Trotz Krise triumphierend: Enpal schafft zum ersten Mal vereinen Milliardenumsatz

Das Berliner Energieunternehmen Enpal wächst trotz der im vergangenen Jahr rückläufigen Installationen von Solaranlagen im Eigenheimsegment in Deutschland und hat zum ersten Mal mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. „Der Solarmarkt ist um 25 Prozent geschrumpft, wir sind um 25 Prozent gewachsen“, sagte Geschäftsführer und Firmengründer Mario Kohle im Gespräch mit der F.A.Z über das Geschäftsjahr 2025. Im neuen Jahr soll es in einem ähnlichen Tempo weitergehen.

Neben Solaranlagen bietet Enpal seinen mittlerweile mehr als 115.000 Kunden in Deutschland und Italien unter anderem Batteriespeicher, Wallboxen und Notstromlösungen im Mietmodell oder zum Ratenkauf an. Schnell an Bedeutung gewinnt das 2023 gestartete Geschäft mit Wärmepumpen, das im vergangenen Jahr schon mehr als 300 Millionen Euro Umsatz beisteuerte. Insgesamt sei die Zahl der Kunden im Kerngeschäft mit Solaranlagen und Wärmepumpen im vergangenen Jahr um 30.000 gestiegen, teilte Enpal mit.

Solarmarkt könnte sich halbieren

Enpals Geschäft mit Solaranlagen sei 2025 trotz der schwachen Entwicklung des Gesamtmarkts ebenfalls gewachsen. „Wir haben dazu neue Absatzkanäle erschlossen“, sagt Kohle. So erreicht Enpal seine Haushaltskunden zunehmend über Kooperationspartner im Vertrieb. Darüber hinaus zielt das Unternehmen mittlerweile vermehrt auf gewerbliche und industrielle Kunden. Außerdem hat Enpal sein Vertriebsmodell vom Einkauf bis zur Finanzierung unabhängigen Installateuren zugänglich gemacht.

Erst am Dienstag warnte der Bundesverband Solarwirtschaft davor, dass sich der Photovoltaik-Zubau im Heimsegment in Deutschland ohne attraktiven Förderrahmen noch einmal halbieren könnte. Die bisher ungewissen Pläne für eine Reform des Heizungsgesetzes – ein Gesetzesentwurf wird noch in dieser Woche erwartet – machen zudem die Perspektiven im Geschäft mit Wärmepumpen unsicher. Enpal traut sich trotzdem ein hohes Tempo zu. „Es sind politisch stürmische Zeiten im Energiemarkt, wir wollen 2026 aber wieder ein zweistelliges Wachstum erzielen“, sagt Kohle.

Die Erwartungen an die Politik klingen bescheiden. „Wir erwarten Planbarkeit und Kontinuität“, sagt Kohle. Das gilt auch für das Geschäft mit smarten Stromzählern, das Enpal seit wenigen Monaten über seine Tochtergesellschaft Metrify betreibt. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte Mitte September mit Äußerungen für Aufsehen gesorgt, wonach die Rolle der sogenannten wettbewerblichen Messstellenbetreiber stark eingeschränkt werden könnte.

In einem Maßnahmenpapier heißt es: „Die Verantwortung für den verpflichtenden Rollout liegt künftig bei den Verteilnetzbetreibern und damit im regulierten Anlagevermögen.“ Das wäre de facto das Ende des Geschäftsmodells von Unternehmen wie Metrify. Der Markt war erst 2005 liberalisiert worden. Doch selbst unter den aktuell schwierigen regulatorischen Rahmenbedingungen traut sich das Unternehmen zu, bald eine Million Smart Meter zu betreiben. „Alles, worum wir bitten: Dass sich die Politik nicht in den Weg stellt und den Wettbewerb nicht einschränkt“, sagt Kohle.

Gerüchte um Zukauf von 1Komma5Grad

Im zurückliegenden Turnus habe das 2017 gegründete Unternehmen zum ersten Mal einen positiven freien Cash-flow erzielt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen werde mit einer schwarzen Null abschließen. Der Umsatz kletterte 2025 um ein Viertel auf 1,12 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Umsatzes von Enpal entfiel dabei auf Initiativen, die in den vergangenen drei Jahren gestartet wurden.

Könnten neben dem bisher rein organischen Wachstum demnächst auch Zukäufe für die Entwicklung von Enpal eine Rolle spielen? Philipp Schröder, der Gründer des Hamburger Konkurrenten 1Komma5Grad, sprach in einem Interview vor wenigen Wochen davon, dass Enpal im vergangenen Jahr das Gespräch über eine mögliche Fusion gesucht habe. Kohle kommentiert das nicht. „Wir schauen immer, wie wir unsere Marktführerschaft ausbauen, und prüfen dabei auch immer alle Möglichkeiten“, sagt er nur.

Finanzchef geht für Enpal nach China

Zu Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Enpal und an Qualitätsmängeln bei der Installation von Anlagen verweist Kohle auf Qualitätsstandards, zu denen sich das Unternehmen gegenüber Finanzierungspartnern verpflichtet habe. „Die sind um einen Faktor höher als im Branchenvergleich, und das schließt die Arbeitssicherheitsstandards ein“, sagt er. In Befragungen von Mitarbeitern und Kunden, etwa für die Berechnung des Net Promoter Score, erziele Enpal regelmäßig sehr gute Bewertungen.

Von Banken und institutionellen Investoren wie BlackRock, ING, Infranity und Pricoa Private Capital hat Enpal in den vergangenen Jahren Finanzierungszusagen für Miet- und Ratenkaufverträge über mehr als fünf Milliarden Euro erhalten. Im vergangenen Frühling hat das Unternehmen in einer neuen Finanzierungsrunde 110 Millionen Euro von Investoren wie TPG und Softbank eingesammelt und dabei erneut eine milliardenschwere Bewertung erzielt. Ein Architekt der Finanzierungsstrukturen von Enpal ist Mitgründer Viktor Wingert, dem eine neue Aufgabe winkt.

Der bisherige Finanzchef wechselt nach China, übernimmt die Leitung des Enpal-Standorts in Shenzhen und soll hier die weltweiten Partnerschaften und Lieferketten weiterentwickeln. Seine Aufgaben als Chief Financial Officer übernimmt Johannes Röhren, der bisher das Finanzressort der Wärmepumpensparte verantwortete. Henning Rath, der als Chief Supply Chain Officer mit Sitz in Shenzhen bisher für die Lieferkette von Enpal zuständig war, verlässt das Unternehmen zum 1. April und wechselt in den Beirat von Enpal.