Streubomben-Monitor 2025: Weltweit merklich mehr Opfer nachdem Einsatz von Streumunition
Streubomben haben im vergangenen Jahr weltweit deutlich mehr Opfer gefordert als zuvor. Laut dem in Genf veröffentlichten Streubomben-Monitor 2025 wurden 314 Menschen durch solche Waffen getötet oder verletzt. Im Jahr 2023 waren es noch 219. Der Anstieg hängt vor allem mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zusammen.
Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisationen, die den Bericht erarbeitet haben, jedoch höher liegen. Allein in der Ukraine seien 2024 rund 40 Angriffe mit Streumunition dokumentiert worden, bei denen die Zahl der Opfer nicht vollständig erfasst sei. Seit Beginn des Kriegs im Februar 2022 wurden dort mehr als 1.200 Opfer von Streumunition registriert. Auch in Myanmar, Syrien und Russland wird die Munition weiterhin eingesetzt.
Litauen tritt aus Abkommen aus
123 Staaten haben sich bislang dem 2010 in Kraft getretenen Übereinkommen angeschlossen, das Herstellung, Einsatz und Weitergabe von Streumunition untersagt. Im März dieses Jahres trat mit Litauen jedoch erstmals ein Nato-Mitglied wieder aus dem Vertrag aus. Zugleich haben Staaten wie der Südsudan oder Vanuatu ihren Beitritt erklärt.
„Streubomben können nicht gezielt eingesetzt werden und treffen überwiegend die Zivilbevölkerung“, sagte Eva Maria Fischer von Handicap International Deutschland der Nachrichtenagentur KNA. Der Einsatz verstößt damit nach Auffassung der gemeinnützigen Organisation gegen das Völkerrecht.
Handicap International weist zudem auf die schwierige Räumung hin: „Man weiß nicht, wann Streumunition auslöst. Das kann bei der bloßen
Annäherung passieren, muss es aber nicht“, sagte Fischer. Zudem lasse sich die Munition
nicht entschärfen oder wegbewegen. „Eigentlich müssten Streubomben an Ort
und Stelle gesprengt werden, was aber oft nicht geht.“
Die Opfer litten meist lebenslang unter den Folgen, sagte Fischer. Häufig verlieren sie demnach Gliedmaßen, erblinden oder leben mit chronischen Schmerzen durch Splitter im Körper. Nach Ansicht von Handicap International müsse es deshalb neben dem Verbot auch verbindliche Strukturen zur Unterstützung der Betroffenen geben.
Erster Einsatz von Streumunition während des Zweiten Weltkriegs
Als Streumunition wird konventionelle Munition bezeichnet, die zahlreiche kleinere Sprengkörper von jeweils unter 20 Kilogramm Gewicht freisetzt. Erstmals kam sie im Zweiten Weltkrieg zur Anwendung, etwa bei den Luftangriffen der deutschen Wehrmacht auf britische Städte. Besonders umfassend wurde sie während des Vietnamkriegs verwendet. Auch in den Konflikten im ehemaligen Jugoslawien am Ende der 1990er-Jahre wurde sie eingesetzt.
Über viele Jahre nahm die Zahl der Angriffe ab, bevor sie mit dem Krieg in der Ukraine wieder deutlich anstieg. Dort setzen nach Angaben unabhängiger Experten beide Kriegsparteien Streubomben ein.