Treffen in Washington: Hätte Merz Trump eine Vorlesung zusätzlich dies Völkerrecht halten sollen?

Bundeskanzler Merz hat mit seinem Besuch beim amerikanischen Präsidenten nicht alle glücklich machen können. Einige meinen, er hätte als Vertreter einer moralischen Supermacht Trump vor laufenden Kameras eine Vorlesung zum Völkerrecht halten müssen. Andere monieren, dass Merz in der Talkshow im Oval Office Spanien nicht verteidigte und auch nicht darauf bestand, Starmer sei doch ein Churchill.
Das Unmögliche sollte man auch von einem Bundeskanzler nicht verlangen. Man dürfte sich aber durchaus fragen, was Merz hätte erreichen können, indem er Trump die Leviten liest. Hätte der sich dann die Haare gerauft, die Bombardierung Irans einstellt und die spanische Regierung zu einem Wochenende nach Mar-a-Lago eingeladen?
Dass Trump ihm zuhört, hat Merz sich erarbeitet
Merz fuhr nach Washington, um zu erfahren, was Trump in Sachen Iran, Ukraine und Zölle vorhat, und um, so überhaupt möglich, Einfluss auf den amerikanischen Kurs in diesen Kriegen und Krisen zu nehmen, im Interesse Deutschlands und Europas. Eine Chance dazu bekommt nur der, dem Trump zuhört.
Dieses Privileg hat Merz sich erarbeitet, nicht nur mit Bauchpinselei, sondern auch mit der Standfestigkeit, die er beim Streit um Grönland und um die Zölle an den Tag legte. Wer in der Migrations- und Energiepolitik „das glatte Gegenteil von Angela“ ist (auch wenn das nicht zu hundert Prozent stimmt), darf sich dann sogar vom Kulturkampf der MAGA-Bewegung distanzieren, ohne dass Trump die Verbindung kappt.
Der Draht zu ihm ist wichtig. Man darf Trump nicht kampflos den Einflüsterungen Putins und der Europahasser in Washington überlassen. Deutschland ist darauf angewiesen, dass Amerika zu seiner Schutzzusage steht. Auch die Zukunft der Ukraine und des ganzen Kontinents hängt davon ab, auf welche Seite Trump sich stellt.
Und schließlich erfüllen die USA das Beistandsversprechen, das Deutschland Israel mit dem großen Wort der Staatsräson gab. Da wäre es einem schon sehr spanisch vorgekommen, wenn auch Berlin den Amerikanern die Nutzung ihrer Stützpunkte verboten hätte.
Source: faz.net