„Tatort“ aus Dortmund: Zwei Morde und ein Verrat: Rosa Herzogs dramatischer Abschied

Mehrere Morde führen in diesem „Tatort“ tief in Dortmunds Rotlichtmilieu. In ihrem letzten Fall durchlebt Rosa Herzog ein Wechselbad der Gefühle – denn auch sie steht unter Druck.
- 3 von 5 Punkten
- Dieser „Tatort“ erzählt zwei Geschichten – die beide enorm kompliziert sind
Worum geht’s in diesem „Tatort“?
Mehrere Morde im Dortmunder Rotlichtmilieu rufen die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) auf den Plan. Zunächst sieht es nach einem Streit rivalisierender Clans aus. Doch dann führt eine Spur zu den Balkankriegen der 1990er-Jahre: Einer der Toten ist ein untergetauchter Kriegsverbrecher, der hier unter falschem Namen lebte. Für Ira Klasnić (Alessija Lause), Leiterin der Dortmunder Mordkommission, wird der Fall plötzlich persönlich – denn sie wird mit ihrer eigenen, verdrängten Vergangenheit konfrontiert.
Warum lohnt sich der Fall „Schmerz“?
In unserer sich gefühlt immer schneller drehenden Gegenwart vergessen wir gerne, wie stark wir von der Vergangenheit beeinflusst werden. Viele leiden unter intergenerationalen Traumata, etwa Nachkommen von Vertriebenen des Zweiten Weltkriegs. Die mit dem Zerfall Jugoslawiens verbundenen Balkankriege der 90er mögen Jahrzehnte zurückliegen, das durch die Brutalität des Krieges ausgelöste Leid wirkt oft bis in die Gegenwart fort. Der Schmerz, so der Titel dieser Folge, ist noch immer präsent – und beeinflusst bisweilen unser Handeln.
Was stört?
Es sind eigentlich zwei Geschichten, die dieser „Tatort“ erzählt, und die jede für sich ein eigener Film sein könnten. Da ist zum einen die Mordserie in Dortmund. Da die Motive für die Verbrechen weit zurückliegen und ihren Ursprung in den Jugoslawienkriegen haben, ist dieser Handlungsstrang schwer zu verfolgen. Wer ermordet hier eigentlich wen und aus welchem Grund? Diese Frage verliert der Zuschauer schnell aus den Augen – und das liegt an dem zweiten Erzählstrang. Dieser bezieht sich auf den im März 2025 ausgestrahlten Fall „Abgellgleis“, in dem der mit Faber verfeindete KTU-Leiter Sebastian Haller ermordet wurde. Sein früherer Kollege Daniel Kossik (Stefan Konarske) glaubt, dass Peter Faber etwas damit zu tun hat, und ermittelt seitdem gegen den Kommissar.
Diese horizontale, also folgenübergreifende Erzählweise hat den Dortmund‑„Tatort“ von Beginn an ausgezeichnet. Hier wird sie ihm zum Verhängnis. Denn welcher Zuschauer hat noch parat, was in der vorletzten Folge aus Dortmund vor knapp einem Jahr passiert ist? In Kombination mit dem komplizierten Mordfall könnte der Zuschauer irgendwann kapitulieren – er dürfte sich im Dickicht der vielen in die Vergangenheit reichenden Erzählstränge verheddert haben.
Die Kommissare?
Zu Beginn liegt Rosa Herzog zusammen mit ihrem Kollegen Otto Pösken (Malick Bauer) im Bett. Doch nicht dieses Verhältnis steht im Vordergrund des „Tatorts“, sondern die Beziehung zwischen Herzog und Peter Faber. „Sie sind der einzige Mensch, dem ich vertraue“, sagt er zu seiner Kollegin. „Der einzige Freund, den ich habe.“ Und doch muss sich Faber einer schweren Gewissensentscheidung stellen: Loyalität mit der Partnerin oder Treue zu den eigenen Prinzipien? Es ist diese Geschichte von Freundschaft und Verrat, die „Schmerz“ in seinen besten Momenten weit über einen gewöhnlichen Sonntagskrimi hinaushebt.
Ein- oder ausschalten?
Der dramatische Schluss entschädigt für vieles: Schalten Sie ein!
Source: stern.de