht. Die Regierung in Peking scheint rationaler und verlässlicher zu sein – das werden auch Länder im Nahen Osten so sehen. Prompt soll China eine Lieferung von schultergestützten Flugabwehrraketen an Iran vorbereiten. Das Dreierbündnis aus China, Russland und Iran, flankiert von Nordkorea und wirtschaftlich eng verbunden mit Indien, ist eine Herausforderung für die USA. Doch das kapieren Trump und sein Gefolge nicht.
Der Krieg gegen Iran hat offenbart, wie leicht der US-Präsident zu bezwingen ist. Es reicht, die Ölpreise nach oben zu treiben – der Iran wird das nun wieder forcieren. An der Börse gibt es dafür schon einen Begriff: TACO. Das Kürzel steht für „Trump always chickens out“, frei übersetzt: Trump knickt immer ein. Der Iran hat das sehr schnell begriffen und in Politik umgesetzt. Andere Länder werden es ebenfalls tun. Was die Welt noch unsicherer macht. Denn Abschreckung funktioniert anders. Aber auch das wird Trump nicht begreifen. Dafür ist er schlicht und einfach zu simpel gestrickt.
Source: n-tv.de