Strategie: Authentic übernimmt Mehrheit an Guess

Guess gehört jetzt mehrheitlich zu Authentic und wird von der Börse genommen.

Der US-amerikanische Markeninhaber Authentic sichert sich die Kontrolle über die Rechte an Guess und zieht das Traditionslabel vom Kapitalmarkt zurück. Die Eigentümerstruktur wird neu geordnet – operativ soll jedoch alles beim Alten bleiben.

Authentic und Guess haben den Abschluss der Transaktion zur Privatisierung von Guess bekannt gegeben. Demnach hält Authentic nun 51% an wesentlichen Marken- und sonstigen Schutzrechten von Guess. Die übrigen 49% verbleiben bei bestehenden Anteilseignern um die Unternehmensgründer Maurice und Paul Marciano sowie bei weiteren Führungskräften und ihnen nahestehenden Vehikeln.

Das operative Geschäft von Guess befindet sich künftig vollständig im Eigentum des bisherigen Managements. Dieses werde das Unternehmen unverändert weiterführen, heißt es. Die Börsennotiz an der New Yorker Börse ist mit dem Vollzug der Transaktion beendet worden.

Nach Angaben der beteiligten Unternehmen erzielt Guess weltweit umgerechnet rund 6 Mrd. Dollar (rund 5,5 Mrd. Euro) an handelsäquivalenten Einzelhandelsumsätzen. Für Authentic steige das aggregierte Einzelhandelsvolumen des Portfolios damit auf rund 38 Mrd. Dollar (rund 35 Mrd. Euro) pro Jahr.

Neue Eigentümerstruktur, operative Kontinuität

Authentic hält künftig die Mehrheit an der Marke, während die sogenannte Operating Company zu 100% beim aktuellen Guess-Management liegt. Diese Trennung von Markenrechten und operativem Geschäft entspricht dem Geschäftsmodell von Authentic, das primär als Markeninhaber und Lizenzgeber agiert.

Der Schweizer Standort von Guess soll weiterhin als zentrale Steuerungseinheit für Design, Kreativprozesse sowie für die globale Vertriebs- und Markenstrategie fungieren. Damit solle die Verbindung zu den historischen Wurzeln der Marke erhalten bleiben, wie es in der Mitteilung heißt.

Authentic-Gründer und CEO Jamie Salter erklärte, Guess verfüge über eine starke Basis aus Markenbekanntheit, Führung und internationalem Lizenznetzwerk. Die Partnerschaft solle die nächste Wachstumsphase beschleunigen. 

Guess setzt auf Flexibilität außerhalb des Kapitalmarkts

Auch auf Seiten von Guess wird der Schritt als strategische Neuausrichtung interpretiert. CEO Carlos Alberini erklärte, als privates Unternehmen verfüge Guess über größere unternehmerische Flexibilität und zusätzliche Ressourcen, um Partnerschaften auszubauen und das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln.

Paul Marciano, Mitgründer und Chief Creative Officer, verwies auf die mehr als 45-jährige Geschichte der Marke und betonte, die Einbindung in die Plattform von Authentic eröffne neue Möglichkeiten. Guess sei eigenen Angaben zufolge eine weltweit etablierte Modemarke.

Authentic-Präsident Matt Maddox hob hervor, dass Guess künftig von einer skalierbaren Plattform für Kategorien- und Länderexpansion sowie von zusätzlichen Content- und Erlebnisformaten profitieren solle.

Marke Guess wird Teil eines wachsenden Lizenzportfolios

Mit Guess erweitert Authentic sein Markenportfolio um eines der umsatzstärksten Mode-Labels innerhalb der Gruppe. Nach Unternehmensangaben ist Guess nun die zweitgrößte Marke gemessen am Einzelhandelsumsatz.

Authentic arbeitet mit rund 2000 Lizenzpartnern in etwa 150 Ländern zusammen. Das Unternehmen ist in den Bereichen Mode, Sport, Medien und Entertainment aktiv und hält die Rechte an mehr als 50 Marken.

Über Authentic und Guess

Authentic hat sich in den vergangenen Jahren als bedeutender Akteur im globalen Lizenzgeschäft positioniert und mehrere bekannte Mode- und Lifestylemarken übernommen. Guess wiederum ist seit den frühen 1980er-Jahren im internationalen Modehandel aktiv und vertreibt Bekleidung, Denim und Accessoires über eigene Stores, Partnerflächen und Lizenznehmer. Zum 1. November 2025 betrieb Guess nach eigenen Angaben weltweit 1058 eigene Geschäfte, hinzu kamen 507 weitere Stores von Partnern und Distributoren in rund 100 Ländern.