Sotheby’s-Präsidentin Niggemann: Sie bahnte deutschen Künstlern und Sammlern international den Weg

In den Siebzigerjahren begann Uschi Niggemann, für das Auktionshaus Sotheby’s zu arbeiten. Sie lebte in Köln, das damals zu einem Zentrum der Kunstwelt avancierte. Als sie 1982 das Sotheby’s-Büro in Köln gründete, war das ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Integration Deutschlands in den globalen Kunstmarkt. Damals verfügte Uschi Niggemeier bereits über ein Netzwerk im internationalen Handel. Sie kannte zeitgenössische deutsche Künstler wie etwa Gerhard Richter und auch die vor allem rheinischen Privatsammler. So verstand sie es, diese Künstler im Markt zu etablieren und sie in großen Sammlungen zu platzieren. In den Achtzigern und Neunzigern gelang es ihr dann, deutsche Sammlungen zu Auktionen nach London oder New York zu vermitteln.

Loyal und persönlich zugewandt

Zu Uschi Niggemanns Erfolg als Schlüsselfigur trug wesentlich ihre persönliche Ausstrahlung bei. Sie hatte nicht nur ein gutes Gespür und Expertise; alle in ihrem Umfeld schätzten sie überdies für ihre Diskretion und Loyalität, nicht zuletzt für ihre Zugewandtheit und ihren Humor. Besonders um die seinerzeit noch Jungen in der Firma kümmerte sie sich. Tobias Meyer, von 1997 an Chef-Auktionator und bis zu seinem Ausscheiden 2013 Worldwide Head of Contemporary Art bei Sotheby’s, erinnert sich im Gespräch mit der F.A.Z.: „Uschi Niggemann war schon ganz früh mit der Avantgarde zusammen, befreundet mit Beuys, auf dem Sofa mit Warhol. Sie hatte sehr viel gesehen und konnte mit diesen Kontakten das Kölner Büro von Sotheby’s mit großem Elan und Charme eröffnen. Sie hat viele Experten sehr unterstützt. Wir freuten uns alle immer auf einen Besuch bei ihr in Köln.“

Uschi (eigentlich Ursula) Niggemann stieg zur Senior Director, schließlich zur Präsidentin von Sotheby’s Deutschland auf, ehe sie sich aus Altersgründen Mitte der Zehnerjahre aus dem operativen Geschäft zurückzog. Am 8. März ist sie, wohl Jahrgang 1944 (ihr Alter hat sie stets verschleiert), wie erst später bekannt wurde, in Köln verstorben. Mit ihr geht, so ist auch Tobias Meyer zu verstehen, eine Persönlichkeit, wie es sie im aktuellen, immer schärfer kompetitiven Auktionsgeschäft kaum noch gibt.

Die Beisetzung von Uschi Niggemann findet am 25. März auf dem Kölner Südfriedhof statt.

Source: faz.net