„Sperrt die Männer weg!“ – Zehntausende vorexerzieren in Deutschland
Tausende Menschen sind in mehreren deutschen Städten zum Weltfrauentag auf die Straße gegangen. Auf Demonstrationen in Hamburg und Berlin ging es um Gleichberechtigung – begleitet von provokanten Parolen und politischen Forderungen.
Tausende Menschen haben in mehreren deutschen Städten zum Weltfrauentag demonstriert. In Hamburg versammelten sich unter dem Motto „Internationale feministische Kämpfe vereinen“ mehrere Tausend Teilnehmer zu einer Demonstration. Die überwiegend weiblichen Demonstrierenden zogen von den St.-Pauli-Landungsbrücken in Richtung Altona-Altstadt. Eine genaue Teilnehmerzahl konnte die Polizei zunächst nicht nennen.
Auf Schildern hieß es: „Wir sind die Töchter der Hexen, die ihr nicht verbrennen konntet“, „Sperrt die Männer weg!“ oder „No men, no problem“. Über dem Demonstrationszug waren auch Fahnen linker und kommunistischer Gruppen zu sehen. Einige Teilnehmerinnen zündeten Feuerwerkskörper mit farbigem Rauch an.
In ihrem Aufruf auf Instagram schrieben die Veranstalter, die sich als Teil der „Arbeiter:innenbewegung“ bezeichneten: „Wir lassen uns nicht spalten, denn wir wissen, dass wir uns nur gemeinsam befreien können. Wie unzählige Frauen und LINTA* in aller Welt, sind auch wir laut gegen Antifeminismus, Ausbeutung und den steigenden Rechtsruck.“ Die Abkürzung „LINTA*“ steht für Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, Trans- und agender Personen.
27.000 Menschen in Berlin: „Feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“
Auch in Berlin gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 27.000 Menschen an einer Demonstration unter dem Motto „Feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“, die von Berlin-Kreuzberg nach Mitte führte. Ursprünglich waren nur 10.000 Teilnehmer angemeldet. Zu der Demonstration hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Verbänden und Initiativen aufgerufen, auch Frauenzentren schlossen sich an. Der Zug verlief laut Polizeisprecher Florian Nath friedlich und ohne besondere Vorfälle.
„Gleichberechtigung ist keine Raketenwissenschaft“, war auf einem Plakat zu lesen, „Mann tötet nicht aus Liebe“ auf einem anderen. Rednerinnen kritisierten, dass Gewalt gegen Frauen in Deutschland zum Alltag gehöre. Sie wandten sich auch gegen Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz und gegen eine mögliche Wehrpflicht für Frauen.
In ihrer Auftaktrede betonte die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Berlin-Brandenburg, Katja Karger, den Kampf für gleiche Rechte. Vieles, „was heute selbstverständlich erscheint“, hätten Frauen „hart erkämpft: Frauenwahlrecht, Mutterschutz, Acht-Stunden-Tag“, sagte Karger laut vorab verbreitetem Redemanuskript.
Auch Politiker haben gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sowie bessere Arbeitsbedingungen gefordert. „Wer eine Frau ist, hat in unserem Arbeitsmarkt noch immer ein deutlich höheres Risiko, finanziell benachteiligt zu sein“, erklärte Brandenburgs Frauenministerin Britta Müller (parteilos).
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) konstatierte, hinsichtlich Frauenrechten sei zwar „viel erreicht“ worden, „aber es gibt noch viel zu tun“. Auch er verwies auf die schlechtere Bezahlung von Frauen und ihre mangelnde Repräsentation in Führungsetagen. Zudem dürften Gewalt gegen Frauen und Femizide „niemals akzeptiert werden“.
Protestaktionen am Montag geplant
Für Montag ruft die Initiative „Enough/Genug“ zu einem „globalen Frauenstreik“ auf. Einen Tag nach dem Weltfrauentag sollen Teilnehmerinnen ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen. Angesichts bedrohlicher Zeiten seien schärfere Instrumente als Petitionen und Demonstrationen notwendig, hieß es.
Den Aufruf der Initiative unterstützen deutschlandweit mehrere Organisationen. So verweist der Sozialverband Deutschland darauf, wie zentral die Arbeit von Frauen für das Funktionieren der Gesellschaft sei. Ziel der Bewegung sei es, die oftmals unsichtbare Arbeit von Frauen sichtbar zu machen und auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen. „Der März als Gleichstellungsmonat muss ein Weckruf sein: Deutschland braucht endlich eine Politik, die Gleichstellung konsequent umsetzt“, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
dpa/rpd/jra
Source: welt.de