Starlink: Wie Elon Musk dies Internet regiert

Seit dem 8. Januar ist Iran von der Welt abgetrennt. Nahezu 90 Millionen Menschen haben keinen Zugang mehr zum Internet, auch Festnetz- und Mobilverbindungen funktionieren nicht mehr. Es ist die bislang umfassendste digitale Blockade des Landes, eine Reaktion des iranischen Regimes auf die Proteste gegen Unterdrückung und wirtschaftliche Not. Das Regime nimmt den Menschen damit beinahe jede Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren, und lässt die Welt im Ungewissen darüber, was in Iran geschieht.

Dass trotzdem Informationen, Bilder und Videos auftauchen, von Demonstrationen, von der Gewalt der Revolutionsgarden, von Leichensäcken, liegt vor allem an dem Unternehmen SpaceX und dessen Chef, Elon Musk. Denn über sein Satellitennetzwerk Starlink gelingt einigen Iranern weiterhin der Zugang zur Außenwelt, auch wenn die Nutzung von Starlink dort eigentlich verboten ist und bei Verstoß harte Strafen drohen.

Die Situation in Iran zeigt auch, wie abhängig Länder inzwischen von digitaler Vernetzung sind. Und wie groß der Einfluss des Mannes geworden ist, der die Verbindung wiederherstellen kann.

Die Abhängigkeit ist groß

Als Starlink 2019 startete, klang die Idee revolutionär: Internet für alle, selbst an den entlegensten Orten der Welt. Tatsächlich wird Starlink heute an zahlreichen Orten eingesetzt. In der Ukraine hält das Satellitennetz seit Beginn des Kriegs die Kommunikation zwischen Militär, Behörden, aber auch Zivilisten aufrecht. Im Gazastreifen verband Starlink ein Krankenhaus mit dem Internet, sodass es weiterhin mit anderen medizinischen Einrichtungen in Kontakt treten konnte. In der Antarktis nutzen Forschungsteams inzwischen das System für Expeditionen und auf abgelegenen Stationen. Selbst während der Flutkatastrophe im Ahrtal half Starlink, das zerstörte Netz provisorisch wiederherzustellen.

Das sind nur wenige Beispiele. Sie zeigen aber, wie wichtig Starlink heute schon ist. Und sie zeigen auch, wie groß die Abhängigkeit vielerorts von dem Konzern dahinter geworden ist.

Was das bedeutet, zeigte Musk im vergangenen Jahr in der Ukraine. Systematisch hatte Russland schon von Beginn des Krieges an die ukrainische Infrastruktur zerstört: Stromnetze, Sendemasten, Internetverbindungen. Hilfe kam auch hier von Musk. Bis heute nutzt die Ukraine rund 50.000 Starlink-Terminals. Sie sind notwendig, um etwa Echtzeitverbindungen zwischen Drohnen und Kommandozentralen herzustellen.

Streit auf X

Im März 2025, damals war Musk noch Berater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, kam es auf seiner Plattform X zu einem Streit über die Nutzung des Systems in der Ukraine. Musk schrieb, dass die Ukraine ohne das Satellitennetzwerk am Ende wäre. „Mein Starlink-System ist das Rückgrat der ukrainischen Armee. Ihre gesamte Front bräche zusammen, wenn ich es ausschalten würde.“ Polens Außenminister Radosław Sikorski empfand das als Drohung und entgegnete Musk, dass sein Land jährlich 50 Millionen Dollar für den Starlink-Dienst in der Ukraine zahle. Man werde „gezwungen sein, uns nach anderen Anbietern umzusehen, sollte sich SpaceX als unzuverlässiger Anbieter erweisen“. Daraufhin antwortete Musk nur: „Sei still, kleiner Mann.“ Polen zahle nur einen Bruchteil der Kosten. „Und es gibt keinen Ersatz für Starlink“, schrieb er weiter. Später versicherte Musk zwar, dass er niemals die Terminals für die Ukraine abschalten werde. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er es könnte.

Denn Musk hat recht: Starlink ist oft die einzige Möglichkeit, in Kriegsgebieten, abgelegenen Regionen oder nach Naturkatastrophen Zugang zum Internet zu erhalten. SpaceX ist längst der größte Satellitenbetreiber der Welt. Derzeit betreibt das Unternehmen mehr als 9400 Starlink-Satelliten.

Zwar hat die EU das Problem erkannt, doch das erst reichlich spät. So gibt es ein EU-Satellitenprogramm, dieses soll aber frühestens 2030 einsatzbereit sein. Konkurrenten wie der französische Konzern Eutelsat Oneweb betreiben nur rund 650 Satelliten und damit nur einen Bruchteil im Vergleich zu Starlink.

Musk kann also bisher nahezu allein entscheiden, wer Zugang zu seinem Netz erhält und wer nicht. Wie impulsiv er mit dieser Macht umgeht, zeigte zuletzt ein Streit mit Ryanair: Als dessen Vorstandsvorsitzender Michael O’Leary es ablehnte, seine Flieger mit Starlink zu verbinden, beschimpfte Musk ihn auf X als „kompletten Idioten“.

Für Millionen von Menschen ist Starlink viel wichtiger als für Ryanair-Passagiere. In Iran gibt es Gerüchte, dass das Internet bald mit Einschränkungen wieder funktionieren könnte. Andere sagen, dass es noch bis zum iranischen Neujahrsfest Ende März blockiert bleiben könnte. In beiden Fällen gilt, dass die Iraner für ein freies Internet Starlink benötigen – und damit auch Elon Musk.