„Survival of the Richest“ von Douglas Rushkoff: Im Bunker mit den Superreichen
Fast alle, die dem Silicon Valley und der Elite des Finanzkapitalismus kritisch gegenüberstehen, müssen sich früher oder später mit einer gewissen Kränkung auseinandersetzen: Nie wird man vor diesen Systemgewinnern stehen und ihnen mitteilen können, was man von ihnen, ihren Produkten und ihrem Reichtum hält – zu weit entfernt und zu bequem liegen sie in ihren Penthouses, Landhäusern und Superyachten, um einen hören zu können oder sich zu scheren.
Nun, Gott sei Dank gibt es Douglas Rushkoff, Cyberpunk und derart etablierter Denker des Digitalen, dass selbst Milliardäre ihm gerne zuhören. Ihm, der die kollektive Skepsis seiner augenbrauenhochziehenden Leser stellvertretend in die inneren Kreise der Tech- und Finanzbranche trägt – und über die Herablassung und Überlegenheit, mit denen er diesen begegnet, auch noch schreibt. Sein Buch Survival of the Richest, das nun auf Deutsch erschienen ist, beginnt auch gleich mit einem solchen Meeting, bei dem er vor etwa einhundert Investmentbankern spricht. Natürlich findet das Ganze in einem „Superluxusresort“ statt, er wird per Businessclass eingeflogen (sogar der Nuss-Mix ist vorgewärmt), und das Honorar entspricht etwa einem Drittel seines Jahresgehalts als Professor an der staatlichen New York University, wo er Medientheorie lehrt.