Trump-Epstein-Statue: Goldjungen mit Kurs hinauf den Eisberg
Washington hat jetzt ein Denkmal, das man in Europa für eine KI-Halluzination hielte, hätte Amerika nicht längst ähnlich Absurdes als Regierungsform erprobt. Auf der National Mall steht eine fast vier Meter hohe Statue, goldfarben angesprüht und von jener diskreten Geschmacklosigkeit, die gemeinhin als Volksnähe missverstanden wird: Donald Trump und Jeffrey Epstein am Bug der Titanic. Der eine hinter dem anderen, die Arme zum Abflug ausgebreitet, als wollte er jauchzen: „Ich fliege, Don!“
„The King of the World“ („Der König der Welt“) heißt das Werk. Das ist eine Anspielung auf James Camerons Film von 1997, aber auch als Beschreibung des politischen Habitus treffend. Die Skulptur hat weniger mit Kunst zu tun als mit der Endstufe politischer Meme-Kultur: monumental gewordener Kommentarspaltenwitz, in Epoxidharz gegossenes Shitposting. Trotzdem ist sie durchaus triftig, denn es gibt wohl kaum ein passenderes Sinnbild für das amerikanische Machtpersonal als die Titanic, in deren Geschichte sich Größenwahn und Untergang dieselbe Umarmung teilten wie nun die beiden Goldjungen.
Dieses Schiff wird sinken
Dass Trump und Epstein als Jack und Rose auf dem Bug des Luxusdampfers posieren, der für unsinkbar gehalten wurde, es dann bekanntermaßen aber doch tat und dabei viele Menschen mit in die Tiefe riss, ist weniger Übertreibung denn grobe Vereinfachung für ein politisches Zeitalter, das mit feiner Ironie nichts mehr anzufangen weiß.

Am Sockel erläutert eine Tafel das Werk: Die tragische Liebesgeschichte zwischen Jack und Rose basiere auf luxuriösen Reisen, rauschenden Partys und geheimen Nacktzeichnungen; das Monument ehre nun die Bindung zwischen Donald Trump und Jeffrey Epstein, deren Freundschaft auf luxuriösen Reisen, rauschenden Partys und geheimen Nacktzeichnungen basiere. Man muss dem Text zugutehalten, dass er jede Möglichkeit der Missdeutung ausschließt. Subtilität ist hier so gründlich gestrichen, wie die Epstein-Akten noch Zweifel an der Verkommenheit des darin auftretenden Personals lassen.

Urheber der Statue ist eine anonyme Gruppe mit dem Namen „The Secret Handshake“, die sich offenbar darauf spezialisiert hat, Amerikas politische Wirklichkeit mit den Mitteln des Freizeitpark-Surrealismus zu kommentieren. Zuvor hatte sie bereits Trump und Epstein händchenhaltend in Fakegold gegossen und ausgestellt; nun die „Titanic“-Version.
Zum Lachen ist daran freilich nichts. Denn obwohl das Werk eine platte Provokation gegen Trump ist, ist die dahinterstehende Anklage ernst. „Der König der Welt“: Das ist nicht nur Filmzitat, sondern eine Beschreibung jener Sphäre, in der Geld, Prominenz und Macht die gewöhnliche Schwerkraft des Rechts außer Kraft setzen. Epstein ist tot; zu Lebzeiten wurde er mit einer Milde behandelt, die bei gewöhnlichen Angeklagten nicht vorstellbar ist: 13 Monate Gefängnis mit Freigang. Und das nach einem Deal mit der Justiz, der den systematischen Missbrauch Dutzender Minderjähriger zu Prostitutionsdelikten herunterrechnete.
Trump, der in einem Zivilprozess wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde, gegen den es, wie kürzlich veröffentlichte FBI-Akten dokumentieren, Vorwürfe wegen schwerer Übergriffe auf eine damals Dreizehnjährige gibt und dessen misogyne Prahlereien spätestens seit dem „Access Hollywood“-Tape zur Popkultur gehören, regiert wiederum das mächtigste Land der Welt.
Zwischen beiden existiert nicht nur eine alte Nähe, die durch Akten, Fotos und Berichte dokumentiert ist, sondern auch ein gemeinsames Prinzip: das auffällige Missverhältnis zwischen öffentlichem Gewicht und tatsächlicher Konsequenz.
Source: faz.net