Treffen mit den USA: Warum Iran nur in Oman reden will

Erst hieß es, die Verhandlungen zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und dem US-Sonderbeauftragten Steve Witkoff sollten am Freitag in Istanbul stattfinden. Der Gastgeber Türkei hatte sogar schon Einladungen verschickt. Nun heißt es, Iran dringe auf eine Verlegung der Gespräche nach Oman. Mehrere Medien zitierten „regionale“ und amerikanische Quellen mit der Einschätzung, Teheran wolle mit dem Ortswechsel unterstreichen, dass es nur über sein Atomprogramm zu sprechen bereit sei – und nicht, wie von den USA gefordert, über sein Raketenarsenal und seine Unterstützung ausländischer Milizen.
In Oman hatten im April 2025 die Atomverhandlungen zwischen Araghchi und Witkoff begonnen. Durch den Zwölftagekrieg im Juni waren sie vorerst beendet worden. Teheran hat stets betont, den Verhandlungstisch nie verlassen zu haben. Insofern könnte es das für Freitag geplante Treffen als Fortsetzung eines bestehenden Prozesses darstellen und nicht als Reaktion auf die militärischen Drohungen des amerikanischen Präsidenten und die Präsenz einer US-Flugzeugträgergruppe im Arabischen Meer.
Iran soll bilaterales Treffen mit den USA bevorzugen
Außerdem dringt Teheran nach übereinstimmenden Medienberichten auf Änderungen im Format der Gespräche. Demnach zieht Iran ein bilaterales Treffen mit den USA vor. Bisher hatte es geheißen, neben dem Gastgeber Türkei sollten Vertreter Qatars, Omans, Ägyptens, Saudi-Arabiens und Pakistans anwesend sein. Die pakistanische Regierung hatte den Erhalt einer entsprechenden Einladung bestätigt und ihre Teilnahme schon zugesagt.
Die breite Beteiligung war als Versuch beschrieben worden, Teherans Misstrauen gegenüber den Motiven des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu dämpfen. Unklar blieb zunächst, ob neben Witkoff auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an dem Treffen teilnehmen wird.
Überschattet wurden die Vorbereitungen am Dienstag von zwei militärischen Zwischenfällen. Nach Darstellung des Zentralkommandos der Vereinigten Staaten (CENTCOM) näherte sich eine iranische Shahed-139-Drohne rund 800 Kilometer vor der iranischen Küste „aggressiv“ und mit „unklarer Absicht“ dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Sie sei von einem F-35-Kampfflugzeug abgeschossen worden, nachdem sie trotz „deeskalierender Maßnahmen“ nicht beigedreht war.
US-Marine musste Handelsschiff eskortieren
Wenige Stunden später hätten zwei Schnellboote der Revolutionsgarde und eine Drohne sich in hoher Geschwindigkeit einem amerikanisch beflaggten Handelsschiff mit amerikanischer Besatzung genähert. Es habe die Gefahr bestanden, dass sie das Schiff aufbringen, teilte das US-Militär mit. Das Handelsschiff sei daraufhin von einem Zerstörer mit „defensiver Luftunterstützung“ eskortiert worden.
Die Nachrichtenagentur Tasnim, die mit der Revolutionsgarde verbunden ist, sprach im Zusammenhang mit der abgeschossenen Drohne von einer „Routinemission in internationalen Gewässern“. Die Drohne habe „erfolgreich ihre Überwachungsbilder an das Kommandozentrum gesandt“, bevor die Kommunikation abgerissen sei.
Nach den Zwischenfällen und den Berichten über eine mögliche Verlegung des Verhandlungsorts sagte Trump, Iran verhandle „gerade jetzt“. Die Gespräche fänden „überall“ statt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll derweil in einem Treffen mit Witkoff gewarnt haben, dass iranischen Zusagen nicht zu trauen sei.
Source: faz.net