Trumps Angriff in Venezuela: US-Imperialismus 2.0

Militäreinsätze der USA in Mittelamerika hat es immer wieder gegeben, zuletzt Ende 1989 gegen Panama, als der dortige Staatschef wegen mutmaßlicher Drogenvergehen entführt wurde. In Südamerika wurde bisher vor allem politisch interveniert


Ein beschädigtes Porträt des venezolanischen Helden Simón Bolívar

Foto: Jesus Vargas/Getty Images


Der US-Imperialismus begann 2026 mit einem Paukenschlag. Man muss Venezuelas langjährigen Machthaber Nicolás Maduro nicht besonders mögen, um in seiner demütigenden Entführung durch US-Truppen und den Ansagen von Donald Trump einen folgenreichen Bruch des Völkerrechts zu sehen. Der Oberbefehlshaber aus dem Weißen Haus zeigt, wie er seine Monroe-Doktrin des 21. Jahrhunderts umsetzen will: Das südamerikanische Land mit den größten nachgewiesenen Ölreserven weltweit soll bis auf weiteres von einem Gremium mit US-Außenminister Marco Rubio und anderen geleitet werden, so Trump auf seiner Pressekonferenz am Tag der Aggression in Florida. Für die Finanzierung dieses Projekts sei die Förderung jenes Öls vorgesehen, „das wir schon längst hätten zurückholen müssen“.

Unter Obama gab es ein kurzes Tauwetter zwischen Washington und Havanna

Seit genau einem Monat, als Washington seine neue Nationale Sicherheitsstrategie NSS 2025 vorstellte, sind die Länder der „westlichen Hemisphäre“ höchst offiziell bedroht. Niemand weiß das besser als die Lateinamerikaner, sind doch die dortigen US-Interventionen Legion, angefangen mit dem Eroberungskrieg gegen Mexiko 1846 bis 1848.

Zwar hatte Barack Obamas zweiter Außenminister John Kerry Ende 2013 die Monroe-Doktrin für tot erklärt, auch setzte zwischen Washington und Havanna seinerzeit ein unerhörtes Tauwetter ein, doch südlich des Rio Grande blieben viele skeptisch. Die Vier-Sterne-Generalin Laura Richardson, unter Joe Biden Chefin des für Lateinamerika und die Karibik zuständigen „Südkommandos“, warnte Jahr für Jahr vor einem „bösartigen Einfluss“ Chinas in der Region.

Gustavo Petro sei wie Maduro der Chef eines Drogenkartells, findet Trump

Auf der Pressekonferenz in Florida wiederholte der US-Staatschef in gewohnt ordinärer Manier die Drohungen gegen Kuba und gegen Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro – Letzterer hat bereits die Mobilisierung von Truppen an der Grenze zu Venezuela angeordnet. Petro sei ebenso wie Maduro der Chef eines Drogenkartells, findet Trump.

Mit der gleichen Anschuldigung ließ George Bush sen. als US-Präsident vor 36 Jahren Panamas Machthaber und langjährigen CIA-Agenten Manuel Noriega entführen. Die Zahl der zivilen Todesopfer bei der bis dato letzten US-Invasion in Mittelamerika ging in die Tausende.

Noch ist im Moment ungewiss, wie viele Venezolaner bei den Attacken auf Militär- und Hafenanlagen am 3. Januar in verschiedenen Landesteilen ums Leben gekommen sind. Was man weiß: Bei den mehr als 30 völkerrechtswidrigen Angriffen auf angebliche oder tatsächliche Drogenboote in der Karibik oder im Pazifik wurden bislang mindestens 110 Menschen quasi hingerichtet.

Im Übrigen zeigt der Fall Juan Orlando Hernández, honduranischer Präsident von 2014 bis 2022, was von der US-Drogenpolitik zu halten ist. Kurz vor den jüngsten Wahlen in dem mittelamerikanischen Staat begnadigte Trump den in den USA wegen Drogenhandels zu 45 Jahren Haft verurteilten Parteifreund von Nasry Asfura. Der Rechtsausleger wurde nach einer Wahlempfehlung Trumps knapp zum neuen Staatschef in Honduras gewählt, das derzeit noch von der Linken Xiomara Castro regiert wird.

Beifall für seine Aggression gegen Venezuela bekam der US-Präsident von seinen ultrarechten bis rechten Verbündeten in Argentinien, Ecuador und El Salvador. Er selbst brüstete sich mit seiner Unterstützung für Javier Milei in Buenos Aires und José Antonio Kast in Chile. Der Subkontinent ist fragmentiert und zugleich polarisiert wie seit den 1970ern nicht mehr: Gab es vor 15 Jahren noch ernsthafte Gespräche über eine gemeinsame Verteidigungspolitik der südamerikanischen Staaten oder zaghafte Überlegungen zu einer anderen, weniger repressiven Drogenpolitik, ist so etwas heute undenkbar.

Immerhin, der spanische Regierungschef Pedro Sánchez schert aus

Es ist das erste Mal überhaupt, dass die USA ein südamerikanisches Land direkt angegriffen haben. Bis auf Weiteres eher finster sind die Aussichten für die Region, die sich im 21. Jahrhundert mit einigem Recht als „Friedenszone“ bezeichnen kann – wohlgemerkt, was zwischenstaatliche Konflikte betrifft. Doch was den Schutz vor den USA betrifft, hat der Subkontinent von europäischen Politikern wie Emmanuel Macron, Keir Starmer oder Friedrich Merz nichts zu erwarten.

Immerhin einen Lichtblick gibt es: Spaniens Premier Pedro Sánchez schert erneut aus. Sein Land erkenne keine völkerrechtswidrigen Interventionen an, die Lateinamerika und die Karibik „in Richtung Ungewissheit und Bellizimus schieben“, twitterte der nicht nur von Donald Trump ungeliebte Sozialdemokrat.