Tod von Mahsa Amini: Iranische Journalisten fordern Freilassung von Kollegen

Im Zuge der Protestwelle gegen das Regime im Iran fordert der Journalistenverband des Landes die sofortige Freilassung mehrerer Reporter, die über die Demonstrationen berichtet hatten. „Diese Kollegen sind nur ihrer Arbeit nachgegangen und müssen daher umgehend freigelassen werden“, erklärte der Verband. Mindestens neun Reporter seien entweder inhaftiert oder müssten sich demnächst bei den Behörden melden. Dies sei in höchstem Maße schädlich für das Ansehen aller iranischer Medien, kritisierte der Journalistenverband laut der Nachrichtenagentur Ilna.
Auslöser der landesweiten Proteste gegen das islamische Herrschaftssystem und die systematische Diskriminierung von Frauen im Iran ist der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini, die nach ihrer Verhaftung starb. Sie war vergangene Woche in Teheran von der Sittenpolizei wegen Verstoßes gegen den Kopftuchzwang verhaftet worden. Die Familie wirft der Polizei vor, Amini zu Tode geprügelt zu haben. Das Innenministerium hat die Vorwürfe vehement zurückgewiesen und behauptet, die Frau sei an einem Herzversagen gestorben.
Repression gegen Demonstranten und Journalisten
Seitdem demonstrieren die Menschen im Iran an vielen Orten. Die Proteste sind illegal, das Teilnahmeverbot gilt auch für Medienvertreter. Unter den inhaftierten Journalisten ist auch Nilufar Hamedi von der Reformzeitung Shargh, die den Fall Amini als erste publik gemacht hatte. Sie und ihre Kollegen sollen im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran einsitzen.
Nach Angaben des staatlichen Fernsehens sollen 41 Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen sein. Der iranische Präsident Ebrahim Raisi zeigte sich rücksichtslos gegenüber den Demonstranten. Es müsse „entschlossen gegen diejenigen
vorgegangen werden, die der Sicherheit und Ruhe des Landes
entgegenstehen“, zitierten iranische Staatsmedien Raisi. Er machte diese Äußerung demnach in einem
Beileidstelefonat mit der Familie eines Mitglieds der
Sicherheitskräfte, das vergangene Woche von Demonstranten erstochen worden sein soll.
Angriffe auf kurdische Stellungen im Nordirak
Unterdessen geht das Regime nicht nur im eigenen Land mit aller Härte vor. Nach eigenen Angaben haben die iranischen Streitkräfte die Stützpunkte kurdischer Separatistengruppen im Norden des Iraks angegriffen. Das Militär bezeichnete diese Attacken der Revolutionsgarden als legitime Reaktion auf Angriffe kurdischer Gruppen auf iranische Militärbasen im Grenzgebiet, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.
Irans Innenminister Ahmad Wahidi hatte zuvor einigen kurdischen Gruppen vorgeworfen, an den regierungskritischen Protesten der vergangenen Tage im Iran beteiligt zu sein. Angeblich soll laut Regierung auch kurdische Waffenlieferungen an Demonstranten in den Kurdengebieten gegeben haben. Das iranische Regime begeht immer wieder Menschenrechtsverletzungen gegen die kurdische Minderheit, die vor allem im Westen und Norden des Landes lebt.