Trump weiterführend Kritiker: „Sie sind dumme Menschen“

Kennzeichen der einflussreichen „Make America Great Again“-Stimmen war es lange, Donald Trump alles durchgehen zu lassen. Öffentliche Kritik war selten und wenn, in Watte gepackt. Dann kam die Debatte über den Umgang mit den Sexualverbrechen Jeffrey Epsteins, die erste Risse offenlegte. Und schließlich der Irankrieg.
Nach Wochen heftiger Kritik aus dem eigenen Lager holte der Präsident am Donnerstag zum Gegenschlag aus. In einem langen Beitrag auf seiner Plattform Truth Social rechnete er mit rechtsgerichteten Stimmen ab, die ihm vor nicht allzu langer Zeit zur Rückkehr ins Weiße Haus verholfen hatten.
„Sie sind dumme Menschen“, schrieb Trump über die früheren Fox-News-Moderatoren Tucker Carlson und Megyn Kelly sowie die Verschwörungstheoretiker Candace Owens und Alex Jones. Das wüssten auch deren Familien „und alle anderen“. Trump beließ es nicht dabei, sie für ihre Kritik am Irankrieg zu schelten.
Trump über seine Kritiker: Alle sind Loser und gehören nicht zu MAGA
Er knöpfte sich jeden der Podcaster einzeln vor: Carlson müsse mal zum Psychologen gehen, Kelly sei bekannt für ihre „fiesen Fragen“, Owens sei verrückt, und Jones sage „einige der dümmsten Sachen überhaupt“. Sie alle seien Loser, die nicht zu MAGA gehörten und nur versuchten, von der Bewegung zu profitieren, schrieb Trump.
Das stimmt nicht. Alle vier in dem Beitrag genannten Personen haben zwar nicht immer eine reibungsfreie Beziehung zu Trump gehabt. Sie unterstützen ihn jedoch seit Jahren. Kelly sprach auf seinen Kundgebungen, Carlson nutzte seine Plattform in Trumps Haussender Fox News und später den eigenen Podcast, um den Republikaner zu unterstützen.
Jones rief Trumps Unterstützer am 6. Januar 2021 eindringlich dazu auf, sich auf den Weg zum Kapitol zu machen, und Candace Owens stand als schwarze Frau schon im ersten Präsidentschaftswahlkampf hinter dem Republikaner.
„In jeder Hinsicht abscheulich“
Zu harschen Kritikern sind sie erst in den vergangenen Monaten geworden, im Zuge der Epstein-Debatte und noch mehr wegen des Irankriegs. Carlson hatte Trump nach seinem Beitrag über die Auslöschung der iranischen Zivilisation als „in jeder Hinsicht abscheulich“ bezeichnet. Kelly wirft Trump vor, die Amerikaner in die Irre zu führen; Jones und Owens, die sich beide schon häufig antisemitisch geäußert haben, bezeichnen Trump im Irankrieg als Marionette des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Trumps öffentlicher Wutausbruch über diese Aussagen kommt nicht von ungefähr. Sein politischer Erfolg beruht auf einem Netzwerk aus Podcastern, Aktivisten und Internetfiguren, das seine Botschaften an die Basis weitergibt.
Nun fallen ihm Personen mit Millionenfollowerschaft in den Rücken – genug, um nicht mehr nur von Einzelfällen zu sprechen. Es ist schwerer, Kritik von im MAGA-Universum fest verankerten Figuren mit dem üblichen Argument der Unglaubwürdigkeit beiseitezuwischen.
Trump hob in seinem Beitrag auch hervor, wenn er wollte, könne er die Gescholtenen jederzeit wieder auf seine Seite ziehen. Er werde aber nicht ans Telefon gehen, wenn sie sich meldeten, „weil ich zu beschäftigt bin mit den Angelegenheiten der Welt und unseres Landes“.
Außerdem seien ihm „diese Dinge“ inzwischen egal, er wolle nur das Richtige für das Land tun. Sollte er beabsichtigt haben, seine Kritiker mit dem Beitrag mundtot zu machen, wurde er enttäuscht. Owens schrieb kurz darauf, es sei „vielleicht an der Zeit, den Großvater ins Heim zu geben“.
Source: faz.net