Teures Skifahren: Wie jener Skiurlaub zum Luxus wurde

Ganze Lieder wurden über die Leidenschaft zum Skifahren geschrieben. So besingt etwa der österreichische Sänger Wolfgang Ambros in seinem Kultsong „Schifoan“, wie er seine Ski auf das Auto montiert und sich in die Berge begibt, wahlweise ins Tiroler Stubaital oder nach Zell am See. Für viele Skifahrer ist das Lied zur Hymne geworden, die auf dem Weg zur Piste oder beim Après-Ski noch immer mit Inbrunst geschmettert wird.

Doch vieles hat sich im Skisport verändert, seit Ambros’ Lied im Jahr 1976 erschienen ist. In den Bergen gebe es immer großartigen Schnee, heißt es darin etwa. Viele Skifahrer aber sehen nur noch weiße Pistenstreifen mit Kunstschnee, die sich ei­nen sonst grünen Hang hinunterschlängeln. Der Klimawandel macht auch vor den Skigebieten nicht halt. Und auch vom Volkssport entfernt sich das Skifahren immer mehr, so teuer wie es geworden ist. Eine vierköpfige Familie etwa, die einen Tag am Arlberg Skifahren möchte, zahlt dafür rund 260 Euro. Und da sind die Kosten für die Verpflegung noch nicht mal mit eingerechnet. Rund 400 Euro für ein eintägiges Vergnügen? Ein Luxus, den sich viele nicht leisten können oder wollen. Geschweige denn eine ganze Woche Skiurlaub für mehrere Tausend Euro.

Besonders in den vergangenen Jahren ist der Skisport sehr teuer geworden. Gründe dafür gibt es mehrere. Da sind etwa die Preissteigerungen seit der Pandemie, die auch die Liftbetreiber betreffen. Die Kosten für das Personal fallen höher aus, ebenso für den Bau und den Betrieb der Gondeln und Sessellifte. Hinzu kommt das, was der Münchner Tourismusforscher Jürgen Schmude die „Technisierung des Skisports“ nennt. Konnte man sich früher großteils auf den natürlichen Schneefall verlassen, ist es heute fast schon zu einer eigenen Wissenschaft geworden, die Pisten mittels Kunstschnee perfekt zu präparieren.

Auch die Lifte sind keine langsamen Schlepplifte mit zwei Bügeln mehr, sondern hoch technisierte Gondeln oder Sessellifte, die die Touristen auf den Gipfel bringen – Sitzbeheizung inklusive. All das wird über die Ticketpreise an die Gäste weitergegeben, teils sogar mittels dynamischer Preismodelle, bei denen das Ticket an besonders beliebten Tagen noch mehr kostet.

Die hohen Preise haben aber auch mit den Ansprüchen der Gäste selbst zu tun, sagt Schmude. „Die Skigäste sind mittlerweile sehr verwöhnt und erwarten gewisse Standards.“ Erfüllen können diese Erwartungen vor allem die großen Skigebiete, etwa Sankt Anton, Sölden oder Zermatt. Sie befinden sich in vergleichsweise hö­heren Lagen, sind also vom Klimawandel noch nicht so stark betroffen und werden auch über viele weitere Jahre noch existieren; anders als viele kleine, niedrig gelegene Skigebiete.

Für diese Topdestinationen lohnt es sich daher auch, kräftig in den Ausbau ihrer Pisten und ihr sonstiges Freizeitangebot zu investieren. Denn ein Skiurlaub besteht für viele Gäste nicht mehr nur darin, im Kurzschwung die Pisten nach unten zu wedeln. Viele Skigebiete haben kleine Snowparks mit Sprungschanzen und Hindernissen gebaut. Der Besuch in der Therme gehört für Urlauber genauso zum Pflichtprogramm wie der Besuch der Après-Skibars.

Der Anfang und das En­de der Saison werden mit großen Partys im Schnee gefeiert, wo sogar Popstars wie demnächst Rita Ora in Ischgl oder die Backstreet Boys in Schladming auftreten. „All das führt zu einem räumlichen Konzentrationsprozess“, sagt Schmude. Viele Touristen häufen sich an ein paar wenigen Skiorten. „Die Landkarte der Skigebiete wird ausgedünnt.“ Übrig bleiben die teuren Hochburgen.

Die Folge ist, dass Skifahren noch mehr zum Elitesport werden dürfte. Auch wenn die vielen Bilder und Kurzvideos auf Instagram und Co. den Eindruck hinterlassen, dass nun plötzlich jeder auf zwei Brettern im Schnee unterwegs ist, zeichnet die Da­tenlage ein anderes Bild: In Deutschland ist die Zahl derjenigen, die ab und zu oder häufig Skifahren sind, über die vergangenen Jahre stetig zurückgegangen.

Besonders die kleineren Skigebiete versuchen indes, die preissensible Zielgruppe für sich zu gewinnen. Mit modernen Liftanlagen können sie nicht punkten, diese Investition lohnt sie für sie nicht mehr, sondern sie werben mit günstigen Preisen. Mancherorts gibt es das Tagesticket noch für weniger als 40 Euro. Dafür müssen die Gäste aber weniger Pistenkilometer und ältere Lifte akzeptieren. Ein bisschen Geld sparen lässt sich auch, wenn man die Ausrüstung gebraucht kauft.

Auf Kleinanzeigen oder anderen Plattformen finden sich immer wieder Angebote von Nutzern, die ihre Skier oder Winterklamotten kaum genutzt haben und zu einem deutlichen Abschlag verkaufen. Doch die Preissteigerungen bei der Ausrüstung sind in den vergangenen Jahren eher moderat ausgefallen und somit das kleinste Problem.

Anders wiederum ist es mit den Hotels und Gaststätten, die teurer geworden sind. Auch hier geben die Betreiber die höheren Kosten an ihre Gäste weiter. Das stellt so mancher Skiurlauber an einem besonders beliebten Hüttengericht fest: dem Kaiserschmarrn.

Die Preise für Mehl, Zucker, Eier, Butter, Apfelmus und Milch sind in den vergangenen fünf Jahren stärker gestiegen als das allgemeine Preisniveau. Für eine Portion müssen Gäste mittlerweile häufig zwischen 15 und 20 Euro bezahlen. Doch ob der Verzicht auf das süße Dessert wirklich die Lösung ist? Das zumindest lässt sich bezweifeln.

Source: faz.net