Stromausfall in Berlin: Wegner entschuldigt sich zu Händen Fehler
Seit dem mehrtägigen Stromausfall in Berlin steht der Regierende Bürgermeister Wegner wegen widersprüchlicher Angaben zu seinem Krisenmanagement unter Druck. Nun entschuldigt er sich – und räumt „kommunikative Fehler“ ein.
- Wegner entschuldigt sich für „kommunikative Fehler“ bei Stromausfall im Januar
- Wegner hatte zunächst angegeben, aus Homeoffice Krisenreaktion des Senats koordiniert zu haben
- Wie der rbb enthüllte, hatte Wegner um die Mittagszeit Tennis gespielt
- Oppositionspolitiker werfen Wegner mangelnde Glaubwürdigkeit vor
Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat „kommunikative Fehler“ beim großen Stromausfall Anfang des Jahres eingeräumt. Dafür möchte er sich „bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen“, so der CDU-Politiker, es tue ihm „aufrichtig leid“. Zuerst hatte die „B.Z.“ berichtet.
Nach rbb-Informationen hatte Wegner Mitglieder der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus über die Veröffentlichung vorab informiert. In einer WhatsApp-Nachricht bat er auch seine Parteikolleginnen und -kollegen um Entschuldigung und räumte „kommunikative Fehler“ ein.
Wegner steht seit Wochen wegen seines Verhaltens nach dem Brandanschlag mutmaßlicher Linksextremisten auf das Stromnetz, in der Kritik. Er hatte zunächst erklärt, am 3. Januar, dem ersten Tag des Stromausfalls, stundenlang aus dem Homeoffice die Krisenreaktion des Senats koordiniert zu haben. Wie der rbb dann allerdings enthüllte, hatte Wegner um die Mittagszeit eine Runde Tennis gespielt – nach eigener Aussage, um „den Kopf freizubekommen“.
Der „Tagesspiegel“ erzwang später unter Androhung rechtlicher Schritte weitere Details: Demnach war Wegner deutlich später und weniger intensiv in das Krisenmanagement involviert.
„Aufgrund meiner Fehler in der Kommunikation“
Gegenüber der „B.Z.“ räumte Wegner nun auch ein, am Vormittag lediglich per SMS mit den entscheidenden Akteuren in Verbindung gestanden zu haben. Am Telefon gesprochen habe er mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) erst am Mittag um kurz nach 12 Uhr. Erste Anrufe mit der Bundesebene habe es demnach auch erst am Abend gegeben.
Zunächst hatte Wegner suggeriert, bereits deutlich früher mit dem Kanzleramt und dem Bundesinnenministerium telefoniert zu haben. „Aufgrund meiner Fehler in der Kommunikation ist ein Eindruck entstanden, den ich sehr bedauere“, so Wegner. Er betonte jedoch, dass er sich „mit aller Kraft in die Bewältigung dieser Krise gestürzt“ habe.
SPD und Opposition kritisieren Wegner
Wie gravierend der Stromausfall war, sei aber erst gegen 14:30 Uhr klar geworden, so Wegner in der „B.Z.“. Allerdings zeigt ein Blick in die Nachrichtenmeldungen an diesem Tag, dass die Stromnetz Berlin bereits kurz nach 9 Uhr von rund 50.000 betroffenen Haushalten sprach – und die Behebung nicht absehbar sei.
„Kai Wegner hat keinen Anstand“, teilte Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat, am Dienstag mit. Der Regierende Bürgermeister habe bereits früh morgens gewusst, dass es sich mutmaßlich um einen Anschlag handelt. Wegner schiebe jetzt die Verantwortung der Innensenatorin und der Wirtschaftssenatorin zu – das sei „schlichtweg ein schäbiges Verhalten“, so Krach.
Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, bezeichnete Wegners Entschuldigung als Wahlkampfmanöver. „Was jetzt von ihm als kommunikativer Fehler abgetan wird, klingt nicht nach echter Einsicht, sondern nach Kalkül.“ Die Antwort darauf würden die Berlinerinnen und Berliner bei der Wahl am 20. September geben, so Eralp.
Werner Graf, der Spitzenkandidat der Grünen, warf Wegner vor, unglaubwürdig zu sein. „Statt wirklich reinen Tisch zu machen und sich ehrlich an die Menschen in Berlin zu wenden, versucht Kai Wegner erneut, sich mit Kommunikationsfehlern herauszureden.“
AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker bezichtigte Wegner, gelogen zu haben. „Für das Amt des Regierenden Bürgermeisters ist er weder politisch noch charakterlich geeignet.“
Sendung: Radioeins vom rbb, 24.03.2026, 13 Uhr
Source: tagesschau.de