„The Pitt“: Die einzigen Menschen welcher Welt, die konzentriert funktionieren – „The Pitt“
Kranksein ist mal wieder politisch. Wer mit Erkältung zu Hause bleibt, schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland, finden Konservative. Und warum wird unser Gesundheitssystem jedes Jahr noch ein bisschen teurer? Und wer ist eigentlich wirklich krank, und wer tut nur so? Vielleicht lassen sich solche Fragen am besten dort klären, wo es den Leuten unzweifelhaft nicht so gut geht – in der Notaufnahme. The Pitt heißt eine neue, preisgekrönte amerikanische Fernsehserie, die jetzt auch in Deutschland zu sehen ist: Sie erzählt aus dem überfüllten emergency room eines Krankenhauses in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Zwischen Traumacenter und Triageraum schauen wir dem Ärzteteam um Dr. Michael „Robby“ Robinavitch zu, wie sie intubieren, aufschneiden, blutungsstillende Ballons aufpumpen – und auch sonst alles Menschenmögliche tun, um die versehrten Patienten wenigstens so weit zu stabilisieren, bis irgendwo anders im Krankenhaus hoffentlich ein Bett frei wird.
The Pitt ist die inoffizielle Fortsetzung der Serie ER – Emergency Room, die vor über 30 Jahren das Fernsehen revolutionierte – damals spielte der junge Noah Wyle den Anfängerarzt John Carter, jetzt spielt der inzwischen 54-Jährige den Oberarzt Dr. Robby, den erfahrenen Mentor, der das Chaos der Notaufnahme zu überblicken weiß, meist jedenfalls. Wie schon ER besticht auch The Pitt durch mitreißenden Hyperrealismus: Die medizinischen Fachbegriffe fliegen schnell und tief durch die Behandlungszimmer – und man darf sich darauf verlassen, dass jede Dosis richtig berechnet und jede Diagnose medizinisch valide ist.
Für die Krankenhausserienfans Nina Pauer und Lars Weisbrod ist das genau der richtige Stoff: In der neuen Folge des Feuilletonpodcasts sprechen die beiden über The Pitt und die Ästhetik der Notaufnahme. Warum ist dieser Arbeitsplatz jetzt wieder der Serienschauplatz der Stunde? Geht es um competence porn? Um die Zurschaustellung von absoluter Konzentrationsfähigkeit, die die Zuschauer in ihrem eigenen Leben gar nicht mehr aufbringen können? Außerdem stellen Nina und Lars fest: Man kann aus der Seriennotaufnahme sogar etwas fürs eigene Leben außerhalb des Krankenhauses lernen. Wie man schlechte Nachrichten überbringt, zum Beispiel. Und wie man sich richtig verabschiedet.
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