Stuckrad-Barre bricht mit „engem Freund“ Christian Ulmen – „Bei Gewalt endet wirklich die Gesamtheit“
Nach den Vorwürfen der digitalen sexualisierten Gewalt gegen Christian Ulmen distanziert sich dessen langjähriger Freund Benjamin von Stuckrad-Barre deutlich von ihm. Er befinde sich „in einer Art Schockzustand“, seine Solidarität gehöre „alleiniglich“ Ulmens Ex-Frau.
Einst hatten sich beide im Format „MTV Alarm“ kennengelernt. Später produzierte Christian Ulmen die Late-Night-Shows des Schriftstellers Benjamin von Stuckrad-Barre und bewarb dessen Roman „Noch wach?“ über Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe. Nach den nun erhobenen Vorwürfen wegen „digitaler Gewalt“ der Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Ulmen grenzt sich Stuckrad-Barre deutlich von seinem langjährigen Freund ab.
„Es fällt mir sehr schwer, leicht ist nichts daran, aber es ist simpel: Ich muss mich hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren, muss das deutlich benennen, weil Schweigen nicht ganz zu Unrecht aufgefasst werden könnte als Billigung“, schreibt der Schriftsteller in einer Stellungnahme, die dem „Spiegel“ vorliegt.
„Es ist an niemandem sonst als an uns Männern, festzustellen, anzuerkennen und zu verurteilen, dass die allermeisten Gewalttaten gegenüber Frauen innerhalb von Beziehungen stattfinden“, betont er weiter. „Und dass die Täter eben nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten aus Statistiken sind, sondern dass darunter auch Menschen sind, die wir bewundern oder lieben.“
Die „Spiegel“-Titelgeschichte „Du hast mich virtuell vergewaltigt“ habe ihn „völlig unerwartet“ getroffen. Er befinde sich „in einer Art Schockzustand“, empfinde „tiefe Traurigkeit“, könne das „entwürdigende Verhalten“ nicht mit Ulmen in Verbindung bringen. „Ich muss das aber jetzt tun, das ist die Lage. Collien ist ohne Wenn und Aber Opfer entsetzlicher digitaler Gewalt geworden, und dass offenbar auch durch Christian. Mein Mitgefühl, meine Solidarität gehört alleiniglich ihr.“
„Digitale sexualisierte Gewalt ist Gewalt. Und bei Gewalt endet alles, wirklich alles“, unterstreicht Stuckrad-Barre und verdeutlicht, damit auch die seit knapp 30 Jahren bestehende „enge Freundschaft“ mit Ulmen zu meinen. „Besser kann ich es gerade noch nicht formulieren. Zumindest anfangen damit aber wollte ich jetzt mal, öffentlich, gerade weil Christian mein Freund war, bis zum vergangenen Donnerstag.“
2013 hatte Stuckrad-Barre seinen damaligen Geschäftspartner in der WELT porträtiert. „Den Beruf des Schauspielers hat Ulmen möglicherweise aus einem ganz einfachen Grund ergriffen: Notwehr“, schrieb er damals unter dem Titel „Mein Freund, das Monster“. „Feinnervig reagiert er schon auf minimale Grenzübertretungen und falsche Töne anderer, und sein eigenes Sozialverhalten empfindet er als Scharade des Scheiterns, eigentlich ist ihm buchstäblich alles peinlich.“
Ein besonderes Augenmerk richtete der Schriftsteller damals auf die Figur Uwe Wöllner, als die Ulmen die Reality-Spielshow „Who wants to fuck my girlfriend?“ moderierte. In dieser traten zwei Kandidaten gegeneinander an, die darum wetteten, wessen Freundin attraktiver sei. Punkte gab es etwa für denjenigen, dessen Freundin es gelang, Fremde in einem Sexshop zum One-Night-Stand zu überreden.
Wöllner sei „nicht nur der Ulmen-Antitypus, sondern der Antitypus schlechthin, Totalversager und fleischgewordener Bildungsnotstand, alles an ihm ist weich und bequem: Körper, Kleidung, Biografie, Sprache, Hirn“, bewertete Stuckrad-Barre damals. Die „Männerfeindlichkeit“ der Show sei so evident, „dass der automatisierte Frauenfeindlichkeitsvorwurf an dieser schmerzlichen Überzeichnung des Privatfernsehdrecks spektakulär zerbirst“.
„Wenn einer mutwillig seine Karriere und seinen Ruf zerstören will, sollte er es so machen wie Christian Ulmen“, schrieb „Spiegel“-Redakteur Stefan Kuzmany mit Blick auf die Reaktionen in den sozialen Netzwerken in einer Kritik zur Gameshow. Den Vorwurf der Frauenverachtung wischte er jedoch beiseite. „Wenn hier jemand vorgeführt wird, dann sind es allein die Männer. Männer, die Frauen begaffen. Männer, die Frauen angraben. Männer, die am Straßenrand halten und ansatzlos beginnen, um den Preis des Körpers einer Frau zu feilschen“, erklärte der Journalist. „Die in der Sendung dargestellten Frauen hingegen behalten in jeder Situation ihre Würde.“
Die jüngsten „Spiegel“-Recherchen dürften Ulmens Format rückwirkend in ein deutlich ungünstigeres Licht rücken. „Wir lernen“, schrieb etwa Satiriker Ingmar Stadelmann auf der Plattform X. „Uwe Wöllner war gar keine Kunstfigur. Uwe Wöllner hat offenbar jahrelang die Kunstfigur Christian Ulmen gespielt.“
Im Gegensatz zu den meisten seiner anderen Rollen werde ihm Uwe Wöllner nie langweilig, schrieb Benjamin Stuckrad-Barre 2013 in seinem WELT-Porträt über Ulmen. „Uwe zu sein, ist für Ulmen wie Planschen in körpertemperiertem Wasser. Und so verschwindet Ulmen hinter diesem amorphen Monstrum, diesem Allesfresser, keine Regeln, alles ist erlaubt, alles richtig, alles passend.“
Source: welt.de