Sozialisten profitieren Kommunalwahlen in Paris und Marseille

Sozialist Emmanuel Grégoire küsst nach seinem Wahlsieg den Rathausschlüssel von Paris

Stand: 23.03.2026 • 02:02 Uhr

Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich galt die Kommunalwahl als Stimmungstest. In Paris, Marseille und anderen Städten gab es dabei interessante Ergebnisse.

Paris bekommt einen neuen Bürgermeister: Bei der Kommunalwahl in der französischen Hauptstadt setzte sich die Liste des 48 Jahre alten Sozialisten Emmanuel Grégoire durch. Laut Hochrechnungen der Meinungsforschungsinstitute Ifop und Ipsos kommt Grégoire auf 51,1 beziehungsweise 51,8 Prozent der Stimmen.

Damit dürfte er seine langjährige Chefin Anne Hidalgo ablösen, die Paris zur Fahrradstadt gemacht hat und nach zwölf Jahren im Amt nicht mehr antreten wollte. Hidalgo gratulierte ihrem Nachfolger „zu diesem großartigen Sieg“. Die Sozialisten regieren seit 25 Jahren in Paris.

Ex-Ministerin Dati unterliegt

Die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati kam auf 37 bis 40 Prozent. Dati war vom Präsidentenlager unterstützt worden, wobei Präsident Emmanuel Macron öffentlich bestritt, sich persönlich für sie eingesetzt zu haben. Für die Konservativen und auch das Mitte-Lager, die gemeinsam einen Machtwechsel in Paris einleiten wollten, ist das Ergebnis ein herber Rückschlag.

Grégoire will die klimafreundliche Politik in Paris fortsetzen. Neben neuen Radwegen soll es auch mehr Sozialwohnungen geben – 30 Prozent bis 2035. Dazu will Grégoire unter anderem leer stehende Büroräume umwandeln und niedrige Gebäude aufstocken.

Bürgermeister Payan gewinnt in Marseille

Auch in Marseille konnte sich der linke Kandidat durchsetzen. Dort gewann der sozialistische Amtsinhaber Benoît Payan mit etwa 53 Prozent gegen den rechtspopulistischen Kandidaten Franck Allisio, der knapp 40 Prozent der Stimmen erhielt. In den Umfragen hatten beide zeitweise gleichauf gelegen.

Ein Sieg für Allisios Rassemblement National (RN) – die Partei von Marine Le Pen – hätte eine große Symbolwirkung mit Blick auf die 2027 anstehende Präsidentschaftswahl gehabt. Die Hafenstadt anzuführen, wäre für die Rechtspopulisten ein enormer Erfolg gewesen.

Auch in Nîmes und Toulon, wo RN sich Hoffnungen gemacht hatte, landeten sie Hochrechnungen zufolge nur auf Platz zwei. Immerhin landete mit Éric Ciotti ein parteifremder Verbündeter des RN in Nizza vorne. Le Pen schrieb trotzdem von einem „immensen Sieg“.

Amtsinhaber siegen in Lyon und Le Havre

In Lyon konnte der grüne Bürgermeister Grégory Doucet das Rathaus verteidigen. Er setzte sich gegen den prominenten Fußballmanager Jean-Michel Aulas durch. Aulas ging für die Konservativen und Mitte-Kräfte ins Rennen.

In Le Havre wurde der ehemalige französische Premierminister Edouard Philippe, der 2027 bei der Präsidentschaftswahl antreten will, als Bürgermeister wiedergewählt. Philippe hatte seine Präsidentschaftskandidatur bereits erklärt, aber sie zugleich von seiner erfolgreichen Wiederwahl als Bürgermeister von Le Havre abhängig gemacht.

Bei den Kommunalwahlen stimmen die Einwohnerinnen und Einwohner Frankreichs nicht direkt für einen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin. Sie wählen die Mitglieder des künftigen Rathauses, die dann ihren Chef oder ihre Chefin wählen. Da die Liste, die vorne landet, aber eine feste Zahl an Sitzen im Rat obendrauf bekommt, stellt diese Liste in der Regel auch den Bürgermeister.

Source: tagesschau.de