Spargelbauern fordern Ausnahmen beim Mindestlohn
Steigende Löhne und der europäische Wettbewerb machten die kostendeckende Produktion von Spargel immer schwieriger, klagen Landwirte. Was bedeutet der gestiegene Mindestlohn für sie?
„Endlich ist er da“ – der erste Spargel. So verkündeten es gleich mehrere Beelitzer Spargelbauern in den vergangenen Märztagen auf ihren Social Media-Kanälen. Jedes Jahr werden die ersten Stangen von Spargelfans sehnsüchtig erwartet und gebührend gefeiert. In diesem Jahr ist das Edelgemüse früh dran: Das milde Wetter im März führt dazu, dass die Spargelbauern schon vor Ostern den Saisonstart einläuten können.
Er gehe „grundsätzlich optimistisch“ in die aktuelle Saison, sagt der Vorsitzende des Beelitzer Spargelvereins Jürgen Jakobs, aber die weltpolitische und wirtschaftliche Lage „betrüben uns ein wenig“. Spargel ist – gemessen an der Anbaufläche – das bedeutendste Gemüse in Brandenburg. Das Hauptanbaugebiet befindet sich rund um Beelitz (Potsdam-Mittelmark).
Spargelstecher oft aus Osteuropa
Die Anbaufläche dort habe sich seit 2018 verkleinert, berichtet Jakobs: um ein Drittel von 1.800 Hektar auf rund 1.200 Hektar. Die hohen Spritpreise und die Erhöhung des Mindestlohns auf jetzt 13,90 Euro seien „eine Riesen-Herausforderung“, so Jakobs. „Das sind enorm steigende Kosten, und wir wollen ja unseren Spargel trotzdem so anbieten, dass die Bürger ihn auch kaufen können und wollen.“
Gestochen wird der Beelitzer Spargel von Saisonarbeitern aus Osteuropa. Auf dem Spargelhof von Jakobs sind es zu 85 Prozent Rumänen, 15 Prozent der Arbeiter kommen aus Polen. Ab 6.00 Uhr morgens stehen sie auf den Feldern und ernten den unter Folie wachsenden Spargel. Sie bekommen den Mindestlohn.
„Differenzierter Mindestlohn“ für Saisonarbeiter?
Vorarbeiter Macau Ovidiu aus Rumänien arbeitet in der Sortierhalle für den Spargel: Hier wird das Gemüse gewaschen, nach Größe sortiert und für den Verkauf vorbereitet. Er kommt schon seit 15 Jahren als Saisonarbeiter nach Beelitz. Hier verdiene er gutes Geld, sagt er in gebrochenem Englisch. „Ich komme hierher, weil es sehr gut ist, super Firma. Und mehr Geld.“
Die Landwirte kämpfen jedoch für eine Ausnahme vom Mindestlohn für Saisonarbeiter, den sogenannten differenzierten Mindestlohn. Danach sollen nur rund 80 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns für Saisonarbeiter gezahlt werden. Laut Jürgen Jakobs sei das dringend nötig und „würde helfen, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“.
Harter Konkurrenzdruck aus Süd- und Westeuropa
Probleme, Saisonarbeiter zu finden, haben die Spargelbauern aktuell nicht. Auch das liege am Mindestlohn: Der sei nirgends sonst in Europa so hoch wie in Deutschland. Die deutschen Spargelbauern konkurrieren mit Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien. Der Mindestlohn sei ein Nachteil, sagt Jakobs, weil dadurch die Spargelpreise höher ausfallen müssten, um kostendeckend zu arbeiten: „Die Produzenten dort haben enorme Wettbewerbsvorteile gegenüber uns, und sie können natürlich ihr Produkt dann im Supermarkt billiger anbieten.“
In Beelitz führt das dazu, dass die Landwirte an anderer Stelle sparen müssen. Unter anderem soll das Ausliefern effektiver werden. Bestellungen von Kunden würden zusammengelegt, um Fahrtkosten zu sparen angesichts der hohen Spritpreise. Wichtig sei, dass die Menschen regionalen Spargel kaufen, sagt Jakobs. Im vergangenen Jahr wurden in Brandenburg rund 19.000 Tonnen Spargel geerntet. Wieviel es in diesem Jahr wird, steht Ende Juni fest, die Saison endet traditionell am 24. Juni.
Source: tagesschau.de