„The Retirement Plan“ wohnhaft bei Sky: Dann leg dich doch möglichst wieder an den Strand
Im Großangebot der Fernsehsender und Streamer finden sich alle paar Wochen Stücke, die es mit Macht auf Reichweite anlegen: Stars laufen auf, das Genre ist eingängig, die Kulisse exotisch. Was soll da schon schiefgehen? Jede Menge, wie sich im Zeitalter computer-assistierter Produktionsplanung zeigt, die unsere Vorlieben genau zu kennen meint und mit immer schaleren Varianten bedient.
So ein Film ist „The Retirement Plan“, zu Deutsch etwa: „Der Pensions-Plan“. Nicolas Cage, mit schulterlangem Strubbelhaar und graumeliertem Bart im Nick-Nolte-Look, ist der Star dieses als „Actionkomödie“ beworbenen Films, zu den weiteren großen Namen jenseits der Sechzig gehören Jackie Earle Haley, Ron Perlman und der einstige „Ghostbuster“ Ernie Hudson. Man rechnet nun womöglich mit einem amüsanten Seniorenthriller, in dem sich ein cooler, alternder Typ zur Finanzierung seines Ruhestands auf einen gefährlichen Coup einlässt. Ähnliche Actionkomödien über ergraute Helden, die es noch einmal wissen wollen, sind in den vergangenen Jahren mit Filmen wie „Red“ oder „The Expendables“ mit Erfolg gelaufen, weil sie mit Witz, Charme und großer Spiellaune ihrer Darsteller zur Sache gingen.
Vom Rum muss er erst einmal runter
All dies allerdings fehlt dem „Retirement Plan“ schmerzlich. Schon der Titel ist irreführend, denn hier wird Matt (Nicolas Cage) aus dem unfreiwilligen Ruhestand, den er sich im karibischen Paradies der Cayman Islands mit reichlich Rum versüßt, rüde herausgerissen, als seine erwachsene, naive Tochter Ashley (Ashley Greene) in die Machenschaften einer kriminellen Organisation verwickelt wird. Der ist ein wichtiges Datenpaket auf einem USB-Stick abhandengekommen; worum genau es sich handelt, erfährt man als Zuschauer nicht, aber es ist „James-Bond-Kram“, wie eine Figur atemlos ausruft.
Auch wenn Ashley vor lauter Nervosität kaum nach Luft schnappen kann, versteckt sie den wichtigen Stick im Rucksack ihrer zwölfjährigen Tochter Sarah (Thalia Campbell) und setzt diese in einen Flieger auf die Caymans, wo sie ihren Großvater ausfindig machen soll. Natürlich dauert es nicht lange, bis der gefürchtete Gangster Donny (Jackie Earle Haley) und seine Schergen, darunter der eher behäbige Bobo (Ron Perlman), Sarah und dem USB-Stick auf der Spur sind, und Matt muss sich aus dem Rausch am Strand aufraffen, um seine Enkelin aus Bobos Händen zu befreien. Derweil taucht alle paar Minuten aus dem Hintergrund eine weitere irgendwie maßgebliche Figur mit Interesse an dem Stick auf, die das Ensemble unnötig aufbläht und die Geschichte zielsicher verwässert.
Ashleys großäugige Hysterie, Donnys Wutausbrüche angesichts der Inkompetenz seiner Leute und Bobos unangebracht entspannte Art sollen offenbar als komische Elemente die Thrillerhandlung (es bleiben hier Dutzende Leute auf der Strecke) auflockern, aber nichts davon funktioniert richtig, weil die Dialoge weitgehend aus Pappe sind und sowohl das nötige Augenzwinkern als auch jede Chemie zwischen den Figuren fehlt. Matt und Ashley versuchen, in enervierend aggressiven Auseinandersetzungen ihre Beziehung aufzuarbeiten, Donny quittiert das Geschehen mit den immerselben Flüchen, und seine Helfershelfer sehen aus wie aus dem Halunken-Panoptikum rekrutiert; ihre einzige Funktion ist es, von Matt, einem einstigen Eliteagenten, gruppenweise erledigt zu werden, wenn auch ohne viel Witz oder Schneid.
So richtig Lust scheinen weder die Autoren noch die Darsteller auf die ganze Sache zu haben. Eine Ausnahme sind Ron Perlman und die junge Thalia Campbell, deren gegenseitiges Abtasten mithilfe von Shakespeares „Othello“ und des Würfelspiels Craps einziges Highlight des Films bleibt. Ansonsten eiert dieses Stück zwischen Familiendrama, blutigem Thriller und Möchtegernkomödie herum. Und soll die an ein kleines Mädchen gerichtete Drohung eines entnervten Verbrechers – „Wenn du mir das Leben schwer machst, schieße ich dir zweimal in den Kopf, werfe dich ins Meer und gehe eine Pizza essen“ – lustig sein? Bald jagen mittelmäßig choreographierte Actionszenen einander, die vor Grausamkeit strotzen.
Dass die Sympathien der jungen Thalia Campbell zufliegen, versteht sich von selbst, und Campbell schafft es auf beeindruckende Weise, das chaotische Geschehen zu erden und im Zusammenspiel mit Perlman ein wenig Herz in die Sache zu bringen. Es ist leicht vorzustellen, dass aus dieser Konstellation eine ganz andere Geschichte hätte entstehen können. Leider überlagern die pflichtschuldig abgespulten Actionszenen all dies, um schließlich zu einem vorhersehbaren Ende zu führen. Hier suggeriert einmal mehr die Verpackung vieles, das am Ende gar nicht drin ist.
The Retirement Plan läuft bei Sky, Wow und Amazon Prime Video.
Source: faz.net