Stuttgart 21 verzögert sich um weitere Jahre – Minister nennt „wesentlichen Grund“

Das Problemprojekt Stuttgart 21 kommt einfach nicht voran. Medienberichten zufolge soll der neue Bahnknoten frühestens 2029 an den Start gehen. Den zuständigen Verkehrsminister wundert das nicht. Er hat eine Erklärung.

Medienberichten zufolge droht dem Bahnprojekt Stuttgart 21 eine weitere jahrelange Hängepartie. Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, dass der neue Bahnknoten nicht vor 2029 in Betrieb gehen soll. Der SWR beruft sich auf Insider des Projektes, wonach die komplette Inbetriebnahme nicht vor 2030 stattfinden werde.

Ein Bahnsprecher sagte: „Zu den genannten Spekulationen äußern wir uns nicht.“ Es bleibe dabei, dass man beauftragt sei, bis spätestens Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept zu erarbeiten.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurden die von den Medienberichten genannten Daten in Projektkreisen diskutiert, ein konkretes Datum für die Eröffnung der verschiedenen Teile des milliardenschweren Projektes soll es aber bislang nicht geben.

„Was vorab durchsickert, wird am Ende oft Realität“

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte, die erneute Verschiebung sei bislang eine Meldung von Medien und kein Zeitplan der Bahn. „Meine Erfahrung aus vielen Jahren mit diesem Projekt ist aber: Was vorab durchsickert, wird am Ende oft Realität.“ Auch das Land habe Kontakte und wisse, dass es bei der digitalen Schiene klemme. Es fehle eine klare langfristige Perspektive für die Unternehmen, die digitale Stellwerkstechnik herstellten. „Das ist ein wesentlicher Grund für die Verzögerungen“, so Hermann.

Im November war bekannt geworden, dass auch die für Ende 2026 geplante Teileröffnung des neuen Tiefbahnhofs in der baden-württembergischen Landeshauptstadt nicht zu halten sein wird. Als Grund für die erneute Verschiebung nannte Bahnchefin Evelyn Palla damals Probleme bei der Digitalisierung des Bahnknotens.

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Ein neues Datum für den Start hatte es nach der Bekanntgabe der erneuten Verschiebung zunächst nicht gegeben. Stattdessen hatte Palla eine umfassende Überprüfung des Projektes angekündigt, an deren Ende ein neuer Termin genannt werden sollte. Bis Mitte 2026 will die Bahn das neue Inbetriebnahmekonzept fertig haben.

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Gebaut wird an dem Projekt bereits seit 2010. Der tatsächliche Start war bereits mehrfach verschoben worden, zuletzt auf Dezember 2026. Bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung im Jahr 2009 war man von einer Eröffnung 2019 ausgegangen.

Das Projekt Stuttgart 21 steht nicht nur für den Bau des neuen Hauptbahnhofs in der Landeshauptstadt, sondern für die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Gebaut werden neue Bahnhöfe – etwa ein neuer Fernbahnhof am Flughafen –, Dutzende Kilometer Schienenwege und Tunnelröhren, Durchlässe sowie Brücken. Herzstück von Stuttgart 21 ist der neue unterirdische Hauptbahnhof, der im Gegensatz zum bisherigen Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof sein wird.

Im Rahmen von Stuttgart 21 wird der Bahnknoten in Stuttgart zugleich als erster bundesweit komplett digitalisiert. Züge des Fern- und Regionalverkehrs sowie S-Bahnen sollen dann mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren – und zwar nur damit. Klassische Lichtsignale werden im Stuttgarter Bahnknoten nicht mehr verbaut. Die Arbeiten gestalten sich aber komplizierter als gedacht und waren auch mit ein Grund für die erneute Absage des letzten Starttermins.

Auch die Kosten für das Projekt haben sich über die Jahre steil nach oben entwickelt. In einem Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2009 ist nur die Verteilung von Kosten bis zu einer Höhe von gut 4,5 Milliarden Euro geregelt. Zuletzt bezifferte die Bahn die Kosten auf rund 11,3 Milliarden Euro. Die Mehrkosten muss die Bahn einem Gerichtsurteil zufolge alleine tragen.

dpa/gub

Source: welt.de