Sudan: Sudans Armee wirft RSF-Miliz Massaker von Tausenden Zivilisten vor
Nach der Einnahme der sudanesischen Stadt Al-Faschir durch die RSF-Miliz hat die sudanesische Armee der Miliz die Tötung von mehr als 2.000 unbewaffneten Zivilisten vorgeworfen. In einer Erklärung der Armee hieß es, die RSF-Miliz habe in Al-Faschir „abscheuliche Verbrechen gegen unschuldige Zivilisten begangen“. Die meisten der getöteten Zivilisten seien demnach „Frauen, Kinder und Ältere“ gewesen.
Auch das UN-Menschenrechtsbüro verwies auf Berichte über zahlreiche Gräueltaten in Al-Faschir. Demzufolge kam es bei der Einnahme der Stadt zu Massakern an fliehenden Zivilisten. Laut der Zeitung Sudan Post wurden von der RSF-Miliz auch Teile der Militärführung in Darfur getötet.
Zuvor hatte Sudans Militärherrscher Fattah al-Burhan den Rückzug der Armee aus Al-Faschir bestätigt. Damit verlor die sudanesische Armee nach 18-monatiger Belagerung die letzte Großstadt in der Region Darfur, die sich nicht unter der Kontrolle der RSF-Miliz befand. Rund 260.000 Zivilisten saßen seit Beginn der Belagerung ohne Zugang zu
humanitärer Hilfe fest, die Hälfte von ihnen sind Kinder.
Afrikanische Union verurteilt mögliche Kriegsverbrechen
Nach den Berichten über die Gräueltaten prangerte die Afrikanische Union (AU) das Vorgehen der RSF-Miliz an und forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe. Der AU-Vorsitzende Mahmoud Ali Youssouf äußerte im Onlinedienst X seine „tiefe Besorgnis angesichts der eskalierenden Gewalt und Berichten über Gräueltaten“ in der Stadt. Er verurteilte „mutmaßliche Kriegsverbrechen und ethnisch motivierte Morde an Zivilisten“.
Youssouf forderte außerdem die „sofortige Einstellung der Kämpfe und die Öffnung humanitärer Korridore, damit lebensrettende Hilfe die betroffene Bevölkerung erreichen kann“. Es gebe keine „militärische Lösung“ für den Konflikt, teilte er mit und rief alle Seiten zum Dialog auf.
Laut UN die schwerste humanitäre Krise der Welt
Bei dem im April 2023 ausgebrochenen Konflikt stehen sich die Armee von Militärherrscher al-Burhan und die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo gegenüber. Bei den Kämpfen wurden zehntausende Menschen getötet, rund zwölf Millionen Menschen mussten aus ihren Heimatregionen in andere Landesteile fliehen.
In dem Land herrscht nach Einschätzung der UN die schwerste humanitäre Krise der Welt. In den vergangenen Monaten wurde auch immer wieder über Massaker berichtet, unter anderem in Flüchtlingslagern. Beiden Kriegsparteien werden Kriegsverbrechen vorgeworfen.