Stromausfall in Berlin: Neue Vorwürfe gegen Dorfschulze Wegner

Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin (Quelle: dpa)

Stand: 17.03.2026 • 19:52 Uhr

Berlins Regierender Bürgermeister Wegner ist mit neuen Vorwürfen zu seinem Krisenmanagement im Rahmen des mehrtägigen Stromausfalls im Januar konfrontiert worden. Diesmal betreffen sie das Arbeitspensum des CDU-Politikers.

Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wehrt sich gegen neue Vorwürfe, er habe in Bezug auf sein Krisenmanagement beim Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf im Januar falsche Angaben gemacht.

Nachdem der CDU-Politiker bereits vor Wochen einräumen musste, am ersten Tag der Krise mittags Tennis gespielt zu haben, geht es jetzt um die Frage, ob er die Unwahrheit gesagt hat über sein Arbeitspensum vor dem Tennismatch.

Einen entsprechenden Bericht des „Tagesspiegel“ wies der Regierende Bürgermeister am Dienstag zurück. „Die Interpretation“ der Zeitung entbehre „jeder Grundlage“, sagte Wegner auf der Senats-Pressekonferenz. „Demzufolge werde ich auch rechtliche Schritte prüfen lassen.“

„Den ganzen Tag am Telefon“

Der „Tagesspiegel“ hat nach eigenen Angaben aus der Senatskanzlei Informationen zu Wegners Telefon- und SMS-Kontakten am Vormittag des 3. Januar erhalten. Diese sollen zeigen, dass der Regierende Bürgermeister vor seinem Tennisspiel zwar Kontakt mit Senatsmitgliedern und Krisenstab hatte, aber nicht zur Bundesregierung und zu Stromnetz Berlin. Dies ist relevant, weil Wegners Aussagen in einem Interview mit „Welt TV“ am 7. Januar einen anderen Eindruck erweckt hatten.

Dort hatte der CDU-Politiker gesagt, er habe am ersten Tag des Stromausfalls um kurz nach 8 Uhr begonnen, Telefonate zu führen. „Ich habe mit Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz. Ich habe vor allen Dingen auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister“, sagte Wegner und fügte hinzu: „Dann habe ich von 13-14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte.“

Die Tennisstunde musste Wegner nach Recherchen des rbb einräumen, nachdem er zunächst gesagt hatte, er sei „den ganzen Tag am Telefon“ gewesen und habe sich in seinem „Büro zu Hause eingeschlossen“.

Senatskanzlei und Bundesregierung machen keine genauen Zeitangaben

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa wies die Senatskanzlei darauf hin, Wegner habe in dem „Welt TV“-Interview keine Angaben zum genauen Zeitablauf des Tages gemacht.

Ein Sprecher der Bundesregierung teilte auf dpa-Anfrage mit, es sei zutreffend, dass es am 3. Januar mehrere Gespräche Wegners mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (beide CDU) gegeben habe. Dabei sei es um die mögliche Unterstützung des Landes Berlin durch Bundesbehörden zur Bewältigung der Folgen des Stromausfalls im Südwesten Berlins gegangen. Angaben zum genauen Zeitpunkt der Telefonate machte der Sprecher nicht.

„Dazu ist alles gesagt“

In der Pressekonferenz nach der jüngsten Senatssitzung wurde der Regierende Bürgermeister wiederholt gebeten, den Ablauf des 3. Januar detailliert darzustellen, er tat dies aber nicht. „Dazu ist alles gesagt“, erklärte er mehrfach. „Ich stand an diesem Tag mit diversen Stellen im Austausch und habe dann eine Stunde Sport gemacht“.

Seinen Vorwurf, die Interpretation des „Tagesspiegels“ entbehre jeder Grundlage, konkretisierte Wegner auch auf wiederholte Nachfrage nicht. Die Senatskanzlei lehnte die Bitte des rbb ab, die Informationen einzusehen, die dem „Tagesspiegel“ zugeschickt wurden.

Kritik von Opposition und Koalitionspartner

Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus ist nicht der Ansicht, dass bereits „alles gesagt“ ist, sie reagierte mit scharfer Kritik auf den Auftritt des Regierenden Bürgermeisters.

AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker sprach vom „Lügenbaron Berlins“. Der grüne Spitzenkandidat Werner Graf sagte: „Es stehen große Zweifel im Raum, ob der Regierende die Wahrheit gesagt hat“. Linksfraktionschef Tobias Schulze erklärte, wenn Wegner sich beim Stromausfall „nicht in ausreichender Intensität“ gekümmert habe, sei das erklärungsbedürftig. Unisono wird Aufklärung gefordert.

Aber nicht nur die Opposition will Details wissen. Auch der Spitzenkandidat von Wegners Koalitionspartner SPD, Steffen Krach, hat Fragen. „Ich erwarte von Kai Wegner, dass er die Wahrheit sagt“, so Krach. Seiner Wahrnehmung nach geschehe das gerade nur „scheibchenweise“, das sei falsch.

Keiner der politischen Konkurrenten forderte offen Wegners Rücktritt, die Berliner FDP tat dies allerdings indirekt. „Berlin braucht Führung, die Verantwortung übernimmt“, sagte Generalsekretär Peter Langer. „Kai Wegner sollte prüfen, ob er dieser Verantwortung noch gerecht werden kann.“

Sendung: rbb24 Inforadio, 17.03.2026, 16:00 Uhr

Source: tagesschau.de