Töchter an seiner Seite: Ex-König Juan Carlos wird in Paris geehrt

Juan Carlos I. wurde in Paris mit einem Sonderpreis für seine Memoiren ausgezeichnet – und sprach öffentlich über Fehler und Enttäuschungen.
Am Samstag empfing die französische Nationalversammlung Juan Carlos I. (88) mit einem Sonderpreis für politische Literatur für sein Memoirenbuch „Reconciliación“ – eine Ehrung, die in Frankreich durchaus kontrovers diskutiert wurde, im Festsaal des Palais Bourbon aber unbestreitbar ihren Platz fand.
Der 88-Jährige wirkte angegriffen, mitunter hatte er sichtlich Mühe beim Ablesen seiner Rede. Dennoch ließ Juan Carlos keinen Zweifel daran, wie viel ihm dieser Moment bedeutete. „Ich bin sehr dankbar und bewegt, diesen Preis hier in der Nationalversammlung zu empfangen“, sagte er laut der spanischen Zeitung „El País“. Neben ihm stand Laurence Debray, die Mitautorin des Buches, die behutsam darauf achtete, dass der Monarch nicht den Faden verlor.
Er habe den Rat seines Vaters, niemals Memoiren zu schreiben, bewusst ignoriert, sagte er. „Alles, was über mich geschrieben wurde, entbehrte einer persönlichen Schilderung.“ Das Buch, so sein Anspruch, solle beides bieten: die geschichtlich relevanten Fakten der Transición und eine persönliche Abrechnung mit der eigenen Biografie – inklusive der Dinge, auf die er nicht stolz sei. „Schwächen und Fehler, die ich als Mensch begangen haben mag und auf die ich nicht stolz sein kann – auch das gehört zu meinem Leben und sollte öffentlich geteilt werden.“
Familiäre Unterstützung
Juan Carlos war nicht allein nach Paris gereist. Seine Töchter, die Infantinnen Elena (62) und Cristina (60), begleiteten ihn ebenso wie sein Enkel Felipe Juan Froilán de Marichalar y Borbón (27) sowie sein ständiger Weggefährte Vicente García Mochales. Unter den französischen Ehrengästen befanden sich die früheren Premierminister Manuel Valls mit Ehefrau Susana Gallardo und Élisabeth Borne. Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet begrüßte den Altkönig persönlich in ihrer Rede.
Unter den anderen Nominierten des Literaturpreises sorgte die Auszeichnung für Juan Carlos gemäß „El País“ für deutliches Unbehagen. Wie könne eine in Spanien so umstrittene Figur ausgerechnet im Herzstück der französischen Demokratie geehrt werden, fragten sich manche Finalisten.
Der Preis selbst wurde von einer unabhängigen Jury vergeben, der die renommierte Holocaust-Historikerin Annette Wieviorka vorstand und der rund 20 Journalisten und Essayisten angehörten. Die Entscheidung für „Reconciliación“ fiel laut Veranstalter einstimmig. Für Luce Perrot, Präsidentin des Veranstalters Lire la Société, war die Wahl klar: „Wir würdigen ein literarisches Werk, einen Teil der Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, sagte sie gegenüber „El País“. Spanische Kontroversen, so Perrot, seien für die Jury schlicht kein Bewertungskriterium.
Am Ostersonntag hatte sich Spaniens Altkönig erstmals seit seinem Wegzug nach Abu Dhabi im Jahr 2020 wieder in der andalusischen Hauptstadt Sevilla gezeigt. Anlass war die traditionelle Eröffnung der Stierkampf-Saison in der legendären Real Maestranza, der Altkönig wurde unter anderem von Tochter Elena begleitet.
Juan Carlos dankte im Juni 2014 zugunsten seines Sohnes Felipe VI. (58) ab. Zuvor hatten mehrere Skandale sein Ansehen massiv beschädigt. 2020 zog er unter politischem Druck nach Abu Dhabi. Die Frage, ob er dauerhaft in seine Heimat zurückkehrt, wird vermehrt behandelt, bleibt jedoch bis dato ungeklärt.
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Source: stern.de