T-Shirts zu Olympia 1936: Für jedes dasjenige IOC verkaufen sich die NS-Spiele gut

So sieht dem NS-Regime genehme Ästhetik aus: Die goldene Figur eines mit Lorbeer bekränzten arischen Recken mit antikisch nacktem Oberkörper streckt, in Untersicht abgebildet, dem Betrachter seinen Quadratkiefer entgegen und wird von den olympischen Ringen wie von einer fünffachen Gloriole geheiligt. Im Vordergrund schiebt sich einschüchternd dunkel wie ein monumentaler Schattenriss die ebenfalls von unten gesehene Quadriga der Siegesgöttin vom Brandenburger Tor diagonal ins Bild.
Wer dieses Bild – möglichst im Großformat – anschaut, soll klein vor ihm werden und einen Schauer der Erhabenheit verspüren. Schriftzeilen wie „Olympic Games“ für das internationale Publikum und „Berlin 1936“ vervollständigen das von dem Grafiker Franz Würbel geschaffene offizielle Plakat der Sommerspiele, die Hitlers Regime in ein Propagandaspektakel für das nationalsozialistische Deutschland verwandelte.
Ohne Einordnung, einfach so
Dass solcherlei beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) – das sich mit „Sportwashing“ und dem „Dabeisein ist alles“ von Diktaturen und autoritären Staaten immer noch hervorragend auskennt – nach wie vor in Mode ist, beweist das IOC gerade in seinem während der Winterspiele in Italien gut besuchten „Olympic Shop“. Der vertreibt online allerlei Schnickschnack für Fans. Darunter waren gerade auch T-Shirts mit dem aufgedruckten Plakat von 1936, ohne Einordnung, einfach so, für 39 Euro – bis sie ausverkauft waren. Wer sich wohl um das Motiv gerissen hat?
Neu aufgelegt wurde das Plakatbild als Teil der „Heritage Collection“, die „die Geschichte der Olympischen Spiele feiern“ soll. Doch in diesem Fall gibt es nichts zu feiern. Während im Berliner Olympiastadion Leni Riefenstahl ihren Propagandafilm über die Wettkämpfe drehte, aus dem Stadtbild und der Presse – im Jahr nach Erlass der „Nürnberger Gesetze“ – antisemitische Hetze kurzzeitig verbannt war und der „Führer“ an Prestige gewann, wurde das KZ Sachsenhausen gebaut. Es war ein Fehler, die schon 1931 Deutschland zugesagten Spiele dem zur Diktatur gewordenen Land nicht zu entziehen und sie nicht zu boykottieren.
Teil eines manipulativen Spektakels
Das IOC scheint mit der Geschichtsvergessenheit in seinem Shop kein Problem zu haben. Auf Kritik an dem T-Shirt-Verkauf, etwa von Klara Schedlich, Sprecherin für Sportpolitik der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, teilte es mit, man wisse um die Problematik der NS-Propaganda im Kontext der Spiele von 1936 und befasse sich damit in seinem Museum in Lausanne. „Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass in Berlin 4483 Athleten aus 49 Ländern in 149 Wettbewerben um Medaillen kämpften.“ Das stimmt zwar, und der Afroamerikaner Jesse Owens düpierte das Regime mit vier Goldmedaillen. Doch es stimmt auch, dass etwa die jüdische deutsche Hochspringerin Gretel Bergmann trotz Qualifikation nicht dabei war und alle Teilnehmer, ob sie wollten oder nicht, Teil eines manipulativen Spektakels wurden.
Dass vom IOC als weiteres Argument für sein Fashion-Statement Markenrechte an dem Plakatbild ins Feld geführt werden, von denen es Gebrauch machen müsse, um sie nicht an andere zu verlieren, wirkt noch fragwürdiger. Um seine Rechte zu wahren, müsste es kein T-Shirt-Merchandising betreiben, und das Internet ist voll von Poster-Shops, die Nachdrucke des Bilds feilbieten. Das Internationale Olympische Komitee sollte sich mit ihm nicht schmücken.
Source: faz.net