Trump und sein Ex-Kumpel Merz: Darum kuscht jener Kanzler vor dem Kriegspräsidenten

Trump und sein Ex-Kumpel MerzDarum kuscht der Kanzler vor dem Kriegspräsidenten

11.04.2026, 07:05 Uhr

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Wird das wieder? Trump ist sauer auf Merz. (Foto: picture alliance / Newscom)

Bundeskanzler Merz hat sich alle Mühe gegeben, eine gute Beziehung zum US-Präsidenten aufzubauen – aus gutem Grund. Doch jetzt herrscht dicke Luft zwischen Washington und Berlin. Geht da noch was?

Bei diesem Klaps neulich im Weißen Haus, da war die Welt noch in Ordnung. Zumindest so in Ordnung, wie sie nach drohendem Handelskrieg oder einer Grönland-Annexion durch die Vereinigten Staaten sein konnte: US-Präsident Donald Trump hatte Bundeskanzler Friedrich Merz im Oval Office empfangen, einen Scherz gemacht und Merz kumpelhaft aufs Knie geklopft. Gerade hatte er getönt, die USA sollten Deutschland bei den Zöllen besonders hart rannehmen und gelacht. Der Friedrich und der Donald, zwei von einem Schlag, „er ist ein Freund von mir geworden“, strahlte Trump. „Wir haben große Sympathie füreinander.“

Doch das ist lange her. Schon Ende März waren ganz andere Töne zu hören. Während einer Rede in Florida teilte Trump gegen die Nato-Staaten aus, die abgelehnt hatten, mit in den Iran-Krieg zu ziehen. Erst warf er Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer vor, nicht sofort Marineschiffe losgeschickt zu haben. Sondern, dies erst nach dem Krieg tun zu wollen.

Dann kam er zu Merz. „Friedrich, der Kanzler von Deutschland, das sind alles Freunde von mir“, sagte er mit Blick auf Macron, Starmer und eben Merz. „Er sagte, das sei nicht unser Krieg und wir müssen nichts tun“. Das hatte zwar gar nicht Merz, sondern Verteidigungsminister Boris Pistorius gesagt, aber geschenkt. Trump fuhr fort: „Nun, die Ukraine ist nicht unser Krieg, aber wir helfen ihr.“

„Wir haben Deutschland wieder aufgebaut“

Auch am Montag dieser Woche arbeitete er sich noch einmal an der Nato ab und kam über einen Schlenker zum Zweiten Weltkrieg wieder bei Deutschland an. „Wir haben geholfen, diese Länder wieder aufzubauen, wir haben Deutschland wieder aufgebaut, und was soll das, dass Deutschland uns nun sagt, das sei nicht ihr Krieg, wir haben nichts damit zu tun?“

Der Stachel sitzt offenbar tief, denn zwischen diesen beiden Terminen lagen anderthalb Wochen. Und für Deutschland, die Bundesregierung, für Merz, ist das ein Problem. Tatsächlich liegt nach jetzigem Stand ziemlich viel von dem in Trümmern, was Merz im deutsch-amerikanischen Verhältnis aufbauen wollte.

Merz hatte gutes Händchen

Da ist zunächst einmal das Ziel, eine gute Beziehung zu Trump wachsen zu lassen. Das war Merz gelungen. Von ersten Telefonaten nach Beginn seiner Kanzlerschaft über den erfolgreichen Besuch in Washington im Sommer 2025 und durchaus auch mit seiner geschickten Haltung während der Grönland-Krise. Beim zweiten Besuch in Washington, dem mit dem Klaps aufs Knie, zeigte sich: Die Beziehung ist stabil, Merz hat da etwas hinbekommen.

Diese Beziehung ist natürlich Mittel zum Zweck. Merz‘ Ziel ist es, so viel wie möglich vom transatlantischen Verhältnis zu retten. Dafür ist er bereit, große Opfer zu bringen. Sich freundlich lächelnd Trumps selbstherrliches Gerede anzuhören, ist da das Geringste.

Merz ist davon überzeugt, dass Trump die Nato bereits im vergangenen Frühjahr verlassen hätte, wenn Deutschland nicht die Schuldenbremse für Verteidigung gelockert und das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz aufgelegt hätte. Das sandte die Botschaft in die Welt: Deutschland steigt groß in die Rüstung ein, Deutschland tut jetzt was. Das dürfte auch in Washington wahrgenommen worden sein. Merz nahm dafür in Kauf, seine eigenen Wahlkampfbotschaften auf den Kopf zu stellen. Er selbst sagte, er habe einen „Kredit auf seine Glaubwürdigkeit“ aufgenommen.

Deutschlands außenpolitische Priorität ist Frieden in der Ukraine und Sicherheit vor Russland. Beides geht kaum ohne die Amerikaner. Die Geheimdienstdaten der USA sind essenziell für den Abwehrkampf der Ukrainer, das Gleiche gilt für die Waffen, die die Europäer mittlerweile für die Ukraine in den USA kaufen müssen. Für Deutschland ist der atomare Schutz durch die USA die Lebensversicherung vor Russland. Fiele beides weg, hielte Russlands Präsident Wladimir Putin alle Trümpfe in der Hand.

Trumps Drohungen verharmlost

Deshalb hält Merz weiter eisern an seiner Strategie fest. „Bei allem Verständnis für Forderungen nach klarer Kante, lassen Sie mich das hier an dieser Stelle auch einmal sagen: Wir wollen, ich will keine Spaltung der Nato“, sagte er. „Die Nato ist ein Garant unserer Sicherheit, auch und vor allem in Europa.“ Die Nato sei derzeit nicht ersetzbar.

Und er verharmloste Trumps Drohung, den Iran und seine Kultur auszulöschen als Verhandlungstrick. Merz sagte dazu, er habe das auch „als einen rhetorischen Teil seiner Strategie gegenüber dem Iran“ empfunden. „Ich glaube, er ist selbst nicht davon ausgegangen, dass man ein Land wie den Iran vollkommen auslöschen kann. Dazu wäre es nach meiner festen Überzeugung nicht gekommen.“

Ende März hatte er sich bei einer Veranstaltung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) offener geäußert: „Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang“, sagte er. „Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle.“

Sie telefonieren wieder

Einen Vorwurf kann man dem Kanzler kaum machen. Das Problem ist hier eindeutig Trump und seine Unberechenbarkeit und seine Unkenntnis darüber, wie die Allianz funktioniert. Die Nato ist ein Verteidigungs- und kein Angriffsbündnis. Davon abgesehen, dass fast alle Deutschen einen Kriegseinsatz an der Straße von Hormus ablehnten, hätte es für einen Bundeswehreinsatz einen Bundestagsbeschluss gebraucht.

Merz sagte, er habe Trump das alles gesagt. Er hatte ihm auch gesagt, er wäre gern vorher gefragt worden – denn die Verbündeten hatte Trump vor dem gemeinsamen Angriff mit Israel auf den Iran nicht konsultiert. Trump griff das in Florida auf und behauptete, die Deutschen hätten das Geheimnis dann ausgeplaudert. Ein Affront, der aber niemandem der Rede wert zu sein scheint.

Im Kanzleramt sagte Merz am Donnerstag, er habe wieder mit Trump telefoniert. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Trump sich wieder beruhigt. Vielleicht kommt er sogar tatsächlich einmal auf den September-Wurstmarkt nach Bad Dürkheim, ganz in der Nähe von Kallstadt. Von dort stammt Trumps Großvater väterlicherseits. Darüber hatte Merz bei einer Wahlkampfrede in der rheinland-pfälzischen Stadt gesprochen und auch gesagt: „Er ist im Augenblick nicht ganz so gut auf mich zu sprechen.“ Aber es gibt ja auch die andere Seite der Unberechenbarkeit Trumps. Es kann auch wieder besser werden.

Merz hat jedenfalls keine andere Wahl, als immer wieder auf Trump zuzugehen. Nicht, solange von Osten her ein Putin droht. Die deutsche Abhängigkeit von den USA ist zu groß. Aber Merz geht damit auch ins Risiko. Irgendwann könnte er der Letzte sein, der noch so tut, als sei dieser Amerikaner noch ein möglicher Partner. Der Beziehungsstatus, er bleibt kompliziert.

Quelle: ntv.de

Source: n-tv.de