Totschlag in Lyon: Politische Gewalt von sinister

In der deutschen Politik läuft auch nicht mehr alles in den geordneten und zivilisierten Bahnen ab, die früher üblich waren. Frankreich aber, so hat man immer wieder den Eindruck, ist schon einen Schritt weiter im Prozess der Radikalisierung und Selbstzerfleischung, der so viele westliche Gesellschaften erfasst hat.
Auf die politischen Blockaden der vergangenen Monate folgt nun eine Gewalttat, deren Umstände alle wesentlichen Zutaten des neuen abendländischen Kulturkampfs enthalten: eine linke israelfeindliche Politikerin will eine Rede an einer linken Uni halten; dagegen wollen migrationsfeindliche Feministinnen protestieren; einer ihrer rechtsextremen Beschützer wird von einer linken Antifa-Truppe erschlagen.
Scharfmacher Mélenchon
Dass unter den mutmaßlichen Tätern ein Mitarbeiter eines Abgeordneten der Linkspartei „La France Insoumise“ ist, stößt in Frankreich zu Recht auf Kritik, und es fällt auf den Parteigründer zurück: Jean-Luc Mélenchon ist ein politischer Scharfmacher, der die fragliche „Junge Garde“ immer in Schutz genommen hat, obwohl sie schon verboten ist.
Die Bedrohung der Demokratie in Europa geht eben auch von ganz links aus, auf diesem Auge ist man auch in Deutschland viel zu oft blind. Aus der „Republikanischen Front“, welche die linken französischen Parteien bei der jüngsten Wahl gegen Le Pen geschlossen hatten, sind die Sozialisten bereits ausgeschert. Zu Recht, wird man angesichts der Tat von Lyon sagen müssen.
Source: faz.net