Stadt prüft Konsequenzen: Heidelberger Investor Jarecki taucht in Epstein-Akten uff

Der in Heidelberg tätige Investor und Mäzen Henry Jarecki wird an mehreren Stellen in den Epstein-Akten erwähnt. Deshalb prüfen die Stadt Heidelberg und die Universität derzeit, ob die Verdachtsmomente Konsequenzen haben müssen. Der 1933 in Stettin geborene Jarecki hatte in den 1950er-Jahren in Heidelberg Medizin studiert und promoviert. Er soll nach bisherigen Erkenntnissen zu den engeren Freunden des amerikanischen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gehört haben, der am 10. August 2019 in der Haft verstarb.
In Epsteins Geburtstagsbuch soll sich Jarecki 2003 noch vor dem jetzigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump eingetragen haben. In den Akten finden sich mehrere Mails sowie zahlreiche, noch nicht genauer analysierte Fotodokumente. Die Verstrickungen waren vor wenigen Tagen von den Heidelberger Jusos öffentlich gemacht worden.
Für sein Engagement erhielt Jarecki das Bundesverdienstkreuz
In Heidelberg betätigte sich Jarecki als Investor im Vorzeige-Stadtquartier „Bahnstadt“. In einige der dortigen Neubauten soll die Max-Jarecki-Stiftung nach Recherchen der „Rhein-Neckar-Zeitung“ etwa 250 Millionen Euro investiert haben. Die Stiftung ist nach dem Vater benannt. Die jüdische Familie war 1939 vor den Nationalsozialisten geflohen und zunächst nach Großbritannien und später in die Vereinigten Staaten emigriert.
Jarecki arbeitete als Psychiater und Unternehmer und war Vorsitzender der Geschäftsführung des einst weltweit operierenden Edelmetallhändlers „Mocatta Metals“, Jarecki war auch Mitgründer des Kinoinformationsdienstes „Moviefone“. 2016 erhielt er für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz.
Die Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, forderte Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) sowie die Universitätsleitung auf, die Beziehungen zu Jarecki zu prüfen. Die Universität hatte Jarecki 2014 die Ehrensenatorwürde verliehen, sie kann nur vom Senat entzogen werden. Nach Darstellung der Stadt unterhält sie nur zu der Stiftung Geschäftsbeziehungen.
Aus Sicht der Universität gilt die Unschuldsvermutung für Jarecki. Man werde die weiteren Entwicklungen sorgfältig verfolgen, sagte eine Sprecherin. „Wenn derartige Anschuldigungen rechtlich bewertet worden sind, kann der Senat als zuständiges Gremium der Universität sich mit möglichen Schritten befassen.“ Die Jusos forderten die Aberkennung der Ehrensenatorwürde und des Bundesverdienstkreuzes. Die Stadt müsse ferner die Zusammenarbeit mit Jarecki „schnellstmöglich beenden“.
Source: faz.net