Sparquote steigern: Wie viel sollte ich von meiner Gehaltserhöhung sparen?

Mit einer Gehaltserhöhung eröffnen sich neue finanzielle Möglichkeiten. Die Gedanken schweifen schnell zu besonderen Restaurantbesuchen, neuem Spielzeug für die Kinder oder der nächsten großen Reise. Zusätzliche Einnahmen verführen dazu, sich Wünsche zu erfüllen, die bisher aufgeschoben wurden. Doch wie viel sollte man eigentlich von seiner Gehaltserhöhung sparen?

Richtwerte können dabei hilfreich sein. Letztlich ist aber die eigene Lebenssituation ausschlaggebend: „Wie man finanzielle Entscheidungen trifft, kann man nicht verallgemeinern, sondern muss ganz individuell beurteilt werden“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Durch Gehaltserhöhung mit eigenen Finanzen auseinandersetzen

Deshalb ist es wichtig, sich immer mit der eigenen finanziellen Situation auseinanderzusetzen. Eine Gehaltserhöhung ist ein guter Zeitpunkt, um zu überlegen, wie viel man sparen kann. „Viele Ziele kosten einfach Geld, und es ist sinnvoll, dafür frühzeitig mit dem Sparen anzufangen. Je eher man anfängt, desto weniger hoch muss die Sparquote sein“, erklärt Scherfling.

Hohe Preise für Alltägliches erschweren es vielen Menschen in Deutschland zu sparen: Zwar legen laut einer Yougov-Umfrage im Auftrag der Postbank vier von fünf der über 2000 Befragten regelmäßig Geld zurück, doch 62,8 Prozent halten ihre Sparleistung für unzureichend, um sich für finanzielle Engpässe oder für das Alter abzusichern.

Die Hälfte der Gehaltserhöhung sparen?

Viele legen eher kleine Beträge beiseite: 14 Prozent sparen weniger als 500 Euro im Jahr, 25 Prozent zwischen 500 und 2500 Euro. Während inzwischen 34 Prozent der Befragten in Aktien oder Fonds investieren, gibt jeder Vierte an, mit den Rücklagen maximal zwei Monate die Lebenserhaltungskosten abdecken zu können.

Ungefähre Regeln können anfänglich hilfreich sein, um die neue Gehaltserhöhung oder allgemein das Thema Budgetierung anzugehen. Grob kann man sagen, dass man die Hälfte des Geldes sparen sollte. „Jüngere Menschen haben meist viele Ziele, aber noch wenig Geld. Daher leisten sich viele lieber etwas, als zu sparen. Ältere hingegen haben sich zumindest die erreichbaren Wünsche oft schon erfüllt“, sagt Scherfling.

Budget nach Gehaltserhöhung mit 50-30-20-Regel planen

Wer sein Budget nach einer Gehaltserhöhung neu plant, kann auch die sogenannte 50-30-20-Regel befolgen. Diese besagt, dass man sein monatliches Nettoeinkommen aufteilen sollte. Die Fixkosten sollten bei 50 Prozent liegen, dazu zählen die Miete, Lebensmittel, Versicherungen und ein Mobilfunkvertrag. Für persönliche Bedürfnisse, wie Freizeitaktivitäten, Streaming-Abos, Ausflüge und auch Urlaub können 30 Prozent ausgegeben werden. Die restlichen 20 Prozent sollten kurz- bis langfristig gespart werden.

Doch ist diese Theorie mit Blick auf die gestiegene Lebenserhaltungskosten realistisch? „20 Prozent des Nettogehalts zu sparen, ist schon eine Hausnummer. Die durchschnittliche Sparquote in Deutschland liegt bei etwa elf Prozent und ist damit sogar höher als in vielen anderen Ländern“, ordnet es Scherfling von der Verbraucherzentrale ein. „Viele Menschen in Deutschland sind keine Gutverdiener, sondern stellen sich die Frage: Wie kann ich überhaupt sparen und meine Sparquote möglicherweise noch erhöhen?“ Dabei kann es hilfreich sein, auch Sparpotentiale im Kleinen zu finden, wie überflüssige Versicherungen oder wenig genutzte Abos zu kündigen.

Zuerst Notgroschen aufbauen, dann in ETF-Sparplan investieren

Zunächst sollte man aber eine finanzielle Grundlage schaffen: eine Haftpflichtversicherung, mögliche Konsumkredite tilgen und ein Notgroschen von mindestens drei Nettomonatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto legen. Erst danach empfiehlt sich der Vermögensaufbau. Ungefähr kann man sagen, dass man im Alter von 30 Jahren 15 Prozent des Nettogehalts in den ETF-Sparplan anlegen sollte, um im Alter eine Chance zu haben, zusammen mit der gesetzlichen Rente auf knapp 80 Prozent des letzten Nettogehalts zu kommen.

Geeignete Aktienindizes sind zum Beispiel der MSCI World oder der FTSE All-World Index. Diese sind als Fundament gut geeignet, weil sie das Risiko verteilen. Denn der MSCI World Index setzt sich aus knapp 1400 Einzelunternehmen aus 23 Ländern zusammen. Rund 70 Prozent der Unternehmen stammen aus den USA. Es handelt sich vor allem um Konzerne wie Apple oder Microsoft, sogenannte Standardwerte, die global tätig sind. Die Zusammensetzung wird regelmäßig aktualisiert, damit immer die relevantesten Firmen der beteiligten Länder enthalten sind.

Überlegen, wie man die Gehaltserhöhung sinnvoll einsetzen kann

Die Bewertungen vieler US-Unternehmen, vor allem die der großen Technologiekonzerne, sind derzeit hoch, während geopolitische Unsicherheiten und steigende Zinsen die Märkte belasten. Dennoch zeigt die Erfahrung: Wer mit einem breit gestreuten ETF wie dem MSCI World langfristig über Jahrzehnte investiert, konnte meist Rückschläge aussitzen und von Kursgewinnen profitieren.

Neue finanzielle Möglichkeiten ergeben sich durch eine Gehaltserhöhung – gleichzeitig wächst die Verantwortung, das zusätzliche Geld sinnvoll einzusetzen. Pauschale Regeln können helfen, doch am wichtigsten sind die eigenen Ziele und Lebensumstände. Am Ende zählt nicht, wie viel Prozent der Gehaltserhöhung auf dem Papier gespart werden, sondern wie das zusätzliche Geld sinnvoll eingesetzt wird.

Source: faz.net