Straße von Hormus: Trump will die Meerenge bloß sichern – immerhin mit welchen Schiffen?

Donald Trump schimpft über die NATO, weil sie sich derzeit nicht an einem Militäreinsatz in der Straße von Hormus beteiligen will. Das Bündnis sei eine „Einbahnstraße“, erklärte der amerikanische Präsident: Die USA würden es schützen, bekämen dafür aber nichts im Gegenzug. Zur gleichen Zeit befinden sich zwei von drei amerikanischen Kriegsschiffen, die eigentlich im Nahen Osten operieren sollten und wichtig für die Minenräumung in der Meerenge wären, Tausende Kilometer entfernt. Ein Ship-Spotter sichtete die USS Tulsa und die USS Santa Barbara vor wenigen Tagen in Malaysia. Die Amerikaner könnten sie, sollte man meinen, gerade eher im Persischen Golf gebrauchen als im Hafen von Penang.

Denn Teheran hat mit Angriffen auf zivile Schiffe den Verkehr in der Straße von Hormus fast zum Erliegen gebracht. Trump hat versprochen, die wichtige Route für den Ölhandel wieder zu öffnen. Und dabei die militärische Unterstützung, namentlich Minensuchboote, der NATO-Partner eingefordert. Die ließen ihn mehrheitlich abblitzen. Zumindest solange die Kampfhandlungen nicht abflauen. „Wir brauchen die Hilfe von niemandem“, betonte Trump daraufhin.

In welchem Ausmaß Iran die Straße von Hormus bereits vermint hat, ist unklar. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte vorige Woche, dass es für so ein Vorgehen keine eindeutigen Beweise gebe. Damit widersprach er amerikanischen Medienberichten. So berichtete die „New York Times“, dass Teheran damit begonnen habe, Minen von kleinen Booten aus zu verlegen. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben mehr als 30 größere iranische Minenleger zerstört. Die Revolutionsgarden verfügen aber über eine große Zahl an Schnellbooten, die die Sprengladungen ebenfalls im Wasser ausbringen können. Vor Kriegsbeginn wurde das iranische Arsenal auf mehr als 5000 Stück geschätzt. Die Räumung von Seeminen gilt als kompliziert und gefährlich, selbst für erfahrenes Personal.

Mit Drohnen auf Minen schießen

Amerikanische Fachleute sind skeptisch, ob die USA allein in der Lage wären, zivile Schiffe in der Straße von Hormus vor Minen zu schützen. Die Marine habe die Minenräumung vernachlässigt, sagte Eliot Cohen vom Center for Strategic and International Studies dem „Wall Street Journal“. Angesichts der begrenzten Anzahl entsprechender Schiffe werde es schwierig, „Öltanker in einem umkämpften Umfeld glaubwürdig zu eskortieren“. Die Amerikaner haben die vier letzten klassischen Minenräumboote der Avenger-Klasse im Nahen Osten im Januar aus der Region abgezogen; sie waren bereits im Vorjahr außer Dienst gestellt worden. Nun verfügt die Marine nur noch über vier Schiffe dieser Klasse, die derzeit in Japan stationiert sind.

Die USS Tulsa und die USS Santa Barbara, die nun in Malaysia entdeckt wurden, sollten die Lücke im Nahen Osten füllen. Sie gehören zu den letzten von drei Schiffen der 5. Flotte mit fortschrittlichen Minenabwehrfähigkeiten und zählen zu den neuen Littoral Combat Ships. Das sind keine klassischen Minenabwehrfahrzeuge. Sie sind flexibel für mehrere Missionen in Küstennähe ausgelegt: von der Bekämpfung von U-Booten oder Schiffen bis zum Transport von Bodentruppen.

Die Tulsa und Santa Barbara aber sind speziell für die Minenjagd ausgerüstet. Ein Sonar liefert deren Positionen. Das Kernstück sind Überwasser- und Unterwasserdrohnen, die von Bord aus gestartet werden und wiederum selbst mit Sensoren ausgestattet sind. Sie sollen Minen zerstören, während sich das Kriegsschiff außerhalb der Gefahrenzone befindet. Die Schiffe können zudem Hubschrauber mit Minenabwehrwaffen transportieren.

Noch im Februar am Golf gesichtet

Doch die Marine, die viel Geld in die Schiffe investiert hat, kämpft schon seit Längerem mit technischen Problemen. Kritiker merken an, dass es ihnen an Kampferfahrung fehle, sie zu groß und zu anfällig gegenüber Seeminen seien. Auch bei den unbemannten Waffensystemen soll es Defizite geben. Manche Beobachter vermuten, dass die Schiffe deswegen abgezogen wurden. Angesichts mangelnder Alternativen könnten sie dennoch wichtige Aufklärung und Feuerkraft bei der Minenräumung in der Straße von Hormus bereitstellen.

Warum die Schiffe nach Malaysia verlegt wurden, ist unklar. Ein Marinesprecher erklärte „The War Zone“, dass die Tulsa und Santa Barbara dort „kurze logistische Stopps“ einlegten. Aber auch das Fachportal fragt sich, warum sie dafür kurz vor Kriegsbeginn im Nahen Osten Tausende Kilometer entfernt Station machten. Demnach könnte das möglicherweise auf die Verfügbarkeit geeigneter Häfen oder auf diplomatische Erwägungen zurückzuführen sein. Laut dem Marinesprecher steuern die US-Streitkräfte regelmäßig malaysische Häfen an, „was die enge und langjährige militärische Zusammenarbeit“ widerspiegele.

Doch der Zeitpunkt vermag verwundern. Mindestens bis Ende Januar operierte die Santa Barbara noch im Persischen Golf, Bilder zeigten die Tulsa am 9. Februar in einem Hafen in Bahrain. Am 28. Februar begann der Irankrieg. Wo sich derzeit das dritte Littoral Combat Ship der 5. Flotte befindet, die USS Canberra, ist unbekannt. Laut Schiffverfolgungsplattformen befanden sich die Tulsa und Santa Barbara am Mittwoch weiterhin in der Nähe von Malaysia.

Trump aber zeigt sich unbeirrt: Zahlreiche Schiffe seien nahe der Straße von Hormus stationiert, ausgerüstet mit der „weltweit besten Ausrüstung“ zur Minenabwehr. Die Tulsa und Santa Barbara dürfte er damit nicht gemeint haben.

Source: faz.net