„Torwächter“ Modschtaba Chamenei: Wer ist dieser Hardliner, dieser kurzfristig den Iran münden könnte?

„Torwächter“ Modschtaba ChameneiWer ist der Hardliner, der bald den Iran führen könnte?

05.03.2026, 12:19 Uhr

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Die USA haben schon vor Jahren Sanktionen gegen Modschtaba Chamenei verhängt. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Bislang wirkte Modschtaba Chamenei im iranischen Machtapparat eher im Hintergrund. Nach dem Tod seines Vaters wird er aber als dessen möglicher Nachfolger gehandelt. Der 56-Jährige genießt auch die Unterstützung der mächtigen iranischen Revolutionsgarden und gilt als nicht zimperlich.

Jahrelang agierte er im Schatten seines Vaters, nun könnte er aus ihm heraustreten: Modschtaba Chamenei wird als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Ajatollah Ali Chamenei gehandelt, der am Samstag bei US-israelischen Luftangriffen starb. Der 56-jährige Modschtaba Chamenei verfügt über entscheidende Machtbasen im Apparat der Islamischen Republik.

Seine Macht stützt sich vor allem auf enge Verbindungen zu den einflussreichen Revolutionsgarden (IRGC). Insidern zufolge hat er sich als „Torwächter“ seines Vaters eine Schlüsselposition im politischen und sicherheitspolitischen Gefüge erarbeitet, ohne je ein formelles Regierungsamt bekleidet zu haben. „Er hat einen starken Rückhalt innerhalb der IRGC, insbesondere bei der jüngeren, radikalen Generation“, sagt Kasra Aarabi von der US-Organisation United Against Nuclear Iran. Modschtaba Chamenei agiere bereits wie ein „Mini-Oberhaupt“. Sollte er noch am Leben sein, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er seinem Vater nachfolge.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters lebt Modschtaba Chamenei noch. Insidern zufolge hielt er sich während des Angriffs am Samstag, bei dem neben seinem Vater, weitere Familienmitglieder und Führungskräfte getötet wurden, nicht in Teheran auf. Der Expertenrat, der über die Nachfolge entscheidet, hat die Kandidaten dem staatlichen Fernsehen zufolge bereits identifiziert. Neben dem als Hardliner geltenden Modschtaba Chamenei wird auch Hassan Chomeini, ein Enkel des Staatsgründers, als möglicher Kandidat gehandelt. Chomeini gilt eher als gemäßigt.

Zweifel an Chameneis Qualifikation

Die Entscheidung über die Nachfolge könnte bald fallen. Der Expertenrat stehe kurz vor einem Abschluss und werde das Ergebnis zeitnah verkünden, sagte das Mitglied Ajatollah Ahmad Chatami am Mittwoch im staatlichen Fernsehen, ohne Namen zu nennen. Sollte die Wahl auf Modschtaba fallen, wäre dies ein Signal für Kontinuität und Härte gegenüber dem Westen und der eigenen Bevölkerung. Als geistliches und politisches Oberhaupt hätte er das letzte Wort in allen staatlichen Belangen, einschließlich des Atomprogramms.

Geboren 1969 in Maschhad, wuchs Modschtaba auf, während sein Vater den Widerstand gegen den Schah organisierte. Als junger Mann diente er im Iran-Irak-Krieg. Seine religiöse Ausbildung erhielt er in den Seminaren von Ghom, dem Zentrum der schiitischen Theologie im Iran. Er trägt den Titel eines Hodschatoleslam – ein mittlerer geistlicher Rang, der eine Stufe unter dem des Ajatollah steht. Kritiker bemängeln daher seine fehlende theologische Qualifikation für das höchste Staatsamt. Dennoch trägt er wie sein Vater den schwarzen Turban eines Sajed, was auf eine Abstammung vom Propheten Mohammed hindeutet.

Seine mögliche Ernennung ist politisch brisant. Kritiker sehen darin eine Rückkehr zu dynastischen Strukturen, die durch die Revolution von 1979 eigentlich überwunden werden sollten. Sein Einfluss im Hintergrund ist seit Langem dokumentiert. In einer US-Diplomatendepesche aus dem Jahr 2007, die von Wikileaks veröffentlicht wurde, beschrieben ihn drei iranische Quellen als den zentralen Zugangsweg zu seinem Vater.

Chameneis Ehefrau starb bei Angriffen auf Iran

Ihm wird nachgesagt, den Aufstieg des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad zum Präsidenten im Jahr 2005 orchestriert zu haben. Auch bei dessen umstrittener Wiederwahl 2009 und der anschließenden gewaltsamen Niederschlagung der Proteste soll er eine zentrale Rolle gespielt haben. Der reformorientierte Geistliche Mehdi Karroubi beschwerte sich damals in einem Brief offen über Modschtabas Chameneis Einmischung – ein Vorwurf, den Ali Chamenei zurückwies. Auch während der Unruhen 2022 nach dem Tod einer jungen Frau im Polizeigewahrsam geriet Modschtaba Chamenei ins Visier der Demonstranten.

Für den Westen ist er kein Unbekannter. Das US-Finanzministerium verhängte 2019 Sanktionen gegen ihn. Die Begründung: Er vertrete das Oberhaupt in offizieller Funktion und arbeite eng mit den Quds-Einheiten der Revolutionsgarden sowie der Basidsch-Miliz zusammen, um die „destabilisierenden regionalen Ambitionen“ seines Vaters voranzutreiben.

Der aktuelle Krieg hat Modschtaba Chamenei auch persönlich schwer getroffen. Seine Frau, die Tochter des prominenten Hardliners und ehemaligen Parlamentssprechers Gholamali Haddadadel, kam bei den Luftangriffen am Samstag ums Leben. Nun könnte der Witwer das Erbe antreten, das sein Vater hinterlassen hat – in einem Land, das sich im Krieg befindet und dessen Wirtschaft durch Sanktionen am Boden liegt. 

Quelle: ntv.de, lar/rts

Source: n-tv.de