Super Bowl LX: Wie Bad Bunny US-Präsident Trump die Football-Party vermieste
Mit seiner Super-Bowl-Halftime-Show schrieb Bad Bunny Pop-Geschichte. Statt wie das Weiße Haus zu polarisieren und zu spalten, setzte der Musiker auf Liebe, eine spektakuläre Show – und auf einige Überraschungen
Das Duell Donald Trump gegen Bad Bunny konnte der Musiker nach seiner Halbzeitshow des diesjährigen Super Bowl für sich entscheiden
Foto: Mark J. Terrill/AP/picture alliance
Es ist nicht unüblich, dass beim Finale der US-amerikanischen Football-Liga – dem Super Bowl – neben Sport- auch Musikgeschichte geschrieben wird. Mittlerweile steigen die Einschaltquoten zur ikonischen Halbzeitshow, statt wie üblich zu sinken. Die Performance ist ein mindestens so wichtiger Bestandteil wie das Match. Erst vergangenes Jahr brach Kendrick Lamar bei dem internationalen Mega-Event den Quotenrekord mit über 130 Millionen Zuschauer*innen weltweit.
Dieses Jahr ist Pop-Geschichte bereits vor der Show geschrieben worden. Als die National Football League im September 2025 ankündigte, den puerto-ricanischen Musiker Bad Bunny einzuladen, folgte Empörung von höchster Stelle. US-Präsident Trump nannte die Entscheidung der NFL „schrecklich“. Konservative Kommentatoren bezeichneten Benito Antonio Martínez Ocasio, wie der 32-jährige Künstler bürgerlich heißt, als „unamerikanisch“ – ungeachtet dessen, dass Puerto Rico zwar kein Bundesstaat, aber nicht inkorporiertes US-Staatsgebiet ist.
Abseits des republikanischen Naserümpfens ist Bad Bunnys Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen und zeitgenössischem Rap in- und außerhalb der Vereinigten Staaten enorm beliebt. Alle sechs Studioalben erreichten Platz 1 der US-Latin-Charts, an Auszeichnungen der Musikindustrie mangelt es ihm nicht. Beim Streaminganbieter Spotify ist er der weltweit meistgehörte Künstler des Jahres 2025.
Trump war wieder pampig
Zu dieser beeindruckenden Karriere kommt nun ein weiterer Meilenstein hinzu: der erste Super-Bowl-Halftime-Auftritt komplett auf Spanisch. „Niemand versteht ein Wort“, raunte Trump während der Show auf seinem Kurznachrichtendienst. Wenige Tage zuvor übte Bad Bunny in einer Rede beim Grammy harte Kritik an Trumps Anti-Migrationspolitik und der durchsetzenden Behörde ICE.
„ICE raus! Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere […] Wir sind Menschen und wir sind Amerikaner“, sagte Bad Bunny unter Applaus, Tage nachdem mehrere Fälle bekannt wurden, bei denen ICE-Agenten Menschen erschossen hatten. Der Präsident selbst blieb dem Super Bowl schließlich fern, laut eigenen Aussagen, weil ihm San Francisco „zu weit weg“ war.
Parallel zur Halbzeit-Show fand eine Gegenveranstaltung der rechtspopulistischen Organisation Turning Point mit dem Musiker Kid Rock statt. Politisch instrumentalisierbare Aufreger schenkte Bad Bunny den Republikanern aber nicht: In einer Szene sah man im Hintergrund ein Video seiner Grammy-Rede. Auf einem Transparent stand der Satz: „Das Einzige, das mächtiger ist als Hass, ist die Liebe“.
Die meistgesehene Hochzeit der Geschichte?
Die symbolische Kraft des sensationell choreografierten Auftritts offenbarte sich abstrakter, aber dafür umso mächtiger. Zusammen mit etlichen Tänzer*innen und Star-Gästen wie Lady Gaga und Ricky Martin bewegte sich Bad Bunny in ständig wechselnden Szenerien durch migrantische Realitäten.
Familie, Arbeit und Tanz verschmelzen in einem Hinterhof, ein Zuckerrohrfeld wird zum Schauplatz generationenübergreifender Geschichte. Die große hispano-amerikanische Hochzeit, bei der ein schlafendes Kind vom Künstler geweckt wird und das Paar tatsächlich vermählt wurde, galt vielen in den sozialen Netzwerken als augenblicklich ikonisch.
„God bless America“, sagte Bad Bunny zum Ende und zählte sämtliche Länder beider amerikanischer Kontinente auf. Inmitten einer fremdenfeindlichen politischen Stimmung wurde auf der wohl wichtigsten Bühne der USA Spanisch nicht nur gesungen, sondern gelebt – und der hetzende Präsident blieb draußen. Kaum vorstellbar, was das für einen gewaltigen Effekt auf nicht nur die knapp 70 Millionen Menschen in den USA mit lateinamerikanischen Wurzeln, sondern auf spanischsprachige Communitys weltweit gehabt haben dürfte.