Syrien: Aktivisten sprechen von katastrophaler Lage in Nordostsyrien
Die humanitäre Lage im Nordosten Syriens droht sich wegen der Kämpfe zwischen kurdisch angeführten Milizen sowie Regierungstruppen und deren
Verbündeten weiter zu
verschlechtern. Die Zustände in dem Gebiet seien „katastrophal“, teilte
die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London mit.
Die überwiegend von Kurden bewohnte Stadt Kobane nahe der türkischen
Grenze werde von Kämpfern, die mit der Regierung in Damaskus verbündet
sind, seit mehr als einer Woche belagert.
Die Lieferung von Lebensmitteln und Dingen des
täglichen Bedarfs sei fast komplett gestoppt worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Auch kurdische
Aktivisten sprachen von einer Belagerung der Stadt. Die
Übergangsregierung in Damaskus äußerte sich zu den Vorwürfen nicht.
In Kobane befinden sich viele Familien,
die durch Kämpfe in der Nähe vertrieben wurden. Nach Angaben von
Aktivisten ist ein Konvoi mit Hilfsgütern auf dem Weg dorthin. Bereits am Samstag soll ein Konvoi mit Arznei- und Lebensmitteln aus Aleppo in
Richtung Kobane gestartet sein, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete. Organisiert wurde
dieser aus 24 Lkw bestehende Konvoi dem TV-Sender zufolge von den Behörden in
Aleppo und UN-Hilfsorganisationen.
Waffenruhe verlängert
Die syrische Übergangsregierung brachte zuletzt im
Nordosten des Landes große Gebiete unter ihre Kontrolle und drängte die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF)
zurück. Aktuell gilt eine Waffenruhe, die erst am Samstag um 15 Tage
verlängert wurde. Berichten zufolge gab es am Wochenende vereinzelte Kämpfe, insgesamt war die Lage aber ruhig.
Während der Waffenruhe sollen inhaftierte
Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus Gefängnissen in dem
Gebiet in den benachbarten Irak verlegt werden. Die Regierungstruppen haben
die Kontrolle einiger der Gefängnisse und auch Lager übernommen, in
denen Angehörige von IS-Kämpfern untergebracht sind. Wegen der Kämpfe
gibt es Sorge, dass der IS das Chaos nutzen und seine Kämpfer und deren
Angehörige befreien könnte. Einige Inhaftierte sollen bereits entkommen
sein.