Trump und Venezuela: Wahre Glückskinder

Gerade einmal vier Wochen sind vergangen, seit der amerikanische Präsident sein venezolanisches Gegenüber mit einer an alte Zeiten erinnernden Kommandoaktion kaltstellte. Was sich seither zwischen Washington und Caracas abspielt, passt indes so gar nicht zu der robusten Art, mit der Trump Maduro und dessen Gattin in seine Gewalt brachte.

Anstatt der Oppositionsführerin Machado und dem im Exil lebenden, von den USA einst als Wahlsieger anerkannten González Urrutia zu ihrem Recht zu verhelfen, setzen Trump und sein Venezuela-Bevollmächtigter Rubio auf Delcy Rodríguez. Regimewechsel?

Vergeben und vergessen

Dass die als Präsidentin amtierende Dame eine Stütze des Revolutionsterrorregimes war, ist vergeben und vergessen. Hauptsache, das aus einer Scheinwahl hervorgegangene Nationalparlament ist einsichtig und beschließt unter Vorsitz ihres Bruders Jorge die Öffnung des Ölsektors für ausländische Unternehmen.

Wahre Glückskinder sind die Geschwister Rodríguez aber nicht nur für Trump. Von ihrer Geschmeidigkeit profitiert auch die heimische Nomenklatura.

Mit jedem Tag haben die alten Machthaber mehr Zeit, um ihr durch Korruption, Öl- und Rauschgiftdeals erworbenes Vermögen in Sicherheit zu bringen. Damit das Geld aus Ölverkäufen weiter in Venezuela als Schmiermittel dienen kann, parkt Trump es in Qatar. Wo käme man denn hin, wenn amerikanische Gläubiger darauf zugreifen könnten?

Source: faz.net